Nachfrage im Rodinger Baubereich wächst – Experte rät, Fördertöpfe zu nutzen

Seit Februar geht wieder etwas, sagt Martin Wanninger, Immobilienexperte der Sparkasse, an diesem Morgen in der Rodinger Filiale des Bankhauses. Was er meint?
Der totgesagte Bausektor – vor allem der Eigenheimbau und auch die Sanierung des Altbestands – hat sich zurückgemeldet. „Die Nachfrage steigt“, sagt er – doch es könnte noch mehr sein, denn viel Geld vom Staat wartet auf Bauwillige – was die jedoch noch zu selten wissen.
Im Vergleich zu den ersten Monaten 2023 habe sich das Volumen bei der Sparkasse in diesem Jahr verdoppelt. Es seien zwar einige abgesprungen, die bei aktuellen Baupreisen nachgerechnet hätten und sich das bauen nicht mehr leisten könnten. Doch gleichzeitig seien neue Bauwerber aufgetaucht, die ein Eigenheim anstreben und in die Planungsphase gehen würden. „Wir beraten viel mehr“, sagt Wanninger. Da gelte es, die staatliche Unterstützung zu nutzen. Es seien neue Förderprogramme ausgelobt worden, die vor allem für Familien attraktiv seien, sagt Wanninger.
Vieles nicht bekannt
Er sehe hier einen hohen Informationsbedarf, um mehr Landkreisbürgern zum Eigenheim zu verhelfen, so der Vertriebsdirektor des Immobilien- und Versicherungszentrums der Sparkasse Cham. Die Vorgaben, die der Bund hier gebe, sollten die Bürger nutzen, zumal die Baupreise ebenso wie die Zinsen stagnieren würden. Die Fördertöpfe für Zuschüsse wie für günstige Sonderkredite seien gefüllt. In zwei Bereiche teile sich hier das Feld – einmal in den Neubau, zum zweiten in die Gebäudesanierung. Es gebe deutlich mehr Möglichkeiten für angehende Bauherren – „als ich 2020 hierher gekommen bin, gab es nur vier Förderpunkte, heute sind es acht.“
Zins unter einem Prozent
Im Blick hat er da vor allem die Familien, die auch der Staat auf dem Weg zum Eigenheim mit dem Programm „Wohneigentum für Familien“ (WEF) besonders begünstige. Liege das versteuerte Haushaltseinkommen der Familien mit einem Kind unter 90.000 Euro, so gebe es beim Bau oder Ersterwerb einer Immobilie zinsgünstige Kredite bis zu 220.000 Euro für klimafreundliches Bauen. Hier habe der Staat die Grenze kurzerhand von 60.000 auf 90.000 Euro erhöht – und damit für viele eine Möglichkeit eröffnet, sich das eigene Nest zu bauen. Und mit jedem Kind wachse der Einkommensrahmen um 10.000 Euro.
Je nach Kinderzahl erhöhe sich der günstige Kreditrahmen. „Bei dem Haushaltseinkommen fallen bei uns die meisten Familien darunter! Das ist gigantisch!“, betont Wanninger. Denn zinsgünstig heißt hier, der KfW-Kredit liegt bei einer zehnjährigen Zinsbindung bei nur 0,71 Prozent. Bei aktuellen Bauzinsen zwischen 3,7 bis 4 Prozent sei solch ein Kredit eine echte Hilfe für Familien, zu Wohneigentum zu kommen. Solch eine Förderung durch einen KfW-Kredit gebe Stabilität. Was sich beim Neubau eines Eigenheims geändert habe, sei die Wohnfläche. Seien es früher 250 Quadratmeter gewesen, pendele sich das heute bei 160 bis 170 Quadratmeter ein: „Das spart natürlich auch Kosten!“
Energieberater mit ins Boot holen
Wer statt neu zu bauen eine selbst genutzte Altimmobilie, etwa ein Erbe, klimafreundlich sanieren will, könne ebenfalls mit viel Zuschüssen rechnen – je nachdem was geplant sei. Und einen guten Tipp zur Sanierung hat Wanninger für Bauwillige: „Jeder, der etwas machen will, sollte einen zertifizierten Energieberater mit ins Boot holen!“ Dessen Kosten würden zum einen zu 80 Prozent gefördert, zum anderen sei er sein Geld wert. Er entwerfe einen Sanierungsfahrplan – gefördert würden seit 1. Januar 2024 Effizienzmaßnahmen zur Gebäudehülle, zur Heizung und zur Heizungsoptimierung.
Dämme man beispielsweise sein Haus ohne Berater, sei die förderfähige Investitionssumme auf 30.000 Euro gedeckelt – man erhalte höchstens 4500 Euro an Zuschüssen. Engagiere man aber den Energieberater, erhöhe sich die Summe auf 60.000, der Zuschuss auf 9000 Euro. „Das weiß so keiner“, sagt Wanninger. Der Heizungstausch bringe allein bis zu 70 Prozent an Zuschüssen.
Beantragungen von Zuschüssen teils kompliziert
Wer clever sei, saniere seinen Altbau nach und nach zu einem Effizienzhaus über vier oder fünf Jahre und bekomme immer Zuschüsse dafür. Und wer Zuschüsse bekomme, könne auch günstige Ergänzungsdarlehen erhalten.
Sicher sei die Beantragung von Zuschüssen teils kompliziert – „manchmal helfen auch die Handwerker dabei“ – doch lohne der Einsatz, selbst wenn man 300.000 Euro investiere, um eine eigene, klimafreundliche Immobilie zu haben: „Ein Neubau kostet heute 600.000 bis 700.000 Euro!“
Förderprogramme
Förderung: Die staatlichen Fördermöglichkeiten für Neubau oder Sanierung, die neu sind, teilen sich in zinsgünstige Kredite und direkte Zuschüsse. Interessant ist vor allem beim Neubau die Förderung für Familien mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren. Haben die Familien ein Haushaltseinkommen nach Steuerabzug von 90000 Euro, gibt es bis zu 220000 Euro als zinsgünstiges Darlehen. Direkte Zuschüsse gibt es bei der klimafreundlichen Sanierung von Altimmobilien.
Empfehlung: Martin Wanninger empfiehlt, sich immer beraten zu lassen – egal ob Neubau oder Sanierung einer Altimmobilie. Viele der Förderprogramme seien wenig oder gar nicht bekannt – vieles gehe ineinander über, sei von Fristen abhängig oder von der Reihenfolge.
