Louis Schmid aus Traitsching baute eine Bulldoghilfe für seinen Großvater

Einen Anhänger an einen Traktor zu befestigen, kann durchaus mühselig und zeitaufwendig sein. Der 14-jährige Louis Schmid aus Traitsching im Landkreis Cham erkannte dieses Problem und fand eine Lösung: das „Hydraulische Zugmaul“.
„Mein Opa fährt gern Bulldog“, sagt der 14-Jährige. Er habe zwar keine Landwirtschaft, aber er fahre damit regelmäßig zum Holzmachen. Das Holz transportiere der Großvater nach Hause, um es dort zurechtzuschneiden. Anschließend wird es auf einen Ladewagen geschlichtet. Und da der 74-Jährige Probleme mit dem Rücken habe, machte sich der Neuntklässler Gedanken, wie der Ablauf des Anhängens erleichtert werden kann.
Hydraulischer Anschluss bereits vorhanden
Im Erfinderclub des Joseph-von-Fraunhofer Gymnasiums tüftelte er an einer Lösung – erfolgreich. Insgesamt arbeitete Louis rund 20Stunden an seinem Projekt. „Am Traktor gibt es nur wenige Möglichkeiten, Bewegung zu erzeugen“, erklärt der Gymnasiast und nennt unter anderem den Motor oder die Batterie als Beispiel.
Da alle Bulldogs einen hydraulischen Anschluss besitzen, hat sich Louis für eine hydraulische Variante entschieden, die über einen Hebel vom Sitz aus bedient werden kann. Dieser Hebel sei bei den meisten Traktoren vorhanden und habe bereits die Funktion des An- und Abkuppelns.
So funktioniert der Apparat
Louis ergänzte die Vorrichtung: Über dem Zugmaul des Traktors wird ein Zylinder mit Bolzen angebracht. Ein Schlauch verbindet das „Hydraulische Zugmaul“ mit dem bereits vorhandenen Anschluss, sodass Louis Erfindung automatisch mit dem Hebel verbunden ist.
Das heißt: Um einen Anhänger anzukuppeln, muss der Fahrer rückwärts an den Anhänger heranfahren und den Hebel betätigen, um den Bolzen durch das Zugmaul und die Zugöse zu drücken. Anschließend steigt der Fahrzeugführer ab und schließt den Anhänger elektronisch an.
Zeitersparnis durch das „Hydraulische Zugmaul“
„Vorher musste man immer absteigen, um den Traktor mit dem Hänger zu verbinden“, sagt Louis. Da aber meist die Position des Traktors nicht korrekt war, musste man erneut aufsteigen, rangieren, wieder absteigen und kontrollieren, ob es passt, erklärt er weiter. Dieser Prozess werde so oft wiederholt, bis die Position der Zugmaschine zum Anhänger korrekt ist. Denn viele Anhänger seien zu schwer, um diese zu schieben. Durch Louis Lösung müsse man nur zum Verkabeln absteigen. Somit wurde die körperliche Belastung reduziert.
„Je nach Übung des Fahrers sparrt man sich zwei bis fünf Minuten“, vermutet der 14-Jährige. Gerade bei häufiger Nutzung würde sich das rechnen.
Passender Zylinder muss noch gefunden werden
Im Moment funktioniert das System jedoch noch nicht. „Ich finde keinen passenden Zylinder“, sagt der junge Erfinder. Denn der Hubraum des Zylinders dürfe nicht zu klein oder zu groß sein. Ist das Hubvolumen zu groß, könnte sich der Bolzen zu weit durchdrücken und Probleme verursachen. Ist der Hubraum zu gering oder ist der Bolzen zu kurz, kann dies zu einem Sicherheitsrisiko führen, da die Stange aus der Zugöse rutschen könnte.
Für die Präsentation bei „Jugend forscht“ verwendet Louis daher eine Spritze mit einem Volumen von 150Millilitern, welche der richtigen Größe entspreche. „Die Entwicklung ist so weit abgeschlossen.“ Wenn der passende Zylinder gefunden ist, müsse die Konstruktion noch verschweißt werden.
Leidenschaft zu Traktoren
„Später möchte ich mal in die Traktorindustrie einsteigen“, sagt Louis zu seinem Berufswunsch. Dort wolle er sich im Bereich des Ingenieurwesens um Planungen kümmern. Aber auch Maschinenbau oder Verwaltungsbeamter im Landratsamt könne sich der 14-Jährige vorstellen.
In seiner Freizeit tüftelt der junge Traitschinger gern an den sechs Traktoren der Familie herum. Fahren kann der 14-Jährige auch schon – natürlich nur auf privatem Gelände. Eine Sondergenehmigung für den Traktorführerschein mit 15Jahren hat Louis jedoch nicht erteilt bekommen.
Erfolgreiche Teilnahme am Regionalwettbewerb
Mit seinem „Hydraulischen Zugmaul“ nahm der Gymnasiast an dem Wettbewerb „Jugend forscht“ teil. Da beim Regionalwettbewerb Oberpfalz bereits alle Plätze vergeben waren, nahm er am niederbayerischen Entscheid in Passau teil. Dort belegte der 14-Jährige aus Traitsching den ersten Platz und qualifizierte sich damit für den Landeswettbewerb in Regensburg. Dort ging der Schüler allerdings leer aus.
„Mein Opa hat sich sehr gefreut, dass ich für ihn etwas baue“, sagt Louis. Im nächsten Jahr will sich der Gymnasiast wieder mit einem neuen Projekt bei „Jugend forscht“ bewerben. Woran der 14-jährige Traitschinger dann arbeiten wird, weiß er aber noch nicht.
Jugend forscht
Teilnahmebedingungen: Louis erklärt, dass die Voraussetzung für die Teilnahme unter anderem eine schriftliche Arbeit und ein präsentierbares Objekt beinhaltet.
Altersgruppen: Teilnehmer unter 14 Jahren nehmen in der Sparte „Schüler experimentieren“ teil. Jugendliche im Alter von 15 bis 21 Jahren sind Teil der Alterssparte „Jugend forscht“.
Wettbewerbsebenen: Zunächst treten die Kinder und Jugendlichen im Regionalwettbewerb an. Die Sieger qualifizieren sich für den folgenden Landeswettbewerb. Für Teilnehmer in der Sparte „Schüler experimentieren“ endet der Wettbewerb auf Landesebene. Die Landessieger der 15 bis 21-Jährigen qualifizieren sich für den Bundeswettbewerb.
Fachgebiete: Der Wettbewerb ist in sieben Fachgebiete (Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik und Technik) aufgeteilt. Jedes Fachgebiet hat eine eigene Jury. Teilnehmer können bis zu drei Projekte einreichen.
