Schwandorf will weiter billigen Wohnraum schaffen: Projekte beim Hallenbad, auf dem Weinberg und nahe St. Jakob

Erst Anfang Mai war Bayerns Bauminister Christian Bernreiter (CSU) auf dem Weinberg in Schwandorf und lobte den Neubau an der Friedrich-Hebbel-Straße. Hier hat die Stadt in einem größeren Gebäudekomplex zwölf geförderte Wohnungen errichtet, auch dank der Zuschüsse vom Freistaat Bayern. Aber es gibt noch weitere Projekte, denn die Nachfrage ist groß.
Bedarf in der Großen Kreisstadt immer noch gegeben: Zwischen 170 und 200 Berechtigungsscheine stellt die Stadt Schwandorf im Schnitt pro Jahr aus, wie die Verwaltung kürzlich bei einer Sitzung des Bauausschusses bekanntgab. Sie ermöglichen den Bezug einer geförderten Wohnung, in der sich die Mieten mehr oder weniger deutlich unter dem üblichen Marktniveau bewegen. In den vergangenen Monaten sind in Schwandorf etliche davon entstanden – zum Beispiel an der Lampart- oder Ettmannsdorfer Straße. Und weitere sind geplant, etwa an der Libourne-Allee oder auf dem ehemaligen Tonwarengelände neben dem Rewe.
Auch die Stadt Schwandorf ist auf dem Wohnungsmarkt aktiv. Aktuell ist sie laut Pressesprecherin Lara Schmaus Eigentümerin von 78 eigenen Wohnungen, darunter neun Unterkünften für Obdachlose. Die städtischen Bleiben sind heiß begehrt: Laut Schmaus stehen momentan etwa 150 Interessenten auf der Warteliste – „Tendenz steigend“. Die Stadtwohnungen, das ist das erklärte Ziel der Verwaltung, sollen aber nicht nur erhalten, sondern auch modernisiert werden. Und auch ein weiterer Ausbau ist geplant – unter der Voraussetzung, dass es die Schwandorfer Finanzen hergeben und die kommunalen Gremien zustimmen.
Hallenbadstraße: Fernwärme und vier Wohnungen: Gute Karten dürfte das Projekt an der Hallenbadstraße haben. Nach Angaben von Schmaus beginnt heuer die Planung für einen Ausbau des Dachgeschosses, durch den bis 2026 vier zusätzliche Wohneinheiten geschaffen werden sollen. Die vorhandenen acht Wohnungen sollen modernisiert und der ganze Gebäudekomplex ans Fernwärmenetz angeschlossen werden. Nach Möglichkeit will die Stadt die Wohnungen barrierefrei ausbauen und zudem mit Balkonen versehen.
Abriss und Neubau an der Friedrich-Hebbel-Straße: Für das Vorhaben gibt es nach Auskunft der Stadtsprecherin noch keinen Zeitplan. Auf dem städtischen Grundstück könnten in unmittelbarer Nachbarschaft des Neubaus weitere zwölf geförderte Wohnungen geschaffen werden. Dazu müsste zunächst das bestehende, jetzt unbewohnte Gebäude an der Brüder-Grimm-Straße abgerissen werden.
Noch heuer Vorentwurf für das Konventgebäude: Seit Jahren wird nach einer neuen Nutzung für das Konventgebäude zwischen Pfarrkirche St. Jakob und Gerhardingerschule gesucht. Die Vorschläge reichten vom Familienzentrum bis hin zum Boarding-House, haben sich aber bisher alle zerschlagen. Inzwischen ist das Gebäude im Besitz der Stadt, die hier nach den Vorstellungen der Bauverwaltung weitere sechs geförderte Wohnungen errichten könnte. Ein erster Vorentwurf soll noch im Laufe des Jahres erstellt und mit den zuständigen Stellen abgeklärt werden – unter anderem mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Pfarrei. St.Jakob. Diese sei über das Vorhaben bereits informiert worden. „Ein Einverständnis mit der Kirche liegt aber noch nicht vor“, so Schmaus.
Förderung kommt aus den verschiedensten Töpfen: Öffentliche Gelder gibt es nach Auskunft der Stadt aus unterschiedlichen Töpfen. Für Kommunen stehen bei geförderten Wohnungen unter anderem Zuschüsse aus dem bayerischen Wohnraumförderungsprogramm bereit. 30 Prozent gibt es bei einem Neubau, 40Prozent für die Modernisierung, dazu kommen zinsverbilligte Darlehen in Höhe von 90Prozent der zuwendungsfähigen Kosten. Bei der Verwendung von Holz als Baustoff legt der Freistaat eine Pauschale je nach der CO2-Einsparung noch obendrauf. Der Bund wiederum fördert energieeffiziente Gebäude – bei Neubauten, aber auch einzelnen Sanierungsmaßnahmen. Auch das kommt der Stadt entgegen, die laut der Pressesprecherin langfristig die Bestandsgebäude energetisch sanieren will – zum Beispiel demnächst an der Sommerstraße.
Die Zuschüsse fallen durchaus ins Gewicht. Beim Neubau an der Friedrich-Hebbel-Straße übernahm knapp die Hälfte der veranschlagten Baukosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro die öffentliche Hand. Weitere 1,9 Millionen Euro standen in Form eines zinsgünstigen Darlehens zur Verfügung. „Ohne diese finanzielle Unterstützung hätten wir das Vorhaben nicht realisieren können“, sagte Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) bei der Eröffnung.
Auch Mieterverein für neue städtische Wohnprojekte: Für den Vorsitzenden des Mietervereins Schwandorf und Umgebung, Stadtrat und SPD-Fraktionsvorsitzenden Franz Schindler, macht es Sinn, wenn die Stadt weiter in den Bau eigener Wohnungen investiert. Denn zum einen seien viele ehemalige Sozialwohnungen in Schwandorf weggefallen. Zum anderen führe die sogenannte einkommensorientierte Förderung (EOF) nicht immer auch zu wirklich billigem Wohnraum. Die Mieten könnten sich stärker als früher an die Durchschnittswerte auf dem freien Markt annähern.
Die städtischen Wohnungen im Bestand sind dagegen in der Regel äußerst preiswert. Die Mietkosten liegen zum Teil immer noch „im Bereich der Sozialwohnungen“, wie Sprecherin Schmaus bestätigt. Das ist auch politisch so gewollt. OB Feller drückte es vor ein paar Jahren so aus: „Uns geht es um Daseinsvorsorge. Nicht um Gewinnmaximierung.“

