Vollgelaufene Keller, geforderte Feuerwehr: Liebliche Abens wird zum reißenden Fluss

Feuerwehren und Anwohner gefordert: Abensberg, Biburg, Siegenburg und Mainburg kämpfen mit dem Wasser von oben und von unten.
Es ist Sonntagmittag: Seit mehr als 24 Stunden ist Konrad Bauer jetzt auf den Beinen. Geschlafen hat er nur eine Stunde. Der Kommandant der FFW Abensberg ist, genauso wie viele seiner 150 Einsatzkräfte, seit Samstag, 11 Uhr auf den Beinen. Jetzt würde eigentlich endlich etwas Ruhe einkehren. Das Wasser an der Abens steigt zumindest nicht mehr, Sandsäcke sichern Häuser und vielerorts werden die Keller abgepumpt. Aber nun kommt zum Wasser noch Feuer dazu. Die Feuerwehr muss nach Aunkofen ausrücken: In einem Einfamilienhaus hat das Hochwasser im Keller die Elektrik in Mitleidenschaft gezogen und so einen Elektrobrand ausgelöst. Verletzt wurde niemand, aber die Feuerwehrler sind jetzt noch einmal gefordert.
Hinter ihnen liegen aufregende Stunden. Die Prognosen hatten anfangs nicht so schlimm ausgesehen, doch dann stieg das Wasser doch wider Erwarten höher, erreichte Meldestufe 4. Die ufernahen Straßen sind überschwemmt, die Liebesinsel, der Spielplatz auf der Bloach, Teile der Gillamooswiese und die Abensauen sind ein einziger See. Vor allem Jene, die in Ufernähe wohnen oder hier, an der Abensstraße ihr Geschäft betreiben, hatten eine kurze Nacht von Samstag auf Sonntag. „Ich bin seit vier Uhr morgens im Einsatz“, sagt Katharina Hochneder.
Wasser fließt durch Schächte
Neben ihr steht Jutta Bernhardt, die Besitzerin des Hauses, in dem ihr Mann Norbert Bernhardt sein Angelzubehörgeschäft betreibt und in dem Hochneder ihren Friseursalon hat. „Das Wasser kommt durch die Kellerschächte, wie ein Wasserfall“, sagt Bernhardt. Sie habe zwar in gewisser Weise damit gerechnet und die Pegelstände beobachtet, „dass es dann aber so stark kommt, das habe ich nicht gedacht“, sagt sie. Im Keller befindet sich die Heizung und die Elektrik, an der das ganze Haus, insgesamt drei Parteien, hängen.
Vor 14 Tagen habe man durch die Abens noch mit Gummistiefeln waten können, meint Bernhardt, kaum zu glauben, wenn man den Pegelstand ansieht, der um sechs Uhr früh 3,40 Meter betrug. Da werden Erinnerungen an 2013 wach, damals stieg das Wasser sogar bis zur obersten Stufe des Ladenlokals. Davon wenigstens blieben die Bernhardts zwar diesmal verschont. Davor habe sie auch „Megaangst gehabt“, sagt Hochneder. Doch das Bangen, das ist noch nicht vorbei. Die Pegel scheinen zwar zu sinken, doch Hochneder graut ein bisschen davor, was sie dann im Keller entdeckt: „Dort lagere ich meine Farben und diverse Arbeitsmaterialien, unter anderem Trockenhauben“. Der wirtschaftliche Schaden? Noch nicht absehbar. Versichern können sie sich nicht, denn das Haus liegt im Hochwassergebiet.
Während also Anwohner beschäftigt sind, zieht die gar nicht liebliche Abens zahlreiche Schaulustige an. Der Spielplatz ist an diesem Tag allenfalls ein Wasserspielplatz, doch Kinder, die mit ihren Eltern spazieren gehen, scheinen fasziniert von der Naturgewalt, „megakrass“ rufen sie beim Vorbeigehen. Es wird flaniert, Passanten machen Fotos, filmen mit ihren Handies, „die Liebesinsel unter Wasser, oh mein Gott, das sehe ich das erste Mal“, meint eine Frau.
Das erste Mal ist es für ein Paar, das über die Abensbrücke in Richtung Bloach schaut, nicht: „Man kann die Natur nicht überlisten“, sagen die Senioren, die in der Jahnstraße wohnen. Ihr Haus hätte keinen Keller, ein Segen an solchen Tagen. Der Mann erinnert sich noch an das Hochwasser 1952, „da sind wir mit aufgeblasenem Reifen als Buben durch die Stadt gerudert.“
Die Jahnstraße ist am Sonntagmittag noch trocken, aber Häuser rüsten sich mit Sandsäcken und in dem einen oder anderen Keller steht das Wasser. Franz Schwarz steht vor seinem Keller, der wird gerade ausgepumpt. Das Wasser 30 Zentimeter hoch, der Kanal hat es zurückgedrückt. Seit vier Uhr am Morgen versucht der Bäcker den Schaden einzudämmen. Das Mehlsilo stehe zwar auf Stelzen, aber ob der Motor in Mitleidenschaft gezogen wurde, wird Schwarz erst sehen, wenn das Wasser wieder ganz abgelaufen ist. Aber nicht nur in Abensberg, auch in Mainburg, Siegenburg und Biburg forderte der Fluss Bewohner und vor allem Helfer heraus. Auch die Feuerwehrler in Siegenburg sind seit Samstag gefordert. „Wir hatten uns eigentlich auf das Wasser eingestellt und waren einigermaßen gut vorbereitet“, so Kommandant Martin Ettengruber.
Schlaflos im Süden
Gegen 23 Uhr am Samstagabend stieg das Wasser an der Sieg und der Abens plötzlich rasant. Seine Kollegen und er sind seit vielen, vielen Stunden im Einsatz. Am Sonntagmittag befüllen sie Sandsäcke für die Donau. Auch in Biburg halfen sie aus, denn auch dort gab es keine ruhige Nacht. Das Wasser im oberen Dorf stieg„wahnsinnig schnell“, wie Bürgermeisterin Bettina Danner sagt. Ab 14 Uhr am Samstag wurden Sandsäcke gefüllt. „Für die Anwohner war das schon ein blödes Gefühl“, so Danner. Wie so mancher Bewohner hat auch sie kein Auge zugetan, „ich wollte einfach da sein“. Für die Feuerwehr hat sie nur Lob übrig: „Großartig, wie die funktioniert haben, Hut ab.“



