Um Mitternacht Richtung Unwetter: Tobias Muhr rückte von Cham ins Saarland aus

Um Mitternacht klingelte das Einsatzhandy bei Tobi Muhr. Statt der im Mai üblichen 50 Liter war das Saarland unaufhörlich mit 100 Litern pro Stunde zugeschüttet worden. Bayern wollte helfen und warf Muhr aus dem Bett. Der Landesfachdienstleiter ist seit 20 Jahren leidenschaftlicher Katastrophenschützer.
Kurze Zeit später stand Andreas Liebert von der BRK-Bereitschaft Roding vor der Türe und hatte den hochwassertaugliche VW-Amarok dabei – ab ging es ins Saarland an die französische Grenze. „Der Amarok ist eine Lehre aus dem Ahrtal. Da war ich noch mit dem Audi. Ein tolles Auto – aber wenn die Infrastruktur komplett weg ist...“
Das neue Fahrzeug ist übrigens nicht die einzige Lehre aus dem Unglück im Ahrtal. Es steht im Normalfall den Helfern vor Ort (HVO) in Falkenstein zur Verfügung – bis zum Katastrophenalarm.
Für 72 Stunden in den Einsatz
Der stellvertretende Rettungsdienstleiter Tobias Muhr ist nämlich Landesfachdienstleiter und eine Führungspersönlichkeit im Katastrophenschutz. In dieser Funktion brach er ins Saarland auf, wo er mit seinem Fahrer Liebert um 6 Uhr morgens eintraf. „Du brauchst einen Fahrer, wenn du anschließend 72 Stunden in den Einsatz gehen sollst“, sagt Muhr. „Da sollte man vorher schon ausgeschlafen haben.“
Die Bayern haben aus dem Ahrtal gelernt. In diesen Einsatz, der in dieser Größenordnung bisher einzigartig gewesen war, hatten alle Hilfsorganisationen viele Helfer und viel Material gepumpt. Die standen dann in Bereitschaftsräumen und kamen zum Teil gar nicht zum Einsatz. Das ist heute anders. Dafür gibt es das sogenannte Vorauskommando – einer davon war Muhr.
Er wurde dort gleich im Landratsamt übergangslos in den Einsatzstab eingegliedert. Muhr und seine Kollegen waren dort die Schnittstelle zu den benötigten Einsatzkräften der Bereitschaften von Rettungsdienst, Wasserwacht und Bergwacht. Schnell, so Muhr, habe sich herausgestellt, dass ein Wasserrettungszug und Luftrettungs-Spezialisten gebraucht wurden, die aus Bayern herangeführt worden seien.
Als Muhr eingetroffen war, stiegen die Pegelstände zwar noch, aber der Regen hatte aufgehört. Entspannung war in Sicht. „Es hat sich herausgestellt, dass keine weiteren Anforderungen notwendig waren.“ Das macht Muhrs weite Anreise jedoch nicht sinnlos. Die Arbeit des Vorauskommandos habe sich bewährt, sagt der Landesfachdienstleiter. Insbesondere deswegen, weil nicht schwere Fahrzeuge und Spezialgerät angerückt sei, das anschließend nur herumgestanden wäre.
„Wir wussten genau, was vor Ort schon im Einsatz war und was noch gebraucht wird. Und genau das ist dorthin gebracht worden, wo es sinnvoll war. So war das gedacht.“
... dann ausschlafen
Nach mehr als 30 Stunden auf den Beinen nutzten Muhr und sein Leitungsgehilfe Andreas Liebert den Pfingstsonntag, um sich auszuschlafen. Bereits am Pfingstmontag hatte der Wetterbericht für Nachmittag schwere Gewitter im Landkreis Cham in Aussicht gestellt. Muhr nimmt es mit Humor: „Wir sind ja wieder da!“
