Ansprüche an Ausbildung ändern sich: In Kelheim trafen Firmen auf Azubis „von morgen“

Von David Santl · 26. April 2024 um 19:00

Die Kelheimer Ausbildungs- und Berufsmesse war ein voller Erfolg. Gut 40 Aussteller machten sich auf die Suche nach neuen Azubis. Der Nachwuchs setzt nur auf einen guten Verdienst.

Andreas Nagl steht vor einem kompliziert aussehenden Konstrukt aus Reagenzgläsern. Darin befinden sich eine grüne und eine lilafarbene Flüssigkeit, die automatisch miteinander vermischt werden. „Das Lilafarbene ist Säure und das Grüne ist Lauge“, erzählt der Azubi des Chemie-Unternehmens Fibres einigen interessierten Schülern.

Keine Frage: Die „Dreihalskolben-Rührapparatur“ zog bei der Kelheimer Ausbildungs- und Berufsmesse am Freitag im Hotel Dormero viele Blicke auf sich. Vielleicht lockt sie auch den einen oder anderen Auszubildenden an. Das ist auch nötig. Denn wie bei vielen anderen Betrieben auch, macht sich bei Fibres der Nachwuchsmangel bemerkbar. „Wir müssen um Azubis kämpfen“, sagt Gökhan Aslan, der Ausbilder des Unternehmens.

Die Messe im Dormero sei daher eine sehr gute Gelegenheit, für die rund 40 Aussteller, sich Hunderten Schülern zu präsentieren.

Sichtbarkeit der Firmen erhöhen

Eine von ihnen ist Michelle Gruber (17). Sie kann sich einen Job im Sprachen-Bereich vorstellen. Der Messebesuch hat ihr geholfen. „Ich habe viele Berufe kennengelernt.“ Damit ist bei ihr das Ziel der Messe erreicht. Denn Firmen in der Region sollen ihre Sichtbarkeit erhöhen, betont Thomas Wallner, der Vorsitzende des Vereins „Zukunft Kelheim.“ Er durfte sich über einen großen Andrang freuen. „Es gibt viele gute und motivierte Leute, die aktiv nach Stellen suchen“, sagt er. Allerdings hätten sich die Ansprüche an die Arbeitswelt gewandelt. „Sie wollen einen Job, der für sie Sinn macht.“ Wallner freut sich daher, dass die Schüler an den Messeständen die Möglichkeit haben, Dinge aus dem Beruf auszuprobieren, zum Beispiel bei einem digitalen Schweißapparat.

Bei der Schreinerinnung konnten sich Schüler derweil an Hammer und Bohrmaschine versuchen. Nachwuchsprobleme gibt es auch dort. „Darum sind solche Messen wichtig für uns. Es gibt wirklich Jugendliche, die sich nach einem Besuch am Messestand für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden“, erzählt Vorstandsmitglied Konrad Schmidhuber.

Auch er merkt, dass Jugendliche andere Ansprüche an Arbeit hätten. „Geld ist bei vielen nicht mehr das Wichtigste. Sie wünschen sich eher eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit.“ Für Holzbau interessiert sich auch Maximilian Hierl (15). Seine Familie besitzt ein Holzbau-Unternehmen, das er fortführen möchte. Generell sieht er gute Chancen für seinen Traum. Bei der Arbeit selbst ist ihm vor allem ein gutes Verhältnis zu seinen Kollegen wichtig. So geht es auch Sebastian Flexeder (16). „Mein Traumberuf ist Notfall-Sanitäter, weil ich gerne Menschen helfe“, verrät er. Einige in seiner Familie seien ebenfalls im Medizin-Bereich tätig.

Auf der Suche nach neuen Pflegekräften war bei der Messe auch das Kelheimer Krankenhaus St. Lukas. „Wir beobachten, dass wir nach einer solchen Veranstaltung Praktikums-Bewerbungen von Messebesuchern bekommen“, sagt Pflegedirektorin Christina Seifert. Olga Honcharenko aus der Ukraine informierte sich derweil über Möglichkeiten beim Beruf der Erzieherin. „Ich habe das schon in meiner Heimat gelernt. Jetzt weiß ich, wie ich das hier anerkennen lassen kann“, freut sie sich.

Mehrwert für Region

Über zahlreiche Berufsmöglichkeiten wollte auch die Bundeswehr informieren. Durch den Ukraine-Krieg sei das Interesse gestiegen, sagt Hauptfeldwebel Maximilian Penner. „Unsere Türen stehen in vielen Bereichen offen, nicht nur für Soldaten“, sagt er. Für ein Medizinstudium bei der Bundeswehr brauche es zum Beispiel keinen Numerus clausus.

Ein rundum positives Fazit der Messe zog auch Bürgermeister Christian Schweiger. „Das macht sowohl den Firmen als auch den Schülern Spaß.“ Er sieht in der Messe einen echten Mehrwert für die Region. „Ohne solche Aktionen würden viele Schüler gar nicht wissen, wie viele Möglichkeiten es hier für sie gibt“, sagt er.

Diese beiden Mädels schnupperten in den Schreiner-Beruf.
Eine Rühr-Apparatur zog viele Blicke auf sich.
Die Messe war sehr gut besucht.