Helfen: Ist gut, tut gut. Ein Generationengespräch zu 100 Jahre BRK Waldmünchen

Dieter Müller zuckt kurz. „War meine Antwort etwa zu kurz?“, überlegt der Bereitschaftsleiter des BRKs. Nein, ist sie nicht, sind sich seine Mit-Engagierten einig. Weil es der 42-Jährige wohl auf den Punkt getroffen hat: „Es ist toll, wenn es Menschen gibt, die helfen. Von denen möchte ich einer sein.“ Ein Statement, wie es besser nicht passen könnte zum Jubiläum des Rotes Kreuz in Waldmünchen. Nicht das einzige.
Drei Generationen, ein Antrieb: Für andere da sein. Das verbindet das Ehepaar Oberhofer, Dieter Müller, Stephanie Haberl sowie Thomas Gabriel und sie wiederum mit der Rot-Kreuz-Familie, 100 Jahre Helfen und Leben retten wiederum sind nur dank Menschen wie ihnen möglich.
Stephanie Haberl treibt der Gedanke der Menschlichkeit an. Zudem findet sie, dass sich das Engagement im BRK von anderen unterscheidet: Man bekomme direktes Feedback, handle konkret, erlebe Ergebnisse bis hin zum Halt in der Gemeinschaft.
Werte vermitteln
Schwerpunkt der Gymnasiallehrerin ist das im Herbst wiedergründete Jugendrotkreuz. Sie möchte den Jungen und Mädchen Werte „einpflanzen“, die ihrer Meinung nach ein Stück weit verloren gegangen sind. Allen voran Hilfsbereitschaft und Gemeinschaftsgeist.
Positiver Nebeneffekt: Es sei nicht zu unterschätzen, dass schon kleine Kinder Leben retten könnten. Indem sie den Notruf wählen, wenn der Opa plötzlich umfällt.
Fast 60 der 100 Jahre können Wieland und Irmtraud Oberhofer überblicken. 1965 haben sie die Rotkreuz-Kolonne in Rötz gegründet, sich nach ihrem Umzug nach Waldmünchen dort engagiert. „Ich hab‘ wohl einen ausgesprochen Hilfssinn“, sagt der Apotheker, dessen Mutter als Dorfhelferin fungierte. Auch seine Frau ist „vorbelastet“, ihre Mama war Vorsitzende des Elisabethenvereins.
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Oberhofers‘ Erinnerungen muten an wie eine Zeitreise. Einen Notarzt gab es früher nicht, ebenso wenig einen Sanka in Rötz oder eine Vor-Ort-Versorgung. Die eigentliche Aufgabe war es, den Kranken medizinischer Versorgung zuzuführen, sprich, in erster Linie, ihn ins (damals noch bestehende) Waldmünchner Krankenhaus zu bringen. Heute dagegen seien die Fahrzeuge rollende kleine Klinken...
Wieland Oberhofer erzählt: Wenn bei ihm in der Apotheke ein Anruf bezüglich eines Notfalls einging, habe er den Arzt verständigt (der dann im Krankenhaus gewartet hat), die Trage in den Kofferraum geworfen und sei gestartet. Geholfen habe man sich beim Patienten mit dem, was da war. „Wahrscheinlich so, wie heute in Afghanistan.“ Kurzum andere Welten.
Ebenso unvorstellbar: Hilfs- und Schulungsmaterial wurde früher in Wirtshäusern aufbewahrt; ein Zustand, der sich erst mit der Fertigstellung des Altenheimes 1972 änderte.
Urgroßeltern als Vorbilder
Lang ist auch die Geschichte von Thomas Gabriel wurde das Rot-Kreuz-Gen mit in die Wiege gelegt. Eltern, Oma und Opa „machen das schon ewig“, erklärt der 16-Jährige, die Urgroßeltern fuhren schon Rettungsdienst. Neben der erblichen Anlage ist er über den Schulsanitätsdienst, den er nur weiterempfehlen kann, auf den Geschmack gekommen. „Dann hab‘ ich weiter gemacht.“ Gabriel wandelt die Goldene Regel etwas ab: „Ich will ja auch wollen, dass mir geholfen wird.“
Natürlich sind dafür Aus- und Weiterbildung notwendig, „die aber auch Spaß machen und vom Teamgeist leben“, sind sich alle einig. Wenn die Skala dessen, was man beim Roten Kreuz an Lehrgängen absolvieren kann, auch faktisch nach oben offen ist: Angst vor Riesenaufwand oder Riesenansprüchen müsse niemand haben, beteuert Dieter Müller, der 2001 zur Organisation stieß. Es ließe sich für jeden der passende Bereich finden, nicht zu vergessen: Aufgaben wie Auf- oder Abbauen oder Brotzeit verteilen müssten ebenso erledigt werden.
Der Bereitschaftsleiter berichtet von steigenden Einsatzzahlen, was ihn – noch nachdenklicher – zu einem anderen Punkt bringt. „Seit Corona schwächeln unsere Mitgliedszahlen.“ Teils, weil sich die Menschen anderweitig orientiert haben, teils, weil die Wiederbelebung nicht gelungen sei. Aber auch, weil es für Angestellten früher vielmehr eine Selbstverständlichkeit war, sich jenseits des Jobs zu engagieren. Gemeinhin bedauerlich, „reden wir doch vom schönsten aller Ehrenämter“.
Auch Stephanie Haberl rührt aus tiefster Überzeugung die Werbetrommel. Gelebte Gemeinschaft, herzlicher Umgang, fasst sie Dienstabende Aktionen und Ausflüge zusammen. Es sei erfüllend, den Spirit zu spüren, „dass was geht, wenn viele zamhalten“. Wie es ein bereicherndes Gefühl sei, geholfen zu haben.
„Und zu wissen, es zu können“, ergänzt Thomas Gabriel, der aus seiner Mitarbeit im Jugendrotkreuz. Dessen Mitglieder seien stolz auf ihr Wissen und würden für die Sache brennen.
Worte, die Wieland Oberhofers Seele gut tun, beobachtet der Senior die nachlassende Bereitschaft, sich für die Ideale Henry Dunants einzusetzen, doch mit Sorge. Seine Erklärung: Die Menschen, die den Krieg und seine Folgen noch hautnah erlebt haben, verfügten über einen ganz anderen Zugang, hätten eine andere Sicht auf Welt und Wertigkeiten.
Rund unm die BRK Bereitschaft
Gründung: Aus der Taufe gehoben wurde die Bereitschaft am 17. September 1924. Seit der Gebietsreform gehört sie zum Kreisverband Cham.
Geburtstag: Das BRK möchte mit der Bevölkerung gemeinsam feiern und lädt am Sonntag, 2. Juni, nach einem Gottesdienst (9.30 Uhr, Trenckplatz) rund um die Festhalle ein. Bis in den Abend ist für Unterhaltung und Musik gesorgt, besondere Highlights sind die Fahrzeugschau, Vorführungen der Rettungshundestaffel und Hubschrauber-Rundflüge.
Bestand: Die Bereitschaft zählt aktuell rund 50 Mitglieder, die Zahl der Aktiven ist jedoch deutlich geringer.
Feste: Ab 1990 feiert das Rote Kreuz das Marktplatzfest. Was als Anschub zur Finanzierung der neuen Wache begann, hat sich längst als Publikumsmagnet etabliert.
Besonderheit: Mit Ausnahme der Pandemiejahre helfen die Waldmünchner seit 2009 beim Neujahrsskispringen der Vierschanzentournee in Garmisch-Partenkirchen, zudem verbindet sie eine Freundschaft mit dem DRK in der Partnerstadt Elz.
Kontakt: Über die Homepage des Kreisverbandes oder per Mail: waldmuenchen@brk-bereitschaft.de
