Pilsacher Ortsteil traf Sturzflut heftig: Bürgermeister wehrt sich gegen Kritik

Von Lothar Röhrl · 3. Juni 2024 um 15:16

Die Schneemühle (Gemeinde Pilsach) war einer der Orte im Landkreis Neumarkt, der von den Sturzfluten besonders getroffen wurde. Am Montag waren die Aufräumarbeiten weitgehend erledigt, die Erinnerung an das Ereignis aber noch lebendig. Und auch etwas Ärger mischte sich darunter.

„Das Wasser kam von allen Seiten: Von oben, von der Straße – und dann trat die Pilsach über ihre Ufer. Man konnte es nicht aufhalten“, schilderte Konrad Samberger den Hergang am Samstagabend.

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Das Gehöft in einem engen Tal, in dem auch die Pilsach entspringt, stand binnen Kürze unter Wasser. Sambergers Tochter Elisabeth erinnert sich: „Gegen Sieben habe ich rausgeschaut. Da war alles noch okay. 20 Minuten später kam viel Wasser den Berg herunter“.

Schneemühle bei Pilsach: 30 Pferde vor Wassermassen gerettet

Auf Hochwasser sei man eigentlich vorbereitet, sagte Konrad Samberger. „Platten und Sandsäcke standen bereit. Dieses Mal kamen aber unendliche Wassermassen herunter. Es war ein einziges Rauschen. Durch den Hof konnte man gar nicht mehr gehen. Denn man hatte Angst, dass man vom Wasser weggespült wird.“

Große Aufmerksamkeit galt den rund 30 Pferden. Jedes habe in Sicherheit gebracht werden können, sagte Samberger. der sich sehr darüber freute, wie schnell „ein Haufen“ Leute angepackt habe. Es waren Mitglieder des Reitvereins, Verwandte und Freunde. Sie verhinderten zudem, dass noch mehr Wasser in das Denkmal geschützte Gebäude strömte.

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Während noch in der Nacht auf Sonntag das Wasser aus der Mühle und ihren Nebengebäuden entfernt worden war, erinnerte am Sonntagnachmittag weiter oben der Zustand der Straße von der B 299 her Richtung Eismannsberg an die Flut. Dort hatte es den Straßenrand neben dem Abhang bis in ein Meter Tiefe ausgespült. Ein Teil der Starkstromleitung lag frei. Am Montag war die Straße gesperrt.

Pilsach will Konzept bei Sturzfluten entwickeln

Enttäuscht sei er von Bürgermeister Andreas Truber, sagte Samberger. Dessen Stellvertreter Stefan Heß sei da gewesen, der Rathauschef hingegen nicht. „Bei jeder Katastrophe ist der Bürgermeister da. Das gehört sich“, sagte Samberger. Ein anderer Bewohner der Schneemühle beschwerte sich, dass seit dem Hochwasser 2021 nichts passiert sei. Dabei hätten die Bürger das in einer Bürgerversammlung angemahnt und die Gemeinde ein Hochwasserschutzkonzept angekündigt.

Gegen diese Vorwürfe verwehrte sich Bürgermeister Andreas Truber entschieden. Er sei sehr wohl für längere Zeit vor Ort gewesen und habe den Einsatz von Feuerwehr und DLRG mit begleitet. Möglicherweise sei er nicht erkannt worden, weil er Feuerwehr-Kleidung getragen habe.

Auch zum angesprochenen Hochwasserschutzkonzept äußerte sich der Rathauschef. Ein solches Kommunales Sturzfluten Risikomanagement sei in Arbeit, sagte Truber. Die für das Sturzflutenkonzept nötigen Fachbüros seien jedoch rar und aktuell ausgelastet. Aber auch mit einem fertigen Konzept entlasse das die Einzelnen nicht aus der Eigenverantwortung, betonte der Rathauschef. Die Gemeinde habe bereits einiges getan und werde weitere Maßnahmen wie das Risikomanagement einleiten. Aber: 100-prozentigen Schutz könne die sie nicht gewährleisten.

Zumal dort, wo entgegen der Überzeugung der Gemeinde weiter in Nähe des Wassers und in einem Tal gebaut werde. Der Gemeinderat habe sich gegen weitere Gebäude in der Schneemühle ausgesprochen, erklärte Truber. Das Landratsamt habe den Bauantrag wegen Privilegierung aber genehmigt.

Konrad Samberger neben dem Graben, den das Wasser an der Straße nahe dem Pilsacher Ortsteil Schneemühle gerissen hat. Foto: Röhrl