Bad Abbach und seine Ortsteile sind noch außer Gefahr – aber die Ernte im Donautal versinkt

Von Martina Hutzler · 3. Juni 2024 um 16:16

Wachsam, aber noch nicht allzu besorgt verfolgen die Einsatzkräfte im Gemeindebereich Bad Abbach (Landkreis Kelheim) das Donau-Hochwasser. Während den Ortschaften am Montag noch keine größeren Gefahren drohten, richten die Überflutungen bereits schwere Schäden im Landbau an, unter anderem auf den Kulturen vom Biohof Keil.

Die „Spargelinsel“ ist das Markenzeichen von Sepp Keil und Beate Mayer – aktuell ist die Lage einfach nur verhängnisvoll: Die künstliche Insel zwischen dem Poikamer Wehr und der Schleuse Oberndorf säuft seit dem Montag regelrecht ab. Und mit ihr vor allem die dortigen Erdbeerfelder. Denn der Schifffahrtskanal, der am Wehr vorbeiführt, fasst die Wassermassen nicht mehr; sie fluten die Insel. „Heute haben wir mit dem Erdbeer-Pflücken aufgehört“, es wäre zu gefährlich geworden, berichtet Beate Mayer.

Wasser und Schlamm werden wohl zum Totalausfall der empfindlichen Früchte führen; zumal, wenn das Hochwasser wie angekündigt nur langsam abfließt. Auch die sonstigen im Donautal gelegenen Plantagen und Felder des Bioland-Hofs sind betroffen, „Hafer, Zuckerrüben, Weizen“. Der Schaden sei noch kaum abzuschätzen.

Erntehelferinnen suchen Ersatz-Jobs

Während zwischen den Erdbeeren nun Frösche quaken, läuft der Hof im Krisenmodus. Beate Mayer versucht seit Montag, Ersatz-Arbeitsplätze für die rund 20 rumänischen Frauen zu organisieren, die eigens für die Erdbeer-Ernte auf den Hof in Kapfelberg gekommen waren. Bislang hat sie aber nur Absagen erhalten. Wer die Erntehelferinnen bei sich einsetzen könnte, kann sich bei ihr melden (Tel. 09405-1492).

In Bad Abbach, Oberndorf und Poikam wappnete man sich am Montag für weiter steigende Wasserstände; die örtlichen Feuerwehr-Einsatzleiter sprachen aber übereinstimmend von einer noch halbwegs entspannten Lage. Seit dem Wochenende kontrollieren Aktive fortlaufend die Donau-Dämme auf Dichtheit, mussten aber zum Glück noch nicht Alarm schlagen.

Eine aktuelle Übersicht über die Hochwasser-Lage im Landkreis Kelheim finden Sie in unserem Live-Blog!

Im Hauptort wurde am Montag auch die B16-Fußgängerunterführung bei der Tankstelle mit Sandsäcken abgedichtet. Die Unterführung im Ortskern wurde schon am Wochenende zum Donauvorland hin abgeschottet, so der Abbacher Vize-Kommandant Benedikt Hartmann.

Entlang der Oberndorfer Straße hatten Bauhof und THW, unterstützt von den Wehren, am Samstag den mobilen Hochwasserschutz aus Betonblöcken aufgebaut. Er hält das Donauwasser bislang fern; hindert allerdings auch aufsteigendes Grundwasser und das Regenwasser am Abfließen: Es muss über die Betonblöcke hinweg zur Donau gepumpt werden, erklärte der Oberndorfer Kommandant Daniel Feil. In Oberdorf stehe in einigen Kellern das Wasser; die Betroffenen hätten sich aber schon selbst gewappnet.

Schlechte Aussichten für Radl-Touristen

Unterdessen befürchten auch touristische Betriebe Einbußen. So verzeichnet Alois Schmidbauer, Betreiber vom „Campingplatz Freizeitinsel“, bereits erste Stornierungen – obwohl seine Anlage nicht überflutet ist. „Aber viele wollen von uns aus an der Donau radeln, zum Beispiel nach Kelheim“ – das ist derzeit nahezu unmöglich: Die Radwege am Ufer entlang sind gesperrt, weil unter Wasser; selbst die Straße Poikam - Kapfelberg ist überflutet. Manche Urlauber indes versuchen das Problem beharrlich zu ignorieren, beobachtet Schmidbauer. So etwa Radlgäste aus Hamburg, die nicht glauben mochten, dass eine Tour auf dem „Fünf-Flüsse-Radweg“ derzeit keine allzu gute Idee ist…

Bis Montag ernteten die Arbeiter der Keils, was ging – mittlerweile flutet die Donau immer mehr Flächen im Donautal. F.: B. Mayer
Über den Kanal zwischen dem Wehr Poikam und der Schleuse Oberndorf schwappt das Wasser bereits.
In der Oberndorfer Straße hält ein mobiler Hochwasserschutz die Donau zurück.
Die Straße zum Kapfelberger Hafen ist aus Richtung Poikam seit Montag ebenfalls überflutet.