30 Tage zum Beruf: Firma Yanfeng in Neustadt bietet Turbo-Ausbildung an

Von David Santl · 24. Mai 2024 um 05:00

Seit 2021 können Mitarbeiter der Firma Yanfeng in Neustadt (Landkreis Kelheim) innerhalb von gerade einmal 30 Tagen Maschinen- und Anlagenführer werden. Möglich macht das ein besonderes Projekt. Am Ende erreichen die Teilnehmer Top-Noten. Das ist das Erfolgsrezept.

Innerhalb von 30 Tagen eine komplette Berufsausbildung abschließen? Für viele Arbeitnehmer dürfte sich das geradezu utopisch anhören. Nicht so beim Neustädter Automobilzulieferer Yanfeng. Dort ist eine derartige Turbo-Ausbildung Alltag.

Seit 2021 das Weiterbildungs-Projekt „30 Tage zum Beruf.“ Innerhalb dieser kurzer Zeit können Mitarbeiter in der Firma den Beruf des Maschinen- und Anlagenführers erlernen. Die 30 Schulungs-Tage sind dabei auf ein Jahr verteilt. „Das ist eine Win-Win-Situation für das Unternehmen und die Mitarbeiter“, sagt Ausbildungsleiter Klaus Jakob.

Ohnehin viel Vorwissen

Denn viele Teilnehmer am Weiterbildungsprojekt haben eigentlich keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Wegen ihrer jahrelangen Arbeit im Betrieb haben sie aber die meisten notwendigen Kenntnisse ohnehin. Genau darin liegt laut Klaus Jakob auch der Erfolg des Projekts. „Die haben von der Materie bereits viel gesehen. Denen musst du nicht mehr viel erklären, weil sie es schon seit Jahren wissen.“ Das sei bei 15- oder 16-Jährigen ganz anders. Lediglich theoretische Dinge, wie Mathematik, seien bereits länger her. „Das muss ich ihnen dann eben noch einmal zeigen.“

Die Idee von Klaus Jakob bei diesem Projekt: die eigenen Leute sollen geschult und weitergebracht werden. „Warum sollten wir nur auf Außenstehende setzen, wenn wir so viel Potenzial im eigenen Betrieb haben?“

Auf diese Art könnten die Mitarbeiter aufsteigen und ihren Arbeitsplatz sichern. Auch für erneute Weiterbildungen, zum Beispiel zum Mechaniker, stünden ihnen dann die Türen offen. Laut Jakob ziele das Projekt vor allem auf ältere Leute in der Produktion ab, die noch 20 bis 25 Jahre zu arbeiten hätten – aber bis zur Rente vielleicht nicht durchkämen, da sie keine abgeschlossene Ausbildung haben. Außerdem wolle die Firma so dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Eine Sache beeindruckt Ausbildungsleiter Klaus Jakob dabei besonders: „Mit welchem Ehrgeiz sie an die Sache rangehen.“

Die Zahlen geben dem Ausbildungsleiter Recht. Er hätte bei den letzten Durchgängen gehofft, dass die Projekt-Teilnehmer bei der abschließenden Prüfung 85 von 100 Punkten schaffen, was der Note 2,0 entsprochen hätte.

Teilnehmer meist über 40 Jahre alt

Stattdessen hätten sie alle mindestens 96 Punkte, und damit eine 1,3 geschafft. Die meisten Projektteilnehmer sind über 40 Jahre alt. „Das ist ein ganz anderer Ehrgeiz. Die sehen einfach, dass sie nochmal eine Chance haben. Die wollen es wissen“, erklärt Klaus Jakob ihre große Motivation. Die zeigt sich auch im Gespräch mit Yanfeng-Mitarbeitern, die an diesem Projekt teilgenommen haben. „Das war’s wert. Ich würde jederzeit wieder mitmachen“, sagt Patrick Sukop.

Auch Stefan Busl bereut seine Teilnahme keineswegs. „Ich hatte die Hälfte des Wissens ja schon. Das konnte ich vertiefen und auffrischen.“ Das neue Wissen habe er sich darum schnell erarbeiten können. „Da habe ich mich dann eben auch am Wochenende hingesetzt und gelernt.“

„Das ist ein ganz anderer Ehrgeiz. Die sehen einfach, dass sie nochmal eine Chance haben.“

Klaus Jakob, Ausbildungsleiter

Nach dem Start des Projekts im Jahr 2021 und der Abschlussprüfung der ersten Gruppe im Jahr darauf, startete im Winter 2023 die nächste Gruppe.

„Da es ein Erfolgsprojekt geworden ist und sich weiterhin viele beworben haben, fangen wir in diesem Herbst mit der dritten Gruppe an“, blickt Klaus Jakob voraus. Wer die Ausbildung innerhalb von 30 Tagen machen möchte, wird von der Firma Yanfeng bezahlt freigestellt. Die ersten zehn Tage der Ausbildung finden am Stück statt. Dort lernen die Mitarbeiter Grundlegendes über Arbeitssicherheit, Metalle, Kunststoffe und vieles mehr. Die weiteren Schulungstage gibt es über das ganze Jahr verteilt ungefähr im Zwei-Wochen-Takt . Am Ende steht die theoretische und praktische Abschlussprüfung.

Ähnliche Konzepte wie bei der Firma Yanfeng gibt es auch in anderen Betrieben, sagt Ralf Kohl, der Bereichsleiter für den Geschäftsbereich Berufliche Ausbildung der Industrie- und Handelskammer Regensburg. „Es ist ein häufig genutzter Weg, Personen, die im Berufsleben stehen, aber keinen Abschluss besitzen, den Zugang zu einer formalen Qualifikation zu ermöglichen“, sagt er.

Sowohl Einzelpersonen als auch Firmen im Rahmen der Weiterbildung würden diese Möglichkeit nutzen. Auch Ralf Kohl sieht einige Vorteile in solchen Projekten: „Angesichts des sich verschärfenden Fachkräftemangels ist das natürlich zu begrüßen.“