Tierparkleiterin mit Helfergen: Claudia Schuh päppelt in Lohberg kleine Fuchswaisen auf

Von Mittelbayerische Zeitung · 29. Mai 2024 um 17:00

Claudia Schuh trägt unbestritten das Helfergen in sich. Ihre jüngsten Pfleglinge sind drei Fuchswelpen, die erst wenige Tage alt waren, als sie in der freien Wildbahn zurückgelassen wurden. Sie halten die Veterinärin und fachliche Leiterin des Lohberger Tierparks im Landkreis Cham auf Trab.

Hilflosen Kreaturen nicht zumindest eine Chance zum Überleben zu geben, ist nicht ihr Ding. Und so vergeht auch kaum ein Frühjahr, in dem die Entdecker von irgendwelchen Tierwaisen, die nach gesicherter Beobachtung keine Tiereltern mehr haben, sich bei Claudia Schuh Rat holen. Als Tierärztin hat die fachliche Leiterin des Bayerwald-Tierparks zum einen das nötige Wissen, was die Kleinen in ihrer Situation brauchen, und zum anderen ein Gefühl dafür, dass man einfach helfen muss, ohne groß darüber nachzudenken.

Die Tatsache, dass sich jeder Tierfreund sicher sein kann, dass ein oder mehrere Tierbabys bei ihr in bester Obhut sind, oder weil sie einfach durch Zufall mit einem Notfall konfrontiert wurde, trug Claudia Schuh schon oft den Zusatzjob als Ersatzmama ein. Obwohl dies über Wochen eine Knochenarbeit ist, ist die Erfolgsquote sehr hoch und liegt wenn nicht sogar bei 100 Prozent.

Erst wenige Tage alt

Ihre jüngsten Pfleglinge sind drei Fuchswelpen, die erst wenige Tage alt waren, als sie in der freien Wildbahn zurückgelassen wurden. Nun ist aber nicht jedermann in der Lage, sich so um die Waisen zu kümmern, dass sie tatsächlich gedeihen.

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„In diesem Augenblick ging mir nur durch den Kopf, dass ich helfen muss“, beschreibt Claudia Schuh ihre Gedanken, als sie die Welpen, die noch die Augen geschlossen hatten, erstmals sah. Sie wusste von Anfang an, dass sie die Drillinge mindestens zwei Wochen lang alle zwei Stunden füttern muss. Geschähe das nicht, würden sie zusehends schwächer. Also hat die Ersatzmama in regelmäßigen Intervallen die Flaschenfütterung übernommen, obwohl man sich vorstellen kann, dass sie öfter nahe daran war, dass ihr die Augen zufielen.

Mobbing unter den Tieren beobachtet

Aber die gute Entwicklung machte ihr Mut, am Ball zu bleiben. Mittlerweile wusste sie, dass es sich um zwei Mädel und einen Bub handelt. „Eine Zeit lang haben sie den Bruder gemobbt“, beobachtete Schuh. Er war etwas kleiner, habe aber inzwischen aufgeholt. Wer es nicht selbst gesehen hat, kann sich kaum vorstellen, wie das Trio durch den Raum flitzt und miteinander balgt. Ebenso schnell kriechen sie unter den Schrank und schauen keck hervor, wenn jemand Unbekannter hinzukommt.

Natürlich hat sich Claudia Schuh schon den Kopf zerbrochen, wie es mit dem quirligen Trio weitergehen kann. „Ich werde eine Gehegelösung finden müssen“, ist sie sich sicher. Als die Welpen die Augen geöffnet haben, sahen sie einen Menschen und akzeptierten damit die Tierärztin als Ersatzmama. „Sie werden grundsätzlich schon scheuer, aber sie könnten sich in freier Wildbahn weder in der Beutesuche, noch gegenüber Feinden durchsetzen“, weiß die Veterinärin. Eine Möglichkeit wäre, dass ein befreundeter Tierpark Bedarf habe.

„Wenn ich sie in einem Alter erhalten hätte, in dem sie schon selbstständig gefressen hätten, wäre die Aufzucht distanzierter verlaufen, und man hätte vielleicht über eine Entlassung in die Freiheit nachdenken können“, gibt Schuh Auskunft.

Keine Angst vor einem Biss

Während zwei gerade an ihrem Finger lutschen, erzählt die fachliche Leiterin, warum sie keine Angst vor einem Biss hat. „Untereinander gibt es schon harmlose Beißereien. Aber so wie ein junger Hund eine Beißhemmung lernt, ist es auch bei den Füchslein“. Ihr Instinkt und die Erfahrungen lehren die Welpen, wie fest man zubeißen darf, damit der andere noch ein Spiel darin sieht.

Zu helfen ist für die Veterinärin die natürlichste Sache der Welt, lässt sie in die Seele blicken, während sie den kleinen Rackern beim Spielen zusieht. Mit rund einem halben Jahr werden sie erwachsen sein. Da sie mit zwei Monaten einwandfrei über den Berg sind, haben sie bereits Namen erhalten. „Die Mädels heißen Nymeria und Aria, der Bub Drogo“. Nymeria war eine große Kriegerin. „Es ist schon anstrengend und man braucht unheimlich viele Zeit“, blickt die Tierparkleiterin auf die anspruchsvollen Wochen zurück.

Lustiges Phänomen

Nach dem herausfordernden Flaschenalter, stellen sie gerade mit Wohlgefallen die Bude auf den Kopf. Darum kommen sie in diesen Tagen in Furth in eine kleine Voliere. Später braucht sie etwas Größeres mit Untergrab- und ein Überkletterschutz.

Über ihre Zukunft erst einmal gar keine Sorgen macht sich das Trio, wenn es in Lohberg durch ihr Büro flitzt. „Sie sind total glücklich“, muss auch Claudia Schuh über das Trio schmunzeln. Nach einem lustigen Phänomen während der Handaufzucht gefragt, fällt ihr ein: „Alle drei haben das rechte Auge zuerst aufgemacht. Das ist mir bei meinen vorherigen Zöglingen noch nie aufgefallen.“

Ein Welpe, der hier schon die Augen geöffnet hat, passt in zwei Hände.
„Es kostet unheimlich viel Zeit und ist sehr aufwendig“, beschreibt Claudia Schuh die Aufzucht.