Bange Stunden in Süssenbach: Aus Otterbach wurde in wenigen Stunden ein reißender Fluss

Der Samstag, 1. Juni, wird den Einwohnern von Süssenbach wohl für immer in Erinnerung bleiben. Denn durch den kleinen Ort in der Gemeinde Wald fließt der Otterbach, der an normalen Tagen eine Wassertiefe von 30 Zentimetern aufweist und an dem Tag zum reißenden Fluss wurde.
Gespeist wird der kleine Bach von Steinbach und Seigenbach. Kurz vor Süssenbach fließen beide Bäche zusammen und werden so zum Otterbach, welcher den Ort durchquert.
Schon am frühen Samstagmorgen um 6.45 Uhr wurde die Feuerwehr Süssenbach alarmiert. Wie der Stellvertretende Kommandant Sebastian Pangerl gegenüber unserer Zeitung sagte, trat der Otterbach zu dem Zeitpunkt bereits über die Ufer.
Dramatische Wende
Bis in den Nachmittag hinein konnte man die Lage mit rund 20 Einsatzkräften stabil halten. Doch die eigentlich unter Kontrolle befindliche Situation dramatisierte sich am Nachmittag blitzschnell, denn es hatte über den ganzen Tag weiter geregnet. Kreisbrandinspektor Norbert Mezei sagte am Samstagabend: „Ich war um 15 Uhr vor Ort, da war die Situation in Ordnung und unter Kontrolle.“
Doch um 16 Uhr wurde er erneut informiert, dass er nach Süssenbach kommen soll. Mezei zur Situation 60 Minuten später: „Da wurde es hektisch. Der Bach stieg massiv an.“ So wollte es Mezei auch nicht abstreiten, dass es durchaus Spitz auf Knopf stand. Denn durch den massiven Zufluss mit Wasser aus den beiden Bächen (Steinbach und Seigenbach) stieg der Otterbach weiter massiv an und staute sich nun an den Unterführungen im Ort zurück.
Weitere Hilfe angefordert
Um 16.40 Uhr wurden zunächst die Wehren aus Wald und Schillertswiesen zur Hilfe gerufen. Doch es trat keine Besserung ein, so entschied man um 18.15 Uhr, den Wasserförderzug des Landkreises Cham zu alarmieren. Der „Einsatzzug Wasserförderung“ ist eine eigenständige taktische Einheit des Katastrophenschutzes im Landkreis Cham. Das Material ist bei der Feuerwehr Waldmünchen stationiert und in das Wechselladerkonzept des Landkreis Cham eingebunden. Der Einsatzzug wird durch mehrere Feuerwehren aus dem Inspektionsbereich Waldmünchen betrieben. So rückten die Wehren aus Waldmünchen, Rötz und Schönthal nach Süssenbach aus. „Die Problematik bleiben die beiden Bäche, die den Otterbach speisen“, sagte Kreisbrandinspektor Norbert Mezei, der bis in die Nachtstunden selbst vor Ort war. Denn durch das Zurückstauen des Wassers wurden mehrere Häuser bedroht. Diese habe man mit zahlreichen Sandsäcken geschützt. Sorgen bereiteten dem KBI, dass es auch am Samstagabend wieder zu regnen begann. Um 19.30 Uhr wurde als weitere Feuerwehr die Wehr aus Mainsbauern alarmiert – mit ihnen befanden sich 100 Einsatzkräfte im Einsatz. In den Abendstunden waren vier Tragkraftspritzen, ein Tanklöschfahrzeug und unzählige Tauchpumpen eingesetzt.
Durch das mitgebrachte Schlauchsystem des Wasserförderzuges, welches zusätzliche 8000 Liter pro Minute fördern konnte, schafften es die Helfer, die Situation konstant zu halten und ein weiteres Ansteigen des Otterbaches im Ortskern zu vermeiden, wie Mezei informierte. Denn das Wasser wurde so aus dem Ortskern abgepumpt und flussabwärts wieder dem Otterbach zugeführt. Auch Walds Bürgermeisterin Barbara Haimerl machte sich wie Kreisbrandrat Michael Stahl vor Ort ein Bild der Lage. Wolle man einen Eindruck bekommen, welchen Wassermassen der Ort ausgesetzt waren, versucht Mezei das so zu veranschaulichen: „Der Otterbach hat normal eine Tiefe von 0,30 Metern, in Spitzenzeiten hatten wir nun eine Wasserhöhe von 1,50 Metern.“
Den großen Wassermassen hielt auch die Straße in unmittelbarer Nähe nicht mehr stand, so wurde diese von den Wassermassen, respektive des vorhandenen Durchlaufes weggerissen. So waren die Wehren bis weit in die Nacht hinein am Samstag in Süssenbach gefordert, um die Situation weiter unter Kontrolle zu behalten.

