Staubing versinkt erneut in der Flut – Anwohner macht das krank und wütend

Erst vor wenigen Wochen jährte sich das dramatische Pfingsthochwasser 1999 – jetzt trifft die Flut den Kelheimer Ortsteil Staubing erneut. „Wir stehen ohnmächtig da, wie unsere Häuser absaufen“, sagen Anrainer. Ihr Hab und Gut brachten sie in Sicherheit, ehe die Wassermassen in die Gebäude schwappten.
Korbinian Knauf klingt fast lakonisch. „Irgendwann habe ich beschlossen, Fenster und die Tür aufzumachen – abhalten lässt sich das Hochwasser sowie nicht.“ Der 26-Jährige wohnt am Staubinger Ortsring, wo die steigende Flut am Montag ungehindert auf die Häuser zuströmt. „Die Sandsäcke hat es weggespült. Das Wasser steht in der Garage und der Ankleide“, schildert er und deutet die Höhe an seiner Hüfte an: „etwa 1,30 Meter“.
Sein Haus kann Knauf nur mehr per Boot erreichen. „Die Wohnräume liegen im ersten Stock und sind sicher“, sagt er. Erstmals erlebt er ein Hochwasser in Staubing, vor zwei Jahren erwarb er das Anwesen. „Damals hieß es, es kommt ein Damm.“ Aber die Dorfbewohner warten vergeblich darauf. Erst vor kurzem klagte der Landesbund für Vogelschutz erneut gegen den Deich, weil er eine Kiesbank mit bedrohten Vogel- und Fischarten gefährdet sieht.
Erdgeschoss geräumt, fünf Kipper voll mit Möbeln
Umschlossen vom Wasser sind auch Haus und Nebengebäude des Ehepaars Buchner. Nur noch wenige Zentimeter steht die Brühe unter der Haustür. „Wir haben das Erdgeschoss ausgeräumt. Rund 30 Leute von der Feuerwehr und Nachbarn haben geholfen“, schildert Eduard Buchner (62). Fünf Kipper voll mit Möbeln wurden abtransportiert. „Wir wissen gar nicht genau, wohin. Aber das ist jetzt Nebensache“, so seine Ehefrau Inge.
Die 60-Jährige nimmt das Hochwasser – das mittlerweile sechste seit 1999 – deutlich mit. „Am Sonntag hat’s mir den Kreislauf zusammengehaut“, erklärt sie. In der Nacht zuvor schlief sie nur drei Stunden. Am Freitag hatten die Buchners bereits die Nebengebäude geräumt, Schafe und Enten fanden in einem leeren Stall eines Nachbarn Unterschlupf. Sonntagmittag begann die Räumaktion in der Wohnung.
Schäden und Dreck bleiben
„Richtig wütend“ ist Eduard Buchner. „Der Damm könnte längst stehen.“ So aber müssen er und seine Frau zusehen, wie das Wasser langsam ins Haus kriecht. So schlimm wie 1999 wird es diesmal nicht. „Aber die Mauern sind durch die Hochwasserereignisse mittlerweile so feucht, dass der Putz von selbst runter fällt.“ Was an Schäden und Dreck bleibe, sehe man erst nach dem Rückzug des Wassers.
Wie sehr die Feuerwehr Staubing auf Anschlag arbeitet, zeigt eine Aussage von Kommandant Rainer Huber auf die Frage, wie lange man schon im Einsatz sei: „Wie lange? Was für einen Tag haben wir heute eigentlich?“ Seit Samstagmittag, ergänzt ein FFW-Kollege. Mit mehr als zwei Dutzend Kräften sind die Aktiven seither gefordert. „Wir haben neun Gebäude mit Sandsäcken und Folien gesichert. Mit Trockenpumpen und Nasssaugern versuchen wir das Wasser wieder rauszubringen“, so Huber.
Mit einem Deich wäre alles sicher
Auch Behelfsstege wurden errichtet, mit Booten werden die Bewohner zu ihren Häusern gebracht oder abgeholt. Trockenen Fußes ist noch das Wohnhaus der Familie Schmerbeck in der Herrengasse. Aber vor ihrem Stallgebäude steht das Wasser bereits. „Den Keller haben wir ausgeräumt“, sagt Stephan Schmerbeck. Auch der 51-Jährige verhehlt seinen Ärger über den fehlenden Deich nicht. „Es könnte schon alles gesichert sein.“
Etwas Erleichterung verspüren die Anrainer, weil die Hochwasserprognosen keinen großen Anstieg mehr vorhersehen. „Rund 20 bis 30 Zentimeter mehr werden wir noch kriegen“, schätzt FFW-Kommandant Huber am Montagmittag. Aber jeder Zentimeter kann die Situation um einzelne Häuser verschärfen. „Wir können nur abwarten und zuschauen“, sagen die Anwohner ernüchtert.
In Weltenburg steht der Schutz in voller Höhe
In Weltenburg, nur rund einen Kilometer donauabwärts, ist die Lage eher „entspannt“, sagt Feuerwehrkommandant Markus Kraus. Der mobile Hochwasserschutz an der Asamstraße sei heuer erstmals in der vollen Höhe aufgebaut worden – sozusagen die „Generalprobe“. Die Fahrzeuge stellten Menschen aus dem Dorf zur Verfügung, die der Stadt Kelheim hätten nicht ausgereicht.
Den Scheitel erreichte das Hochwasser bei Weltenburg gegen 17 Uhr am Montag bei rund 7,30 Metern. Beim großen Hochwasser 1999 waren es 7,95 Meter gewesen, weiß Kraus. Doch dank des Hochwasserschutzes gebe es heuer bis auf ein „paar feuchte Keller“ keine Gefahr für Wohnhäuser.
Abwasser-Kanal drückt Fahrbahn hoch
Allerdings war die Asamstraße am Sonntagabend in Mitleidenschaft gezogen worden: Abwasser aus einem Kanal hatte etwa auf Höhe des Großparkplatzes die Fahrbahndecke angehoben und teilweise beschädigt. Laut Thomas Ederer, dem technischen Leiter des Abwasserzweckverbandes Kelheim, wurde mittels Pumpen des ehemaligen Klärwerkes Weltenburg Druck aus dem Kanal genommen. So sei die Lage bereits am Sonntagabend wieder stabilisiert worden.
Beim Kloster Weltenburg, das 1999 vom Wasser schwer beschädigt worden war, überwacht die Kelheimer Feuerwehr den Hochwasserschutz. „Das Kloster ist sicher“, sagt Kommandant Bernhard Kleiner. Die Klosterschenke hat geschlossen, sagt Abt Thomas Freihart. Besucher kommen derzeit keine.

