Verdi verkündet für die Sana-Beschäftigten in Cham: „Wir sind streikbereit!“

In einer Woche, am 6. Juni, sitzen sich die Mitglieder der Tarifparteien um einen neuen Sana-Haustarif gegenüber, um sich zum vierten Mal an einer Einigung zu versuchen. Entscheidend wird dabei laut Verdi ein neues Angebot der Sana-Kliniken des Landkreises Cham sein. Das entscheidet, ob die nächste Stufe des Arbeitskampfes folgt oder nicht.
Eines sei klar, so Verdi-Gewerkschaftssekretär Sven Czekal – wenn das nächste Angebot nicht dem entspreche, was zumindest die Möglichkeit für Verhandlungen eröffne, werde der Arbeitskampf mit der Leitung der Kliniken des Landkreises Cham fortgesetzt: „Das Angebot muss stimmen!“ Wie es aussehen könne, dazu wollte er sich nicht äußern – die Kernforderungen von Verdi für die Chamer Sana-Beschäftigten seien bekannt.
Er denke jedoch, die Botschaft des ersten Streiks überhaupt in der Geschichte der Sana-Kliniken nach der dritten Verhandlungsrunde sei bei der Geschäftsführung angekommen. Von daher erwarte er ein solches „vernünftiges Angebot“ von Sana, über das man reden könne. Die Gewerkschaft habe jedenfalls Verhandlungsbereitschaft und ein mögliches Entgegenkommen bei einem Angebot signalisiert, so Sven Czekal.
Bei den Beschäftigten sei die Streikbereitschaft jedenfalls ungebrochen: „Sie sind weiterhin kämpferisch eingestellt und bereit, um auf die Straße zu gehen!“
Längerer Streik droht
Wenn ein erneuter Streik komme, werde er vermutlich länger werden als der jüngste 24-Stunden-Streik. „Wir könnten ihn etwa auf 48 Stunden ausweiten, um den Druck zu erhöhen“, so der Verdi-Vertreter. Zudem werde wohl der Notdienst im Krankenhaus verschärft, um weitere Beschäftigte am Streik teilnehmen zu lassen.
Auch lesenswert für Sie: 24-Stunden-Ausstand soll den Druck auf die Chefs der Sana Kliniken in Cham erhöhen
Der erste Streikaufruf in Cham sei auch für die Gewerkschaft spannend gewesen, doch sei man am Ende mehr als zufrieden mit der Beteiligung gewesen. „Im Haus waren nur noch wenige Mitarbeiter im Notdienst!“ Der habe gut funktioniert – es habe keine Probleme gegeben. Freiwillig habe man eine Mitarbeiterin zur Arbeit auf Station geschickt, da man von dort die Hinweise bekommen habe, dass alles drunter und drüber gehe und der Stress groß sei.
Die Sana-Geschäftsführung hatte bis kurz vor dem Streik um den Notdienst gerungen und versucht per einstweiliger Verfügung über das Arbeitsgericht eine Feststellung dazu zu bekommen, obwohl sich Sana mit der Gewerkschaft bereits auf eine Notbesetzung geeinigt hatte. „Es ist hier heißer gekocht als gegessen worden“, so Sven Czekal.
Irritation bei Ärzten
Die Notdienstbesetzung sei stabil gewesen. Es seien hier zwar wenig eingesetzt worden, doch seien auch die streikwillig gewesen. Auf einer Station, die zu 100 Prozent streiken wollte, sei sogar gelost worden, wer bleiben müsse. Etwas Irritationen habe es mit dem ärztlichen Personal der Klinik gegeben, die wohl nicht richtig über den Streik informiert gewesen seien und Dinge anordneten, die nicht zum Notdienst gehörten, sondern zur Alltagsarbeit, die jedoch bestreikt wurde.
Er sei überzeugt, dass die Beschäftigten auch für einen erneuten Arbeitskampf bereitständen. Mittlerweile sei die Gewerkschaft in den Chamer Kliniken im Vergleich zu anderen Häusern gut vertreten. Am Streiktag selbst seien noch einige Neumitglieder dazugekommen. Daher rechne er bei einem möglichen Streik mit einer guten Beteiligung: „Es werden auf jeden Fall wieder so viele wie zuletzt!“
Wie weit so ein Arbeitskampf gehen kann, lässt sich gerade in Regensburg verfolgen, wo das Servicepersonal der Uniklinik streikt. Das sei ein unbefristeter Erzwingungsstreik und kein Warnstreik, so Sven Czekal. Hier werde seit drei Wochen gestreikt, um Verbesserungen für die Beschäftigten durchzusetzen.
Die Forderungen der Sana-Beschäftigten
Lohnplus: Bislang gab es weder Inflationsausgleich noch Lohnplus für die Chamer Sana-Beschäftigten mit ihrem Haustarifvertrag. Sie fordern eine Annäherung an die Entlohnung nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Wie weit sie dahinter liegen, zeigt die Forderung einer Lohnsteigerung um 13,5 Prozent. Dazu wollen sie den vollen Inflationsausgleich von 3000 Euro, außerdem mindestens zehn Tage Zusatzurlaub für Schichtbeschäftigte, eine Treueprämie für Langzeitbeschäftigte und eine Laufzeit des Haustarifvertrags von nur zwölf Monaten.
Angebot: Sana bot in der zweiten Verhandlungsrunde einen Inflationsausgleich von 1500 Euro, ein Plus bei der Wechselschichtzulage von 75 Euro ab Juli 2024 und eine Lohnsteigerung von 3,5 Prozent ab Januar 2025. In der dritten gab es kein Angebot – vorgeschlagen wurde von Sana der Wechsel in einen anderen Tarifverbund, der die meisten schlechter gestellt hätte.