Sensation im Bayerwald-Tierpark: Elchkühe Ronja und Sophie brachten Zwillinge zur Welt

Von Maria Frisch · 19. Mai 2024 um 05:00

Um Pfingsten richten sich aller Augen der Besucher im Bayerwald-Tierpark in Lohberg (Landkreis Cham) regelmäßig auf das Elchgehege, weil dort meistens ein quirliger Nachwuchs zu sehen ist. In der Tat hat Mutter Natur dies auch heuer wieder so eingerichtet, denn die dortigen Elche haben wahre Wonneproppen gezeugt. Das Besondere daran und schon eine Sensation ist, dass in dieser Woche gleich beide Elchmütter ihre Kälber zur Welt brachten:

„Ronja“, die erstmals Mama wurde und „Sophie“, die bereits im Vorjahr für einen Nachkömmling gesorgt hatte. „Oh, sind die süß“, ist von den Besuchern zu hören, die die Nachkommenschaft derzeit leicht zu Gesicht bekommen. Ihre Geburtsdaten sind am 14. und am 16. Mai. „Die Niederkunft ging beide Male unkompliziert vonstatten“, freut sich die fachliche Leiterin über diese Überraschung. Der Park habe somit an Pfingsten besondere Zugpferde in den eigenen Reihen.

Die Geburt eines Elchkalbes dauert im Normalfall höchstens eine Viertelstunde. Die Kuh frisst die Nachgeburt zur Stimulierung der Milchproduktion, und die ist sehr proteinhaltig. Dies geschah auch heuer alles unter vollständigem Ausschluss der Öffentlichkeit, denn die werdenden Mütter „Ronja“ und „Sophie“ zogen es vor, in der Abgeschiedenheit zu kalben und alle mit ihren Publikumslieblingen zu überraschen. Mittlerweile sind die ersten Stunden vorbei, in denen die vierbeinigen Babys noch etwas ungelenk wirkten, nun staksen sie schon recht sicher dem Muttertier nach.

Noch ungewiss: Männlich oder weiblich?

Ob männlich oder weiblich lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt freilich noch nicht sagen. „Dass die Nachzucht so regelmäßig gelingt, ist schon ein Erfolg“, freut sich fachliche Leiterin Claudia Schuh. Auch in freier Wildbahn sucht sich die Elchkuh zur Geburt ein ruhiges Plätzchen in einem Fichtendickicht oder einer Baumgruppe, vor neugierigen Blicken versteckt. Dort baut sie ein Lager oder „Bett“, in dem sie sitzend ihren Nachwuchs zur Welt bringt. Die Jungen werden mit Beinen und Kopf voran geboren und sind in eine Haut eingepackt.

Durch das Trockenlecken nach der Geburt bildet sich ein enges Band zwischen Kuh und Kälbern. „In den ersten beiden Tagen nach der Geburt wurden unsere neuen Schützlinge noch im Sitzen gesäugt, sie trinken bis zu zehn Mal am Tag“, hatten die Tierpfleger beobachtet, die oft nach dem Rechten sehen und sehr um das Wohlbefinden der kleinen Sympathieträger bemüht sind. Die Kuh selbst beendet die Mahlzeit, indem sie zunächst nasale Locklaute von sich gibt. „Elchkühe haben ein mit vier Saugwarzen versehenes Gesäuge. Ihre Milch ist fetter als Kuhmilch und sehr nährstoffreich. Deshalb wächst der Nachwuchs sehr schnell“, erklärt die Veterinärin.

Obwohl es keine 100-prozentige Garantie gibt, weil natürlich keine Trächtigkeitsuntersuchung gemacht wird, war sich Claudia Schuh durch gezielte Beobachtungsgabe ziemlich sicher, dass „Ronja“ und „Sophie“ eine Kinderstube hüten werden.

Den Kleinen haftet seit ihren ersten Schritten auf staksigen Beinen ein Niedlichkeitsfaktor an. Zwischen 70 und 80 Zentimeter hoch und 80 bis 100 cm lang haben die Neugeborenen in etwa die Ausmaße des Kopfes ihrer Mutter. „Zu nahe kommen dürfte man den Kleinen aber nicht. Die fürsorglichen Mütter würden in diesem Fall sofort in Angriffsstellung gehen“, müssen die Pfleger stets im Hinterkopf haben.

Von der Niederkunft der Neuankömmlinge war der Elchbulle völlig ausgeschlossen. Für die „alleinerziehenden“ Elchkühe ist die Geburt und die Sorge um die Kälber reine Frauensache.

„Es ist wirklich ein herzerfrischender Anblick, wie die Neulinge keck auf ihren ewig langen Beinen ihrer Mama folgen“, findet Claudia Schuh selbst großen Gefallen am Mutterglück ihrer Schützlinge.

Elchkuh „Ronja“ und ihre Kälber, die erst in dieser Woche geboren wurden, genehmigen sich hier gerade ein Schläfchen. Foto: Maria Frisch
Noch etwas ungelenk, aber neugierig und auch hungrig geht es an die Milchtankstelle. Foto: Maria Frisch