Traumjob Brauerin: Das fasziniert eine 16-Jährige aus Breitenbrunn an ihrem Beruf

Philomena Hauck aus Breitenbrunn ist im Brauer-Team bei Winkler Bräu in Lengenfeld die einzige festangestellte Frau. Das Vorurteil, dass die Branche von Männern dominiert ist, widerlegt allerdings die IHK. Immer mehr Mädchen entscheiden sich für diesen Beruf.
Fünf-Liter-Bierfässer zum Selbstzapfen kennen Feierwütige von feucht-fröhlichen Garten- und Grillpartys. Aber bevor man sich aus den Dosen ein Bier zapfen kann, müssen sie befüllt werden. Dafür sorgt bei Winkler Bräu in Lengenfeld auch eine 16-Jährige aus Breitenbrunn.
Als unsere Zeitung Philomena Hauck an einem Dienstvormittag in der Brauerei besucht, bereitet sie gerade zwei Fünf-Liter-Bierfässer vor. Bier und andere Getränke abzufüllen, ist nur eine von vielen Aufgaben, die die Breitenbrunnerin während ihrer Ausbildung zur Brauerin absolviert.
In der Klasse von Hauck: 14 von 44 Azubis sind weiblich
Aktuell ist die 16-Jährige die einzige Brauer-Auszubildende bei Winkler Bräu, sagt Braumeister Tobias Hueber. Zu seiner Lehrlings-Zeit sei es noch etwas Besonderes gewesen, als Frau diesen Beruf zu erlernen. In seinem Azubi-Jahrgang 1998 seien nur ein, zwei Frauen in seiner Schulklasse gewesen. Bei Philomena Hauck sind derzeit von 44 Schülern in der Berufsschule in Karlstadt am Main 14junge Frauen.
„Das Vorurteil, dass der Beruf nur etwas für Männer ist, kann definitiv widerlegt werden“, teilt Ute Schwarz, Teamleiterin Ausbildungsberatung bei der IHK Regensburg, mit. Im Mittelalter sei Bierbrauen sogar Frauensache gewesen. Es gehörte nach Angaben von Schwarz ebenso zu den hauswirtschaftlichen Tätigkeiten wie Kochen und Backen. Erst als Männer – vor allem in Klöstern – entdeckten, dass sich mit schmackhaftem Bier gutes Geld machen ließ, sei das Brauen kommerzialisiert worden und die Frauen von den Braukesseln verschwunden.
Im Kammerbezirk der IHK: Sieben von 30 Azubis sind weiblich
Mittlerweile habe sich das aber wieder geändert. „Immer mehr Frauen entscheiden sich für diesen Beruf“, sagt Schwarz. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Regensburg habe für ihren Kammerbezirk Oberpfalz/Kelheim aktuell 30Ausbildungsverträge von Brauern und Mälzern registriert. Davon sind 23 männliche Azubis und sieben weibliche. Dabei ist nach Angaben der IHK der Frauenanteil in den vergangenen Jahren gestiegen.
Philomena Hauck gesteht, dass sie vor ihrem Praktikum bei Winkler Bräu und der anschließenden Ausbildung wenig über Bierbrauen gewusste habe. Aber genau das – wie man aus Rohstoffen Lebensmittel gewinnt – habe sie sehr interessiert. Und in ihrem ersten Ausbildungsjahr hat sie bereits viel gelernt – unter anderem wie ein Gerstenkorn aufgebaut ist, was in den Gärbottichen passiert und wo Hopfen und Malz zugeführt werden.
Was ihr davon am meisten Spaß bereitet, könne Hauck gar nicht sagen. Das Gesamtpaket mache den Beruf sehr interessant. Alle zwei Monate drückt die Auszubildende blockweise für zwei, drei Wochen die Schulbank in der Berufsschule in Karlstadt. Dazwischen packt sie unter der Woche von 7 bis 16.30 Uhr in Lengenfeld an – unter anderem beim Flaschen abfüllen, Leitungen reinigen und Getränke mischen.
Brauer und Mälzer: Die Branche braucht Lehrlinge
Danach bleibt Zeit für ihre Hobbys im Schützenverein Breitenbrunn und in ihrer eigenen Musikgruppe. Dort spielt die 16-Jährige Gitarre und singt mit Freunden.
Direkt nach ihrem Realschulabschluss in Parsberg hat die Breitenbrunnerin im vergangenen Jahr in Lengenfeld ihre Ausbildung begonnen. „Wir waren schon immer ein Ausbildungsbetrieb“, sagt ihr Chef, Geschäftsführer Georg Böhm. Junge Menschen aus der Region zu gewinnen, sei die Basis. Denn wie fast in jeder Branche werden auch beim familiengeführten Betrieb in Lengenfeld „die Azubis nicht mehr“, drückt es Böhm aus.
In der Ausbildung habe das Soziale einen hohen Stellenwert, sagt Böhm. Im Team zu arbeiten und einander zu helfen, seien wichtige Voraussetzungen. Und für den laut Böhm anspruchsvollen Lehrberuf des Brauers seien gute Kenntnisse in den Fächern Bio und Chemie wesentliche Grundlagen.
Wer diese Fähigkeiten mitbringt und bereit ist, Neues zu lernen, könne sich bewerben und eventuell neue Kollegin von Hauck werden. „Wir wollen im September wieder einstellen“, sagt Braumeister Hueber.
Brauer und Mälzer: So läuft die Ausbildung ab
Tätigkeit: Die Aufgaben eines Brauers und Mälzers sind vielfältig, darunter fallen unter anderem Malz herstellen und Bier brauen. Radler und alkoholfreie Getränke müssen zum Teil gemischt werden. Außerdem muss ein Brauer und Mälzer verfahrenstechnologische Prozesse steuern und Anlagen zur Produktion bedienen können. Auch das Abfüllen von Getränken gehört dazu.
Dauer: Die Ausbildung zum Brauer und Mälzer dauert insgesamt drei Jahre. Die Praxis im Ausbildungsbetrieb sowie die Theorie in der Berufsschule wechseln sich blockweise ab. Nach zwei Monaten bei Winkler Bräu in Lengenfeld verbringt Philomena Hauck zwei, drei Wochen an der Schule in Karlstadt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart.

