Haut richtig vor der Sonne schützen: Experten aus dem Landkreis Cham geben Tipps

Mit dem richtigen Sonnenschutz kann Hautkrebs vorgebeugt werden. Deshalb sollten Sonnencreme, Sonnenspray und Kopfbedeckung nicht nur im Freibad oder im Urlaub angesagt sein.
Generell wird laut Jutta Rewitzer zu wenig Sonnencreme verwendet. „40Milliliter benötigt ein Erwachsener, um sich von Kopf bis Fuß einzucremen“, sagt die Apothekerin aus Furth im Wald. Rewitzer erklärt, dass nach rund zwei bis drei Stunden ein erneutes Auftragen nötig ist. „Die Zeit läuft nicht von vorn“, sagt sie. Das heißt, dass der Lichtschutzfaktor nicht verlängert, sondern nur aufrechterhalten werden kann. Man kann also trotz Nachcremen nicht länger in der Sonne bleiben.
Und auch wenn auf manchen Sonnenschutzmitteln „wasserfest“ stehe, schwemmt Wasser Teile des Sonnenschutzes weg. Spätestens nach dem Abtrocknen sei der Schutz stark reduziert.
Mittagshitze meiden
Das Sonnenschutzmittel soll circa eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad aufgetragen werden und der Lichtschutzfaktor soll ausreichen hoch sein. Bei einem längeren Aufenthalt in der Sonne solle zu einem Produkt mit dem Lichtschutzfaktor 50 gegriffen werden.
Der Chamer Hautarzt Robert Bübl rät, die Sonne zwischen 11 und 15 Uhr ganz zu meiden. Wenn man in dieser Zeit das Haus verlässt, sollte man ein langes Oberteil und eine lange Hose oder einen langen Rock sowie einen Hut tragen.
Verfallsdatum der Sonnencreme beachten
Kann die Creme vom vergangenen Jahr noch benutzt werden? Rewitzer rät, sich immer nach dem Verfallsdatum zu richten. Wurde von einer Flasche nur sehr wenig verbraucht und diese immer kühl gelagert, könne das Produkt noch verwendet werden, solange es keine Veränderungen zeigt. Wurde die Creme aber schon mehrfach der Hitze ausgesetzt, sollte das Produkt nicht mehr genutzt werden. „Ich vergleiche es gern mit Joghurt oder mit Mayonnaise. Die verwendet man ja auch nicht mehr, wenn sie bereits ein paar Mal aufgeheizt wurden“, sagt Rewitzer, Pressesprecherin der Apotheker im Landkreis Cham.
Mineralischer oder chemischer Filter?
In einer Sonnencreme kommen entweder chemische oder mineralische Filter zum Einsatz. Der chemische Filter Octocrylen steht im Verdacht, hormonell wirksam zu sein. Außerdem ist der Stoff schädlich für Umwelt und Korallen, da dieser die Korallenbleiche auslösen kann. Einige Länder haben deshalb bestimmte Filter verboten.
Mineralische Filter sind häufig umweltfreundlicher. Als Filter werden meist Titan- oder Zinkoxid verwendet. Die Mineralpartikel reflektieren die UV-Strahlen. Im Gegensatz zu den chemischen zieht die Creme nicht ein, dadurch kann ein weißer Film auf der Haut entstehen. Mineralische Sonnencreme mit Nanopartikeln soll diesen „Weißeleffekt“ verhindern. Bei solchen Produkten ist aber Vorsicht geboten, da diese Partikel in den Körper gelangen können. Rewitzer kann aber für beide Varianten Entwarnung geben: „In der EU dürfen nur geprüfte Stoffe verwendet werden.“
UV-Kleidung – Haut an Sonne gewöhnen
Wem das ständige Eincremen lästig ist, kann auch auf UV-Kleidung zurückgreifen. „Diese bietet einen hohen Schutz und eignet sich vor allem für Kinder“, sagt die Apothekerin. Und auch im Alltag könne die Kleidung praktisch sein. Nicht zu vergessen sei aber: Der Rest des Körpers müsse noch eingecremt werden. Auch der Arzt Bübl hält die UV-Bekleidung für sinnvoll. Da Hautkrebs bei manchen Berufen zu den Berufskrankheiten zählt, würden Berufsgenossenschaften diese gerade testen.
Die ersten Sonnentage solle man sich zudem eher im Schatten aufhalten. Die Haut braucht Zeit, um sich an die Sonne zu gewöhnen, erklärt Rewitzer. Vorgebräunte Haut habe eine eigene Barriere aufgebaut und der Eigenschutz sei daher höher als bei sonnenentwöhnter Haut. Bübl warnt, dass es aber auch im Schatten eine Streustrahlung gebe, die nicht zu unterschätzen sei.
Auch die Netzhaut kann von Hautkrebs betroffen sein
Der Hautarzt erklärt, dass zwischen dem schwarzen und dem weißen Hautkrebs unterschieden wird. Der schwarze Hautkrebs, auch Melanom genannt, sei seltener, aber gefährlicher. Der weiße Hautkrebs sei hingegen häufiger und weniger gefährlich. Aber auch dieser kann unbehandelt gefährlich werden.
„Es kann sich auch Hautkrebs auf der Netzhaut bilden“, sagt Bübl. In manchen Fällen müsse dann sogar das Auge herausgenommen werden. Eine Sonnenbrille mit UV-Filter könne das Auge vor schädlicher Strahlung schützen.
Vitamin D bilden – Medikamente haben Einfluss auf die Haut
Eines dürfe aber nicht vergessen werden: Sonne ist wichtig, um Vitamin D zu bilden. „Zwischendrin dürfen die Arme oder das Gesicht auch mal fünf Minuten ohne Schutz bestrahlt werden“, sagt Rewitzer. Denn diese kurze Zeit reiche aus, um das Vitamin zu bilden. Bübl hingegen rät, Vitamin D durch Nahrung und Präparate zu ergänzen.
Vorsicht sei auch bei der Einnahme von Arzneimitteln geboten, denn diese haben einen Einfluss auf die Haut. Medikamente gegen Bluthochdruck, Antibiotika oder Psychopharmaka können die Sonnenempfindlichkeit erhöhen, aber auch freiverkäufliche Arzneimittel, wie etwa Johanniskraut, sind laut der Apothekerin nicht zu unterschätzen. „Wer Medikamente einnimmt, sollte sich in der Apotheke zum Sonnenschutz individuell beraten lassen“, betont Rewitzer.
Was tun bei Sonnenbrand?
Die Haut sei nach dem Sonnen gestresst, eine After Sun Lotion könne Linderung schaffen. Und wenn es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Sonnenbrand gekommen ist, sollen die betroffenen Stellen gekühlt, mit einem Präparat für Sonnenbrand behandelt und die Sonne ganz gemieden werden.
Darauf sollte geachtet werden
Lichtschutzfaktor: Der Lichtschutzfaktor (LSF) gibt an, wie viel länger eine Person nach dem Auftragen in der Sonne sein kann, ohne einen Sonnenbrand zu erleiden. Multipliziert man den LSF mit der Eigenschutzzeit erhält man die Zeit, in der man sich gefahrenlos in der Sonne aufhalten kann. Die Eigenschutzzeit variiert ja Hauttyp. Bübl steht dieser Berechnung kritisch gegenüber, da noch weitere Faktoren eine Rolle spielen.
UVA-Strahlen: Die langwelligen UVA-Strahlen dringen tief in die Haut ein. Daher begünstigen diese frühzeitige Hautalterung und Langzeitschäden der Haut. Durch UVA-Strahlen kann Hautkrebs entstehen. Die UVA-Strahlen sind durch das tiefere Eindringen gefährlicher als die UVB-Strahlen.
UVB-Strahlen: Die kurzwelligen UVB-Strahlen sind für die Bräunung der Haut und für eher kurzfristige Schädigungen wie Sonnenbrände verantwortlich. UVB-Strahlen können ebenfalls Hautkrebs auslösen.
Hautkrebshäufigkeit: Laut Rewitzer steigt die Hautkrebshäufigkeit weiter an. Alle zehn bis 15Jahre habe sich die Zahl verdoppelt. Sie vermutet aber auch, dass das Bewusstsein der Leute deutlich höher sei und deshalb mehr Fälle diagnostiziert werden. Rewitzer spürt auch in ihrer Apotheke einen deutlichen Zuwachs an Patienten mit Hautkrebs. Bübl hingegen denkt nicht, dass es am stärkeren Bewusstsein liegt. Laut ihm trägt die Atmosphäre und die verschlechterte Ozonschicht dazu bei, dass die Zahl an Hautkrebspatienten steigt. Auch der Hautarzt nimmt einen starken Zuwachs wahr.