47 Kinder haben keinen Kita-Platz: Mütter aus Berching fordern Lösung von Stadt und Träger

Von Bernhard Neumayer · 30. April 2024 um 11:00

Die 325 Kindergarten- und 36 Krippenplätze reichen nicht aus. Stand jetzt können 47 Kinder, die ab September für eine Kita angemeldet waren, nicht in Berching (Landkreis Neumarkt) betreut werden. Jetzt arbeiten Stadt und Träger an einer Lösung. Diese hat allerdings einen Haken.

Eigentlich wollte Christine Hillebrand im September wieder mit dem Arbeiten anfangen. Sie hatte gehofft, dass ihr Sohn ab September in einem Berchinger Kindergarten betreut wird. Doch statt einer erfreulichen Nachricht bekam die Mutter aus Berching vier Absagen.

Hillebrand hatte ihren Sohn, der am 29. Oktober drei Jahre alt wird, in den Einrichtungen St. Josef, St. Lorenz, St. Marien (alle Berching) sowie im Kindergarten in Plankstetten angemeldet. Nach diesen vier Absagen habe die Mutter auch in Holnstein nach einem Platz für ihr Kind gefragt. Doch bislang alles ohne Erfolg.

Christine Hillebrand ist in Berching kein Einzelfall, wie eine Recherche unserer Zeitung zeigt. Nach Angaben der Katholischen Kita Oberpfalz gGmbH, dem Träger fast aller Einrichtungen in Berching (Ausnahme: Pollanten), bekommen ab September insgesamt 47 angemeldete Kinder keinen Platz in einer Berchinger Einrichtung (Stand: 29.April). „Das ist aber nicht nur ein Berchinger Thema, sondern ein landkreisweites“, betonen Bürgermeister Ludwig Eisenreich und Roland Pachner.

Kindergarten-Situation in Berching: Eltern sind frustriert

Nichtsdestotrotz ist es ein Umstand, der weder den Träger zufriedenstellt noch – und vor allem aber – die Eltern. „Jeder ist frustriert“, sagt eine andere Mutter aus Berching, die für ihre Tochter zwei Absagen in Folge kassiert habe – vergangenes Jahr für die Kita, nun für den Kindergarten. Im November wird ihre Tochter drei Jahre alt. „Ich wollte eigentlich ab September meine Stunden bei meinem Arbeitgeber wieder aufstocken“, sagt die Teilzeit-Krankenschwester. Ohne Kindergarten-Platz sei dies nicht möglich. Deshalb hoffe die Mutter auf Lösungen der Stadt und des Trägers.

„Unser Antrieb ist es, alle zu versorgen“, sagt Roland Pachner, der Geschäftsführer der Kita gGmbH. Bei der Vergabe der Plätze entscheiden laut Pachner vor allem die Kriterien Alter, Geschwisterkinder und Wohnort – und manchmal soziale Kriterien, wenn etwa das Jugendamt eine Kindeswohlgefährdung sieht und einem Kind einen Platz zuteilt.

Kindergarten: In Holnstein sollen Plätze geschaffen werden

Alle Kinder, die bislang keinen Platz erhalten haben, stünden auf einer Warteliste. Derzeit stehen in Berching 325 Kindergarten- und 36 Krippenplätze zur Verfügung. Im zusätzlichen Übergangsquartier in der Schule Holnstein sollen 25 oder 50 weitere Kindergarten-Plätze entstehen (wir berichteten). Die Überlegungen für eine zweite zusätzliche Gruppe in Holnstein sind nach Angaben von Bürgermeister Eisenreich sehr konkret. Vorbehaltlich der Betriebserlaubnis, die das Landratsamt noch erteilen muss, planen Stadt und Träger dort eine zweite Gruppe – sofern die Kita gGmbH dafür Personal finde.

Wenn in Holnstein eine zweite zusätzliche – und damit insgesamt eine vierte – Gruppe aufgemacht wird, könnte ein Teil der 47 Mütter und Väter profitieren, die nun eine Absage für ihr Kind erhalten haben, wie Teresa Röhrl erklärt. Sie ist bei der Kita Oberpfalz gGmbH pädagogische Leiterin.

Es kämen allerdings nur Kindergartenkinder zum Zug. Denn in Holnstein ist laut Röhrl keine Krippe erlaubt. Ihren Angaben zufolge bekommen derzeit 28 Kindergartenkinder keinen Platz ab September, der Rest der 47 sind Krippen- und Gastkinder. „Die Zusagen für die weiteren Gruppen in Holnstein werden vergeben, sobald die Betriebserlaubnis da und das Personal gefunden ist.“

Kindergarten Plankstetten ist keine Option

Eine Übergangslösung in den alten Kindergarten-Räumen im Kloster Plankstetten ist für Eisenreich dagegen keine Option. „Die Schallschutzdecken wurden längst rückgebaut“, sagt der Bürgermeister.

Die Räume in Plankstetten hatten Mütter aus dem Klosterdorf ins Gespräch gebracht. Eine Gruppe sagte unserer Zeitung, dass Holnstein aufgrund des Fahrtwegs für sie keine Möglichkeit sei, zumal ein Geschwisterkind bereits in Plankstetten betreut werde.

Pachner könne dies als Familienvater zwar verstehen. „Aber es gibt Rechtsprechungen, dass ein Fahrtweg von 30 Minuten zur Einrichtung zumutbar ist“, sagt er. Eltern haben zwar Anspruch auf einen Kindergartenplatz für ihr dreijähriges oder älteres Kind – aber nicht zwingend an ihrem Wohnort. „In Gimpertshausen haben wir zum Beispiel aktuell noch etwa fünf Kindergartenplätze frei“, sagt Pachner.

Ob Mütter und Väter aus Berching, die beruflich Richtung Neumarkt fahren, die 15-minütige Fahrt von Berching in den Breitenbrunner Ortsteil auf sich nehmen, ist fraglich.

Dennoch sehe der Bürgermeister etwas Licht am Ende des Tunnels. Die Planungen für vier Gruppen an der Südtangente laufen. Doch bis dieser Neubau steht, dauert es noch.