Jeanne Jarry (19): Ein Hauch Frankreich in Waldmünchen

Von Petra Schoplocher · 15. Mai 2024 um 11:00

Dieser Gang ins Rathaus von Combourg hat sich wahrlich gelohnt. An das hatte sich Jeanne Jarry gewandt, auf der Suche nach einer sinnvollen Aufgabe, ehe sie ihr Studium aufnimmt. Es folgten: eine Antwort, eine Idee, eine Portion Mut, bereichende Begegnungen und ein ganz neues Sprachgefühl. Kurz zusammengefasst eine wunderbare Zeit nicht nur für sie.

Die Auskunft seinerzeit lautete: Warum nicht Waldmünchen? Ja, warum eigentlich nicht, dachte sich wenig später auch die junge Combourgerin, schließlich hatte sie eine Zeit lang Deutsch an der Schule. Kurzerhand beschloss sie, die vermittelten Kontakte zu nutzen, um sich nach einem Bewerbungsgespräch als Praktikantin an der Jugendbildungsstätte (Jubi) wiederzufinden.

Unter die Fittiche genommen hat sie da Lena Rüger, ihr dort auch ein Zimmer verschafft. Einen Combourg- oder Frankreich-Bonus gab es für die 19-Jährige nicht. „Sie hat all das erledigt, was im Bundesfreiwilligendienst anfällt“, erklärt die Bildungsreferentin. Das bedeutet in erster Linie Gästebetreuung. Stolz verraten beide, dass Jeanne die Nachmittags-Öffnungszeiten der Rezeption alleine gestemmt hat.

Kreativ beholfen

„Wenn ich was nicht verstanden habe, habe ich es aufschreiben lassen und mich erkundigt“, erzählt die junge Frau . Was ihr noch öfter „passiert“ ist. Sie wusste, konnte aber die Antwort nicht formulieren. „Alle waren verständnisvoll“, lächelt sie.

Dafür, dass sie mit sehr geringen Sprachkenntnissen angereist war, „schlug sie sich erstaunlich“, lobt Lena Rüger, die im Namen aller, die mit Jeanne zu tun hatten, nur sagen kann: „Sie war super.“ Von Anfang an selbstständig und hat anderen Abeit abgenommen, ergänzt die Leiterin der Umweltstation, die froh ist um die Unterstützung aus Frankreich. „Wir haben etliche freie Stellen“, an der Grenze zu Personalsorgen. So ist das Freiwillige Ökologische Jahr unbesetzt.

Was nichts heißt, die Nachfrage unterliegt offenbar einem Wellenprinzip, mutmaßt Rüger. Sie kann nur raten, zumindest frühzeitig eine Interessensbekundung abzugeben, um im Austausch dann die ideale Stelle – mittlerweile ist auch ein duales Studium möglich – zu finden. Wichtig ist der Bildungsreferentin der Hinweis auf die Niederschwelligkeit der Angebote. Immer wieder höre sie, dass man nur mit Abitur kommen dürfe. „Quatsch!“, tritt Lena Rüger dem vehement entgegen.

Jeanne kann einen Einsatz an der Jubi nur empfehlen und das bestätigen, was das Haus als Maxime für „ihre“ Freiwilligen ausgibt. „Wir wollen auf sie eingehen.“ Eine Philosophie, die beinhaltet, jedem zu den Kernaufgaben das Hineinschnuppern in die Bereiche zu ermöglichen, die sie besonders interessieren. Für die einen ist das Haustechnik, für andere die Küche.

Essen ist bei Franzosen immer ein Thema. „Anders, aber gut“, lächelt Jeanne verschwörerisch. Mehr noch als der Geschmack ist die Uhrzeit ungewohnt. Vor 20 Uhr würde kein Bretone ernsthaft ans Abendessen denken...

Auf andere Art auf den Geschmack gekommen ist die junge Französin in Sachen Natur. „Ich gehe viel und gerne spazieren“, verrät sie. Neben Lesen und „Geschichte lernen“ eine der Leidenschaften, die sie während ihres Gastaufenthalts neben Filme und Fernsehen schauen in der für sie fremden Sprache pflegt.

Ein Riesenkompliment

„Entlassen“ wird sie mit dem wohl schönsten aller Komplimente: „Es war toll mit ihr“, schwärmt Melanie Schmid vom Tourismusbüro der Stadt. Das Rathaus war die zweite Station der 19-Jährigen, wenn auch die weitaus kürzere. Interessant war es für Jeanne dennoch, half sie doch unter anderem bei den Vorbereitungen zur Europawahl.

„Und sie hat Waldmünchen bekannt gemacht“, lächelt Schmid mit Hinweis auf die unzähligen Prospektpakete, die die Praktikantin für Urlaubsinteressenten zusammengestellt hat. Darüber hinaus war Jeanne – die in den Tagen im Rathaus ihren 19. Geburtstag feierte – noch in deutsch-französischer Mission unterwegs. Als Mutter- und Vatertagsaktion gibt es Karten für das Theaterstück „Monsieur Chateaubriands letzte Reise“ im Geschenkset. Die galt es hübsch herzurichten.

Die enge Verbindung zwischen Waldmünchen und Combourg zeigt der Besuch von Céline Dorel, die in erster Linie angereist ist, um Jeanne nach Hause zu begleiten. Nach der Rückkehr wird Jeanne erst einmal mit einer Freundin Urlaub machen, ehe sie in Bruz, rund 15 Kilometer südlich von Rennes, der Hauptstadt der Bretagne, ihr Geschichtsstudium aufnimmt.

Gleichwohl ist der mehr als einwöchige Besuch der Partnerschaftskommittee-Vorsitzenden mehr: Dorel möchte – wie ihre „Co‘s“ auf deutscher Seite – die Bedeutung von Initiativen wie der Jeannes‘ herausstellen. Genau die sind es (auch), die den Wert ausmachen, die nachhaltig wirken, weil sie unschätzbare Bande knüpfen.

Und Kreise ziehen, im besten Sinn auch in Jeannes Fall. Ihre Familie hatte bis zu deren Entschluss, nach Waldmünchen zu gehen, allenfalls vage von der Städtepartnerschaft gehört. Sie ließen sich ein und mitreißen, besuchten ihre Tochter kürzlich. „Sie waren sehr angetan“, berichtet die Tochter.

Die hatte mit Céline Dorel sogar noch einen „Auftritt“ beim Französisch-Stammtisch von Martina Mathes. Themen waren schnell gefunden, der Austausch herzlich und erfrischend. „Ich komme wieder“, sicherte die junge Frau zu. Was aus einem Rathausbesuch alles erwachsen kann.

Auf Zeit arbeiten an der Jugendbildungsstätte

Jugendwochen: Stichwort Europa. Auch für die Ableistung eines sechs- oder zwölfmonatigen Europäischen Freiwilligendienstes ist die Jugendbildungsstätte zugelassen. Beginn dafür ist in der Regel der 1. September, Ausnahmen sind aber möglich.

Bildung: Bereits angelaufen ist die Bewerbungsfrist für die Freiwilligen Sozialen Ökologischen und Sozialen Jahre (FÖJ/FSJ), die im September starten.

Flexibel: Ein monatlicher Start ist für den Bundesfreiwilligendienst (BFD) in den Bereichen Haustechnik, Hauswirtschaft und Gästebetreuung möglich.

Ausbildung: Zum 1. August bietet die Jubi zudem einen Ausbildungsplatz für Koch oder Köchin oder Hauswirtschafter/in an

Praktika: Offen steht die Jubi für Praktika nicht nur Pädagogik-Studenten. Auch in die Bereiche Haustechnik, Gästebetreuung und Küche wird gerne Einblick gewährt.

Dauerläufer: Immer gesucht werden Honorarkräfte, die bei den eigenen Seminaren zu unterschiedlichsten Themen helfen und idealerweise eine pädagogische Vorbildung mitbringen.

Kontakt: Genauere Informationen gibt es auf der Hompage www.jugendbildungsstaette.org. Die Mailadresse für Anfragen lautet: bewerbung@ jugendbildungsstaette.org.

Arbeitsplatz eins: Jeanne Jarry mit Anleiterin Lena Rüger (rechts) und Mitarbeiterin Clarissa Piendl, die die junge Französin in die Mitte nahmen.
„Klebstoff“ Chateaubriand: Nach den Wochen an der Jubi schnupperte Jeanne noch Rathaus-Luft, vorwiegend im Tourismusbüro bei und mit Manuela Schmid, und bewarb das Theaterstück.