Senioren aus Berching sind begeistert: So helfen Alpakas kranken Menschen

Von Bernhard Neumayer · 1. Juni 2024 um 11:00

Der Krankenpflegeverein Berching (Landkreis Neumarkt) fütterte und streichelte die flauschigen Tiere der Jura-Alpaka-Farm in Ernersdorf. Betreiberin Rosa Dintenfelder erklärt, welchen Menschen die Tiere helfen können – und für welche sie nicht geeignet sind.

Inge Eichingers Augen sind krank. Doch die Alpakas auf der Farm in Ernersdorf konnte die 82-Jährige gut sehen – und vor allem spüren. „Der Besuch war eine Streicheleinheit für meine Seele“, schwärmte Eichinger von den flauschigen Tieren.

Gemeinsam mit weiteren Senioren besuchte Eichinger jüngst die Jura-Alpaka-Farm im Berchinger Ortsteil. Organisiert hatte den Ausflug der Krankenpflegeverein. Rosa Dintenfelder, die sich mit ihrem Mann Hans und ihrer Tochter Maria um den Hof kümmert, erklärte den Senioren, wie Alpakas in der Therapie eingesetzt werden können.

„Alpakas wirken beruhigend“, sagte Dintenfelder. „Sie werden auch Delfine der Weide genannt.“ Auch ihr selbst tun ihre 24 Alpakas gut, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Man müsse es aber aushalten können, auf die Tiere zu warten. Denn die Tiere seien bei für sie unbekannten Menschen erstmals scheu. Streicheln sei deshalb gar nicht so einfach. „Aber wenn man ruhig bleibt und die Tiere ihre Scheu überwunden haben, kommen sie vorsichtig näher“, sagte Dintenfelder.

Therapie mit Alpakas

Mehrere Alpakatherapeuten und Praxen bieten Termine mit den Tieren an, unter anderem bei Patienten mit Depression oder Burn-out. Dabei soll sich die ruhige Art der Tiere positiv auf die Menschen auswirken. Auch einsamen Senioren können die einfühlsamen Tiere helfen. „Bei mir waren auch schon Autisten und Kinder“, sagte Dintenfelder.

Dabei habe sie allerdings die Erfahrung gemacht, dass eine Therapie bei bestimmten Kindern schwierig sei. „Manche Kinder können es nicht aushalten, zu warten, bis die Tiere auf einen zukommen.“ Nur wenn man geduldig sei und sich darauf einlasse, wirke ein Alpaka auf Menschen beruhigend.

Die ruhige Art der Tiere in Ernersdorf habe auch den Senioren Inge Eichinger und Berta Engelhardt besonders gut getan, wie sie beide sagten. „Ich weiß nicht, wie die Tiere es schaffen, aber es war sehr beruhigend“, sagte Eichinger, der die Alpakas aus der Hand gefressen haben. „Erst waren die Tiere zurückhalten, aber als ich Futter in der Hand hatte, kamen immer mehr zu mir.“ Zudem habe sie das flauschige Fell gestreichelt und den Tieren tief in die Augen geschaut. Darin könne man sich verlieren, sagte Eichinger. „Und bei den langen Wimpern der Alpakas erblasst jede Frau vor Neid“, scherzte sie.

Der Gesichtsausdruck der Tiere strahle Ruhe aus, erzählte die 83-jährige Engelhardt. Gerade für einsame Menschen sind aus ihrer Sicht Besuche bei Alpakas wertvoll. Insgesamt sei Engelhardt sehr begeistert von den Tieren und von dem Ausflug an sich gewesen. „Es ist ganz toll, wie sich Gerlinde Delacroix und Gerhard Binder einbringen“, lobte Engelhardt die beiden Organisatoren.

Tiere beruhigen Menschen

Dass die Senioren von den Tieren begeistert sind, kann Rosa Dintenfelder von der Alpaka-Farm gut verstehen. „Wer einem Alpaka zu tief in die Augen schaut, den lassen sie nicht mehr los.“ Wenn Dintenfelder auf die Weide geht, komme sie selbst zur Ruhe.

Seit 2011 haben die Dintenfelders Alpakas. Damals haben sie vier Wallache gekauft, zwei Jahre später die ersten beiden Stuten. Ausschlaggebender Grund, sich Alpakas anzuschaffen, sei damals die Bolivienhilfe Berching gewesen. Diese haben die Dintenfelders 1994 mitgegründet. Nachdem ein Riedenburger bei einer Veranstaltung der Bolivienhilfe (Fiesta Boliviana) Alpakas in Berching zeigte, waren die Dintenfelders sprichwörtlich mit dem Alpaka-Virus infiziert. Mittlerweile leben 24 Alpakas auf der Farm in Ernersdorf.

Früher hat Erlebnisbäuerin Rosa Dintenfelder Kindergeburtstage auf der Farm und Alpaka-Wanderungen angeboten. Mittlerweile bietet sie keine Veranstaltungen mehr an. Die Senioren sind aber weiterhin sehr willkommen, sagte Dintenfelder. „Wenn die Gruppe wieder kommen will, darf sie gerne auf einen Kaffee vorbeischauen.“

Erst waren die Alpakas scheu, dann zutraulich. Foto: Gerhard Binder
Die flauschigen Tiere begeisterten die Senioren aus Berching. Foto: Gerhard Binder