Statt Abens an die Donau: Sandsäcke gehen auf Landkreisreise

Gerüstet für den Ernstfall an der Donau: In Abensberg entsteht ein zentrales Sandsacklager. Während sich die Lage an der Abens entspannt hat, blicken die Einsatzkräfte auf die Donau.
Das Wasser an der Abens läuft kontinuierlich wieder ab. Montagfrüh reinigen Feuerwehrleute noch zentrumsnahe Straßen, die überschwemmt waren und vor allem die Gullydeckel, damit sie nicht verschlammen. Auch die Bloach ist schon wieder frei. In Aunkofen fließt die Abens noch nicht in ihrem gewohnten Bett. Vor allem am Ende vom Bad Gögginger Weg ist der Fluss am Montagmittag noch breiter als gewöhnlich, Wiesen sind noch etwas überschwemmt.
Vereinzelt werden in Aunkofen noch Tiefgaragen oder Keller ausgepumpt. Nicht nur die Anwohner, auch die Feuerwehrleute sind im Aufräummodus. Im Feuerwehrhaus werden Pumpen instand gesetzt und kontrolliert, Fahrzeuge gecheckt und geprüft, ob alles für den nächsten Einsatz bereit ist.
Lage an der Abens entspannt
Die Lage in Abensberg hat sich entspannt. Knapp 50 Einsätze waren es seit Sonntagmittag, „nicht viel“ für Hochwasser, sagt Bernhard Resch, zweiter Kommandant und Namensvetter des Bürgermeisters, „das war Tagesgeschäft“. Die Nacht von Sonntag auf Montag war ruhig, die Feuerwehrler konnten ihren Schlaf nachholen, den der war zwischen Samstag und Sonntag Mangelware, „ich habe zweimal etwa 30 Minuten geschlafen“. Vor allem „viel Kaffee“ und freilich das Adrenalin hielten ihn und viele andere Kameraden auf Trab.
Am Abensufer mag sich die Lage entspannt haben, aber der Blick geht jetzt in Richtung Donau. Zeit für Däumchendrehen ist also nicht. Abensberg fungiert nämlich als Sandsacklager für weite Teile des Landkreises und viele Feuerwehren helfen, das Lager schön zu füllen. Das ehemalige Gelände vom Baustoffzentrum Buchenrieder-Mühlhäuser im Arnhofener Weg ist dafür geradezu ideal. Man kann es gut erreichen, die Fläche ist asphaltiert und es gibt viel Platz.
Aus Langquaid, Rohr oder Siegenburg werden hier jede Menge Sandsäcke angeliefert, die in den vergangenen zwei Tagen dort eifrig befüllt wurden. Die Koordinierung lief über das Landratsamt, über den Katastrophenschutz. Die Feuerwehren, die Sand in Säcke abgefüllt hatten, sollten dem Landratsamt melden, wie viele Säcke sie haben. Die Vorbereitungen für Katastrophenszenarien sehen Logistikstationen im Hinterbereich eines Schadensgebietes, also in diesem Falle nicht direkt an der Donau vor, erklärt Resch. Weil Abensberg von allen Seiten im Landkreis gut erreichbar ist, werden also am Montag palettenweise Sandsäcke angeliefert.
Knapp 400 Paletten kommen so zusammen, 20.000 Sandsäcke. 50 Säcke mit einem Gewicht zwischen zehn bis 15 Kilo passen auf eine Palette. „Das ist ein gutes Maß, weil dann kann man es mit einem Frontlader noch abladen“, sagt Resch. Zu schwer dürften die Paletten nicht werden, denn vor allem das Entladen könne dann problematisch werden, noch dazu, wenn der Untergrund aufgeweicht ist.
Viel Logistik nötig
Je nach Schadenslage brauche man sehr schnell gleich mal mehrere 1000 Sandsäcke. „Insgesamt könnte man damit einen Deich bauen, der 20 Meter lang ist“, klärt Kommandant Konrad Bauer auf.
Um so ein Lager realisieren zu können, ist im Vorfeld Einiges an Logistik nötig: Gabelstapler, Lkw, Paletten oder auch einfach spezielle Drähte, um die Säcke zu verschließen, mussten besorgt werden. „Die heimischen Firmen haben uns da sehr schnell und auch sehr unkompliziert geholfen“, sagt Resch, „ein Anruf genügte“. So hätten etwa die Brauereien mit Gabelstapler ausgeholfen, der so genannte Rödeldraht für die Säcke wiederum kommt vom Bau und wird normalerweise verwendet, um Stahlmatten zu verbinden. Freilich gebe es für solche Szenarien auch Pläne im Vorfeld. Ohne die Mithilfe der Unternehmen wäre die Umsetzung aber schlichtweg nicht möglich, sagt Resch.
Auch das könnte Sie interessieren: Fast wie im Süden: Schlendern untern Sternenhimmel
Wenn sich die Lage an der Donau im Laufe der Woche entspannen soll, dann wird das Zentrallager wieder aufgelöst. Die Säcke werden dann weitergegeben, auch über die Landkreisgrenzen hinaus, je, nachdem, wohin sich der Scheitel der Donau bewegt, „das nennt man Sandsacktourismus“, sagt Resch.
Auch ein paar Kilometer weiter die Abens aufwärts, in Biburg, wurden in den vergangenen Tagen jede Menge Säcke gefüllt: „Es waren 2500 Stück“, sagt Kommandant Florian Hirn. Fünf Anwesen waren dort vom Hochwasser betroffen. Viele Sandsäcke braucht man aber nicht mehr. „Das THW Kelheim holt welche, die anderen gehen nach Neustadt.“
Sandsäcke: nicht für die Ewigkeit
Schimmel droht: Für die Ewigkeit sind die Sandsäcke, vor allem, wenn der Sand in Jutesäcken steckt, nicht. Denn nasse Jutesäcke fangen an zu schimmeln. Deshalb müssen immer wieder neue Säcke gekauft werden.
Sand verwerten: Den Sand aber, den kann man, sofern er nicht kontaminiert ist, wieder verwenden. Falls noch mehr Sandsäcke gebraucht würden, könnte die meisten Feuerwehren schnell neue Säcke füllen.

