54 Jahre, 63 Kilometer und 113 Euro pro Tag: Das ist der typische Donauradler

In einer groß angelegten Tourismus-Studie ist über ein Jahr lang der 600 Kilometer lange deutsche Donauradweg analysiert worden – auch in Kelheim wurden Radtouristen gezählt und befragt. Ihre Antworten können Touristikern und Kommunen viele Infos liefern.
Wenn Ihnen auf dem Donauradweg bei Kelheim ein 54-jähriger Radlfan begegnet, der 63 Kilometer in den Wadln hat und tagsüber plus fürs Nachtquartier 113 Euro ausgegeben hat dann grüßen Sie ihn oder sie freundlich: Es ist der statistische Durchschnitts-Radtourist am Donauradweg und generiert mit Seinesgleichen binnen eines Jahres ca. 60 Millionen Euro Umsatz. Das und mehr zeigt eine große Radweg-Analyse, die am Dienstag online vorgestellt wurde.
Der Verein Deutsche Donau Tourismus eV wollte laut Geschäftsführerin Sabine Malecha herausfinden: Welche und wie viele Radler fahren tatsächlich auf dem 600 Kilometer langen Donauradweg (DRW) zwischen Donaueschingen und Passau, wann sind sie bevorzugt auf Achse, was wollen sie unterwegs erleben? Untersucht hat dies das Büro absolutGPS Leipzig von Mai 2022 bis November 2023.
Datenbasis war zum einen eine automatisierte Permanent-Zählung: Die Geräte an elf Standorten, darunter in Kelheim, Ingolstadt, Passau, erfassten insgesamt rund 528.000 Radelnde (Mehrfachzählungen möglich). Zum anderen beteiligten sich 1845 Radler an Befragungen, die pro Zählstelle je einen Tag lang stattfanden. Zusätzliche 1179 Radtouristen füllten einen Online-Fragebogen aus, so Stephan Grapentin von absolutGPS.
Im Schnitt 7 Tage im Sattel
Demnach sind rund zwei Drittel aller Pedalritter von Mai bis September und im Schnitt 7,0 Tage unterwegs; statistisch in einer 2,3 Personen großen Gruppe. 37 von 100 haben motorisierte Räder, insbesondere die Altersgruppe Ü50.
Für die Detail-Auswertung aussortiert wurden „Alltagsradler“, sprich: Einheimische. Die übrigen wurden in Tagesausflügler (knapp 48 Prozent) und Radreisende unterteilt; letztere weiter in „Regioradler“, die von einer Unterkunft aus sternförmig die Gegend erkunden (ca. 8%), und in Radwanderer, die von Unterkunft zu Unterkunft strampeln (ca. 44%).
Den meisten ist unterwegs die Landschaft wichtig; bei den Regio-Radlern wählten sogar 78 Prozent danach ihre Route aus. Rund ein Viertel lässt sich von einem günstig gelegenen Start- bzw. Endpunkt der Tour locken. Neben dem Radfahrgenuss an sich wollen fast alle unterwegs Natur erleben; etwa die Hälfte auch Sehenswürdigkeiten bzw. historische Orte. Und 40 Prozent legen Wert auf Einkehrmöglichkeiten. Vor allem den Regio-Radlern (50%) ist die Nachhaltigkeit des Radfahrens wichtig.
Digitale und gedruckte Reiseliteratur
Als Info-Quelle vor Reisebeginn nutzen vor allem die Radwanderer (knapp 57%) die DRW-Website, ferner Radreiseführer (38%) bzw. gedruckte Radkarte (23%). 30% besuchen vorab digitale Plattformen - bei Regioradlern sind es nur 14%. Letztere planen vor allem auf Basis von Empfehlungen und Tourist-Info-Material (je 29%).
Vor Ort ist eine gute Beschilderung wichtig – daran orientieren sich 73% der Radwanderer, 60% der Regio-Radler und 48% der Tagesausflügler. Auf Platz zwei landen Reiseführer und gedruckte Karten, gefolgt von digitalen Plattformen. Immerhin 58 Prozent der Tagesausflügler gaben an, dass sie ihre Route schon kennen.
Gute Gesamtnote
Die Befragten durften auch benoten. Und gaben dem DRW die Gesamtnote 4,09 (Bestwert wäre 5,0). Im Einzelnen bekamen die Top-Kriterien Landschaft, Beschilderung, geringe Verkehrsbelastung 4,0 bis 4,5. Bei „Kann-Kriterien“ gäbe es, mit Noten zwischen 3 und 4, Potenzial für Verbesserungen: etwa bei sicheren Abstell- und bei E-Bike-Lademöglichkeiten oder der Qualität und Dichte an Rastplätzen.