Wasserrettungskräfte aus Westfalen werden im Feuerwehrhaus Parsberg verpflegt

Von Markus Rath · 3. Juni 2024 um 19:00

Seit dem Wochenende ist Bayern ein Hochwasser-Krisengebiet. Weil die Pegel weiter steigen, eilen aus der ganzen Republik Helfer herbei. Damit sie den Menschen in den betroffenen Regionen beistehen können, braucht es im Hintergrund eine ausgeklügelte Logistik. Ein Rädchen in diesem System war am Montag das Feuerwehrhaus Parsberg.

11 Uhr. Als Stefan Lindwehr, Zugführer eines DLRG-Wasserrettungszugs aus Paderborn, und seine Kameraden ihre Einsatzfahrzeuge auf dem Parsberger Volksfestplatz abstellen, haben sie fast zwölf Stunden Autobahnfahrt hinter sich. „Wir sind gestern alarmiert worden und in der Nacht aufgebrochen“, erzählt er im Gespräch mit unserem Medienhaus.

300 Retter werden versorgt

Damit ist er nicht allein. Rund 300 ehrenamtliche Helfer – von DLRG und DRK-Wasserrettungszügen – werden in der Mittagszeit an der Verpflegungsstation im Feuerwehrhaus bewirtet. Diese wurde vom BRK-Kreisverband Neumarkt zusammen mit der Feuerwehr Parsberg in der Fahrzeughalle eingerichtet. Als sie eintreffen, warten auf die Frauen und Männer aus Westfalen bereits dampfende Nudeln mit Bolognese, zubereitet im BRK Ausbildungs- und Tagungszentrum Haus Hohenfels.

„Wir sind hier mit mehr als 20 Mann von BRK und Wasserwacht im Einsatz“, berichtet Kreisbereitschaftsleiter Wolfgang Liedl. Die Gäste aus Westfalen sollen bei ihrer ersten längeren Rast in Bayern freundlich empfangen werden und eine ordentliche Mahlzeit bekommen, ehe sie ihren Einsatzbefehl bekommen. „Wir wissen nicht, welche Einsätze sie vor sich haben. Da ist es wichtig, dass sie vorher noch einmal in ein freundliches Gesicht blicken“, sagt BRK-Bezirksbereitschaftsleiter Dieter Hauenstein, der das gute Zusammenwirken aller Hilfsorganisationen und aller staatlichen Stellen lobt.

Parsberger packen mit an und unterstützen BRK

Denn nicht nur das BRK hat in Parsberg mit angepackt: Feuerwehr und Mitarbeiter der Stadt haben mitgeholfen, Biertische und Bänke aufzustellen, um die Fahrzeughalle so in einen großen Speisesaal zu verwandeln. Für Bürgermeister Josef Bauer, der vor Ort auch die Grüße von Landrat Willibald Gailler überbringen darf, eine Selbstverständlichkeit. „Es ist ein gutes Zeichen, dass sich die Menschen in Deutschland immer noch helfen, wenn Not am Mann ist“, sagt er.

Dass Parsberg für diese Verpflegungsstation ausgewählt wurde, hat laut Kreisgeschäftsführer Klaus Zimmermann für das BRK vor allem pragmatische Gründe. „Parsberg hat sich schon in der Coronazeit als Standort bewährt“, sagt er. Man bilde mit der Stadt und der Feuerwehr ein eingespieltes Team.

Dazu komme die Nähe zur Autobahn, die Parkmöglichkeiten für die vielen Fahrzeuge auf den neuen Volksfestplatz und auch die räumliche Nähe zum Lagezentrum in Hohenfels. Von dort kommen ja auch die Nudeln, die sich Lindwehr inzwischen zusammen mit den anderen Helfern schmecken lässt. Alle sind freundlich, betont locker. Die Rast wirkt ein bisschen, wie ein letzes gemütliches Treffen, wie die berühmte Ruhe vor dem Sturm. Denn die Ungewissheit, was die Einsatzkräfte in den kommenden Tagen erwarten wird, ist bei Lindwehr schon spürbar.

„Wir wissen, dass wir es anders als im Ahrtal nicht mit einem Starkregenereignis zu tun haben. Die Pegel steigen langsamer, aber unaufhaltsam. Deswegen wird unsere Hauptaufgabe wohl darin liegen, Menschen zu evakuieren“, sagt der Mann.

Auch beim Elbehochwasser in Magdeburg im Einsatz

Für Lindwehr ist es nicht der erste Einsatz. Er hat 2013 beim Elbhochwasser in Magdeburg geholfen und danach verschiedene Einsätze in seiner westfälischen Heimat erlebt. Erst vor wenigen Tagen waren er und die 44 Kameraden seines Zugs bei einer großen Hochwasserübung dabei – jetzt müssen sie den Ernstfall bewältigen.

Ausgerüstet sind sie dafür mit speziellen Hochwasserbooten. Lindwehr: „Sie haben an ihrer Unterseite Rollen, damit wir sie auch in sehr seichtem Wasser benutzen können.“ Theoretisch könnten sie sogar über die Straße rollen.

Spezialisten mit an Bord

Außerdem gehören zu Lindwehrs Team sogenannte Strömungsretter. Sie besitzen eine besondere Ausbildung und werden, bekleidet mit Neoprenanzug, Helm und Prallschutzweste in Fließgewässern und schnell fließendem Hochwasser eingesetzt. „Das sind absolute Spezialisten. Sie sind besonders dafür geeignet, um Menschen aus Häusern zu retten oder Personen aus dem Wasser ins Boot zu helfen“, sagt dazu Dominik Schneider, Pressesprecher der DLRG Bayern.

Ihr Vorteil: Sie können sich nicht nur im Boot fortbewegen, sondern auch im Wasser. Dadurch können sie das Boot, wenn nötig auch durch überflutete städtische Gebiete hindurchschieben. Inzwischen ist auf Lindwehrs Handy ein Foto eingegangen. Es zeigt überflutete Flächen. Das nächste Ziel für den Konvoi: Landau an der Isar.

Das BRK serviert im Feuerwehrhaus Parsberg Nudeln für die Rettungskräfte aus Westfalen. Foto: Markus Rath