Raphael aus Treffelstein trennt sich von 40 Zentimetern und spendet Haare für krebskranke Kinder

„Mein Junior hat es durchgezogen…; 40 Zentimeter lange Haare für eine Perücke für ein krebskrankes Kind. Jahrelanges Mobbing durch dumme Sprüche und die Betitelung „junge Dame“. Mein Respekt für das Durchhaltevermögen!“ Das schreibt die Treffelsteiner Friseurin Tanja Maier auf Facebook über ihren Sohn Raphael. Wir haben nachgefragt, wie es dazu kam.
Zwei Tage später sitzen wir uns im Wellness-Friseursalon am Silberseeweg in Treffelstein gegenüber: der bald 13-jährige Raphael und seine Mutter Tanja Maier. „Ich will einem krebskranken Kind helfen“, begründet Raphael in der typisch einsilbigen Art eines fast 13-Jährigen.
Als der Reporter etwas irritiert nachfragt, dass das doch nicht der Grund für das Wachsenlassen der Haare gewesen sein könne, kommt Mutter Tanja zu Hilfe. Das sei tatsächlich der Grund gewesen. Raphael sei in der 2. Klasse gewesen, als er ein Video gesehen habe, in dem sich jemand die Haare abrasiert habe, um sie einem Mädchen zu geben, das wegen einer Krebstherapie keine Haare mehr hatte. Das habe ihn so fasziniert, dass er beschlossen habe, seine Haare wachsen zu lassen, um sie später zu spenden, so Tanja Maier.
37 Zentimeter lange Strähnen
37 Zentimeter sind die Haare lang, die in kleinen Bündeln neben Raphael auf dem kleinen Frisiertisch liegen. Die sollen jetzt einer österreichischen Organisation zugeschickt werden, die sich um Perücken für krebskranke Kinder kümmert, erklärt Tanja Maier. Als Fachfrau weiß sie, wie teuer solche Echthaarperücken normalerweise sind. Der Wiener Verein Die Haarspender schreibt auf seine Homepage zur Erklärung: „Die günstigeren Kunsthaar-Perücken, die über die Krankenkassen leistbar wären, bieten keinen guten Tragekomfort, sind oft als Perücke erkennbar (vergleichbar mit Puppenhaar) und verbessern die Situation meist nicht. Unsere Perücken sind kostenlos verfügbar für alle bedürftigen Kinder in Deutschland, Österreich, Schweiz und Ungarn.“
Für eine Perücke sollten die Haare mindestens 30 Zentimeter lang sein und gut gepflegt und möglichst wenig gefärbt, erklärt die Fachfrau. Die Friseurin deutet auf ihre roten Haare und sagt: „Bei mir ginge das nicht.“ Die Haare ihres Sohnes hätten jede Woche eine Kur bekommen und wären auch immer wieder etwas geschnitten worden. Die 37 Zentimeter seien das Wachstum von vier Jahren.
Einen besonderen Wunsch, wer seine Haare bekommen soll, hat Raphael nicht. „Ein Kind“, sagt er und gibt zu verstehen, dass nur das wichtig sei. Und wie er sich jetzt fühle, wo seine Haare weg sind? „Froh und stolz“, sagt er . Zusammen mit seiner Mutter erklärt er dann, dass er froh sei, wieder kurze Haare zu haben und stolz darauf, so lange durchgehalten zu haben. Er werde sich jetzt keine langen Haare mehr wachsen lassen.
Dass die Zeit mit langen Haaren für Raphael nicht einfach gewesen sei, macht Tanja Maier deutlich. Ihr Sohn sei wegen der langen Haare gemobbt worden. Deswegen habe er vor der Kommunion auch den Versuch sich die Haare lang wachsen zu lassen abgebrochen und danach es noch einmal probiert, sagt Maier.
Er sei von Erwachsenen wie von Gleichaltrigen immer wieder als „Mädchen“ tituliert worden. Er sei damit aufgezogen worden. Das habe ihn gestört, erzählt Raphael. Tanja Maier ärgert sich über die Intoleranz. Für ein Mädchen sei es ganz normal, auch kurze Haare zu tragen, warum nicht auch für einen Jungen, lange Haare zu tragen?, fragt sie. Aber es habe auch gute Erlebnisse gegeben, sagte sie und Raphael schildert, dass er sich gefreut habe, wenn Lehrer oder Lehrerinnen gesagt hätten, er habe „schöne Haare“, und einer habe ihm erklärt, dass er die langen Haare „cool“ finde, weil er früher auch lange Haare hatte. Trotzdem findet Raphael seine kurzen Haare jetzt auch „cool“. Er habe die neue Kurzhaarfrisur als Erstes seinem Vater gezeigt, sagt Raphael. Denn er sei mit den langen Haaren nicht so glücklich gewesen.
Am Wochenende Karate
Am Wochenende hat Raphael seinen ersten großen öffentlichen Auftritt mit kurzen Haaren. Als Karatesportler ist er das erste Mal mit kurzen Haaren bei einem Wettkampf, der Oberpfalzmeisterschaft in Vohenstrauß. Friseurin Tanja Maier findet es fast schade, dass die langen Haare fehlen, denn für die Wettkämpfe habe sie ihren Sohn immer besonders gestylt: „Als Wikinger zum Beispiel“, mit bunten Strähnen in den Haaren. Das gehe jetzt nicht mehr. Einmal habe er schon eine Bronzemedaille bekommen, erzählt Raphael. Und natürlich hofft er, dass er wieder ein Erfolgserlebnis hat.
