Radweg-Analyse entlang der Donau liefert Anregungen für Kelheimer Abschnitt

Von Martina Hutzler · 21. Mai 2024 um 19:00

Einige Überraschungen, viele Bestätigungen und so manche gute Anregung bietet aus Kelheims Sicht die kürzlich veröffentlichte Radverkehrsanalyse zum deutschen Donauradweg: Florian Best, Geschäftsführer vom Kreis-Tourismusverband Kelheim, erklärt, was hiesig Touristiker daraus ableiten können, auch für die weiteren „Klassiker“ wie Altmühltal- und Fünf-Flüsse-Radweg.

Im Auftrag des Vereins Deutsche Donau Tourismus eV sind wie berichtet mehr als ein Jahr lang die Radler auf dem 600 Kilometer langen Donauradweg (DRW) von Donaueschingen bis Passau gezählt und mehrere Tausend befragt worden. Einer der elf Analysepunkte war in Weltenburg, nämlich beim Fußballplatz (Zählung) bzw. am Großparkplatz Asamstraße (Befragung).

• Zahlen: Von den knapp 528.000 Radlern, die in Summe von den elf Zählgeräten erfasst wurden, gingen „nur“ 22.800 auf das „Konto“ des Kelheimer Standorts. Also nicht etwa ein Elftel von allen, sondern nur halb so viele. Wenig verwunderlich, meint TV-Geschäftsführer Florian Best: Andere Geräte standen teils direkt in der Innenstadt, etwa in Ingolstadt; dort kamen mutmaßlich auch viele einheimische Fahrradfahrer vorbei, und dies mehrfach. Die Messstelle für Kelheim, nämlich den Weltenburger Sportplatz, passieren hingegen die meiste Zeit mutmaßlich nur Touristen.

• International: Eher gewundert hat sich Best, dass die Befragung insgesamt einen Anteil von 18 Prozent ausländischen DRW-Radlern ergab. „Bei uns in Weltenburg waren’s definitiv nicht so viele“, bilanziert Best, dem bei dieser Befragung aber immerhin sogar ein Pärchen aus Neuseeland des Wegs kam, von der Quelle bis zur Mündung unterwegs.

Wichtiger waren den Befragungsteam die Kommentare der Radpassanten zum DRW. Zwei Kritikpunkte ploppten auch in Weltenburg immer wieder auf – und decken sich mit dem, was bei Tourist-Infos oder online beklagt wird:

• Staubfänger: Auf vielen Abschnitten verlaufen der DRW und auch der Altmühltal-Radweg auf Feinschotter-Trassen, die eigentlich als Betriebswege angelegt sind. Auch im Kreis Kelheim ist das der Fall, etwa zwischen Kelheim und Kapfelberg. Solche Passagen sind bei Regen matschig, bei langer Trockenheit staubig, nach Hochwasser eine Schlaglochpiste und dem Winterdienst nicht zugänglich. Hierüber beklagen sich Radtouristen regelmäßig auch in Tourist-Infos, bei ihren Unterkünften und via „Mängelmelder“, weiß Florian Best.

Aus langjähriger Erfahrung redet er, ebenso lange schon, einer Asphaltierung das Wort; „die käme auch der Alltags-Mobilität von Einheimischen zugute“. Zudem sei längst erwiesen, dass Asphalt nicht weniger ökologisch, aber deutlich pflegeleichter sei als die so genannten wassergebundenen Schotterdecken.

Letztere dürften dennoch so schnell nicht verschwinden, auch aus Kostengründen. Immerhin: Die Bauhöfe von Kelheim und Neustadt haben nun eigene Spezialgeräte, um die Buckelpisten schnell wieder in Form zu bringen.

• Umweg: Eine andere „Baustelle“ ist der DRW-Abschnitt von Eining bis Kelheim. Von Eining bis Staubing führt er von der Donau weg – was zwar ok sei, so Best: In den ökologisch wertvollen Donauauen sollte der Naturschutz Vorfahrt vor Radtouristen haben. Zudem sei geplant, der Donau mehr Platz zu geben; der flussnahe Weg ist dann wohl noch öfter überflutet. Aber die Ausweichroute führt ab Eining weit weg Richtung Sandharlanden und bleibt außer Donau-Sichtweite. Besser wäre, auch als „Nahverkehrs-Route“, ein neuer Radweg parallel zur Staatsstraße Staubing – Eining, so Best.

• Bergetappe: Kummer bereitet vielen eher gemütlich orientierten Radlfans auch die Etappe über den Weltenburger Berg nach Kelheim. „Eigentlich eher ein Moutainbike-Weg, weniger was für ,Genussradler‘“, sagt der Tourismus-Experte. Aber für diese seit Jahren diskutierte Problem-Bergetappe sind keine praktikablen, sprich: finanzierbaren Lösungen in Sicht. Bleibe nur, den Weg laufend in Schuss zu halten.

• Themensuche: Ein Thema, das einen auf einem DRW-Abschnitt begleitet, fänden viele Befragten schön. Stimmt eigentlich, denkt TV-Geschäftsführer Best laut über eine Umsetzung nach: Beim Fünf-Flüsse-Radweg habe sich das bereits bewährt – warum nicht auch an Kelheims Donau nach einem markanten Thema suchen?

• Beschilderung: Eine einheitliche, gut sichtbare Wegebeschilderung sei ein absolutes Muss. Denn auch wenn laut Studie die DRW-Radler meist Karten gedruckt oder am Smartphone dabei haben – keiner will ständig nachschauen müssen, ob es an der Gabelung nun links oder rechts weg geht. Dass ein Minijobber des TV stetig – landkreisweit – für Ordnung im Schilderwald sorgt, sei daher unverzichtbar.

• Sonstiges: Bei sonstigen Verbesserungsvorschlägen, die entlang des Gesamtwegs auftauchten sieht Best den Kelheimer DRW-Abschnitt relativ gut aufgestellt. Bei der Online-Buchbarkeit von Unterkünften „sind wir durchaus Vorreiter“, dank der groß angelegten Offensive des Tourismusverbands Ostbayern in den letzten Jahren. Auch die Lade-Infrastruktur für E-Bikes sei in Kelheim „hinreichend gut“ und schlage im Landkreis kaum als Kritikpunkt auf. Wichtig seien solche Lademöglichkeiten, bestätigt er: Trotz immer leistungsstärkerer Akkus wollen viele Radelnde auf „Nummer sicher“ gehen und zwischendurch Strom „nachtanken“.

Damit plus mit absperrbaren Radboxen können gerade auch touristische Einrichtungen punkten, ermuntert der Kelheimer Touristik-Experte zur Investition. Und noch eine Erkenntnis der Studie kann er bestätigen.

Schleifen entlang des Donauradwegs: Drei regionale Touren-Tipps für die Pfingstferien

• „Löwen- und Waller-Tour“: Vier Tage und 190 Kilometer lang ist dieser Rundkurs, den der Kreis-Tourismusverband Kelheim zusammengestellt hat. Der Untertitel „Radeln zwischen Regensburg, Straubing und Donaudurchbruch“ gibt die Route schon grob vor. Tag eins führt auf 40 Kilometern von Regensburg – wo ein goldener Waller den Donaumarkt ziert – über Matting und Bad Abbach nach Kelheim. Tag zwei startet gemütlich mit einer Schiffstour nach Weltenburg und führt dann über Bad Gögging und Abensberg ins Labertal, wo Rohr die nächste Station ist. Nach 46 Kilometern ist das Tagesziel Langquaid erreicht. Von dort geht es tags drauf in 55km über Schierling und vorbei am „Löwen von Eggmühl“ (Foto: Archiv/ hl) nach Straubing - wo im Zoo Löwe und Wels „in echt“ zu sehen sind. Der letzte Tag führt flussaufwärts vorbei an der Walhalla und zurück nach Regensburg (55km). Mehr Infos beim Tourismusverband Kelheim

• „Herzstück-Tour“: Sie ist benannt nach dem Motto der Urlaubsregion Kelheim, die sich als „Bayerns Herzstück“ präsentiert. „Radeln zwischen Ingolstadt, Altmühltal und Donaudurchbruch“ lautet der Untertitel des Rundkurses. Die 120 Kilometer schaffen Sportliche (und Radelnde mit gutem E-Bike-Akku) in einem Tag. Der Tourismusverband schlägt drei Tage dafür vor und als Startpunkt Ingolstadt mit seinen Festungsbauwerken (Foto: Polak/Archiv). Über den Schambachtal-Radweg radelt man ans Tagesziel Riedenburg, zum Beispiel auf ein Radler in einen der Biergärten. Tag zwei führt am Main-Donau-Kanal nach Kelheim, und bietet – wie alle Touren – unterwegs viele Besichtigungs-Highlights wie Burg Prunn oder Schulerloch. Am dritten Tag geht es per Schiff oder Rad nach Weltenburg. Abensberg und Bad Gögging sind weitere Stationen bis zum Ausgangspunkt Ingolstadt. Mehr Infos beim Tourismusverband Kelheim

• Rundtour am GeoRadweg Altmühltal: Der GeoRadweg besteht aus zwei Hauptrouten (201 und 182 km) zwischen Nördlinger Rieskrater und Donaudurchbruch. Als Kombi ergeben sie einen Rundkurs. Vier weitere Rundtouren entlang der Strecke, 51 bis 83 km lang, eignen sich für Tagesausflüge und führen ebenfalls an geologischen Besonderheiten vorbei. So auch die 86km-Tour „Zwischen Dinos und Burgen“. Sie startet am Bahnhof Kinding, wo eine große Kirchenburg einen Besuch lohnt. Entlang der Altmühl erreicht man Kipfenberg und seine Burg. Auf der Weiterfahrt nach Denkendorf lohnt ein Besuch im dortigen Dino-Museum (Foto: Rieger/Archiv). Über Sandersdorf erreicht man die Schambach und mit ihr Altmannstein und Riedenburg. Am Kanal entlang und vielleicht mit einem Abstecher zur Ausstellung über das Mühlbach-Höhlenlabyrinth radelt man via Dietfurt und Beilngries zurück nach Kinding. Mehr Infos beim Naturpark Altmühltal

Der Donau- und andere Premium-Radwege dienen dem Tourismus zweifach, ist TV-Geschäftsführer Florian Best überzeugt: Sie locken Radler in die Region - und können, mit entsprechenden Hinweisen, diese animieren, nochmal wiederzukehren, um die Region ausführlicher zu erkunden. Foto: Hutzler