Kelheims Orgelmuseum steht vor dem Aus: Kirche hat Förderverein gekündigt

Eine neue Eskalationsstufe hat der Streit um das Orgelmuseum zwischen dem Förderverein unter Vorsitzendem Christian Hopfner und der Kirchenstiftung unter Pfarrer Reinhard Röhrner erreicht: Röhrner sprach dem Verein die Kündigung aus. Der kündigt Widerstand an.
Mit „sofortiger Wirkung“ hat die Pfarrkirchenstiftung Mariä Himmelfahrt dem Förderverein des Kelheimer Orgelmuseums das Nutzungsrecht gekündigt. Ein entsprechendes Schreiben der Anwaltskanzlei der Kirchenstiftung wurde dem Verein am 8.Mai zugestellt. Eine Kopie liegt unserer Redaktion vor.
Der Verein unter dem Vorsitzenden Christian Hopfner hat der Kündigung in einem auf den 16. Mai datierten Schreiben widersprochen. Stadtpfarrer Reinhard Röhrner kündigt „juristische Schritte“ an.
Aus Röhrners Sicht ist das Orgelmuseum „in dieser Form Geschichte“. Hopfner kündigt an, „jetzt erst recht“ für dessen Erhalt zu kämpfen – Röhrner verhalte sich wie der „Totengräber des Orgelmuseums“.
• Wie ist es zu diesem Zerwürfnis gekommen? Mit dem Rauswurf des Vereins hat der Streit um das Orgelmuseum eine neue Eskalationsstufe erreicht. Das Zerwürfnis hatte sich bereits im vergangenen Jahr angedeutet. Wegen Streitigkeiten mit der Kirchenstiftung gab es Rücktritte in der Vorstandschaft des Orgelvereins. Die Wahl einer neuen Vorstandschaft unter Christian Hopfner im Herbst 2023 brachte nicht den erhofften Neustart.
Einmal, kurz nach Hopfners Wahl, kam es zu einem Vieraugen-Gespräch zwischen Röhrner und Hopfner. Dieses verlief nach Aussage beider Parteien desaströs. Das ist so ziemlich das Einzige, worin sich die beiden Männer einig sind, wie in Gesprächen deutlich wird.
• Welche Streitpunkte gab es? In einer Reihe von Sachfragen konnten Kirchenstiftung und Verein sich nicht einig werden. So zog der Verein im November 2023 wegen der Verweigerung von Schlüsseln gegen die Kirchenstiftung vor Gericht, es kam zum Vergleich. Kontrovers ging es auch bei Fragen zum Brandschutz zu.
Ein zentraler Streitpunkt war zudem eine Nutzungsvereinbarung zwischen Verein und Kirchenstiftung als Eigentümerin der Liegenschaften. Darin hätten beispielsweise finanzielle Fragen und Details zu Nutzungsrechten geklärt werden sollen. Einen Entwurf der Kirchenstiftung lehnte der Verein im Frühjahr 2024 ab und antwortete mit einem Gegenentwurf. Beide Entwürfe liegen unserer Zeitung vor. Unterschiede gibt es unter anderem bei der Frage, wie lange im Voraus Gottesdienste beziehungsweise Konzerte der jeweils anderen Seite gemeldet werden müssen. Für jede Seite ist der Entwurf der jeweils anderen inakzeptabel. Zu einer Einigung kam es nicht.
• Gab es weitere Konflikte? Beide Parteien, insbesondere Hopfner und Röhrner, werfen sich gegenseitig eine Vielzahl von Kränkungen, Anschuldigungen und mangelhafte Umgangsformen vor. Man sei nicht informiert worden, man habe keine Antwort bekommen, dieser habe jenes falsch dargestellt und so weiter. Die Abfolge von Streitigkeiten können beide Männer teils minutiös schildern. In Sachfragen haben sie vielfach völlig gegensätzliche Auffassungen. Etwa: Handelt es sich bei der Franziskanerkirche noch um ein geweihtes Gotteshaus? Ja, sagt Röhrner. Nein, sagt Hopfner.
Zudem beschloss der Verein im April zwei Satzungsänderungen, was die Kirchenstiftung im Kündigungsschreiben als „extrem feindseligen Akt“ bezeichnet: Das Vereinsvermögen soll im Fall einer Auflösung nicht mehr automatisch an die Kirchenstiftung fallen und Röhrner wurde von seinem Sitz im Vereinsvorstand entfernt. Dieser stand ihm als Vertreter der Kirchenverwaltung zu.
Laut Hopfner wurden diese Änderungen mittlerweile vom zuständigen Registergericht bestätigt. Man wollte nicht, dass man Röhrner zu Vorstandssitzungen einladen und über diese informieren müsse, um störungsfrei arbeiten zu können, sagte Hopfner der MZ. Außerdem wolle man nicht, dass das Vereinsvermögen automatisch an jemanden falle, „der uns so Steine in den Weg legt“.
• Wie wird die Kündigung begründet? Die Kirchenstiftung schildert in dem sechsseitigen Schreiben die Streitigkeiten aus ihrer Sicht. Fazit: Der „notwendige gegenseitige Respekt“ und das Vertrauen seien zerstört und eine weitere Zusammenarbeit in dieser Form sei „nicht mehr zumutbar“. Röhrner sagt, dass die Kündigung aus Sachgründen und nicht aufgrund persönlicher Kränkungen ausgesprochen worden sei.
Im Widerspruchsschreiben des Vereins nimmt dieser umfassend zu der Begründung der Kündigung Stellung und zieht dieses Fazit: „Die von Ihnen ausgesprochene Kündigung ist unberechtigt, die angeführten Kündigungsgründe sind unzutreffend.“
• Wie geht es weiter? Laut der Kündigung hat der Verein die Räumlichkeiten in der Franziskanerkirche unverzüglich, spätestens aber bis 16. Juni, zu räumen. Hopfner hingegen will das Orgelmuseum ab Juni an Wochenenden und Feiertagen im Notbetrieb öffnen. Am 1. Juni soll zudem ein Konzert stattfinden.Wegen der Kündigung will er zeitnah eine Sitzung des Vorstandes anberaumen und anschließend die Vereinsmitglieder informieren. Röhrner sagt, man werde nun die Auslauffrist verstreichen lassen und dann wohl juristische Schritte einleiten. Die Franziskanerkirche soll weiterhin von der Stadtpfarrei für Kulturveranstaltungen genutzt werden.
• Welche Fragen sind noch offen? Sollte es zum Aus für das Orgelmuseum in seiner jetzigen Form kommen, sind zahlreiche Fragen zu klären. Unklar ist beispielsweise, wem die fünf Orgeln gehören. Laut Röhrner sind die Eigentumsverhältnisse teils unklar, der Verein habe versäumt, diese zu klären. Auch hier ist Hopfner entgegengesetzter Auffassung: Die Orgeln gehörten dem Verein.
• Was sagt die Stadt Kelheim?Bürgermeister Christian Schweiger (CSU) will zeitnah im Stadtrat ein Meinungsbild einholen. Die Stadt hatte den Verein ab 2021 über zwei Jahre mit je 19.000 Euro unterstützt. Eine vom Verein gewünschte Integration in die städtische Museenlandschaft wurde abgelehnt, die Stadt sah zu viele Risiken. Schweiger bleibt bei dieser Linie: Die Thematik Orgelmuseum sei privatwirtschaftlich zu regeln. Persönlich bedauere er, dass es zu dieser Entwicklung gekommen ist. Schweiger: „Das Orgelmuseum ist für die Stadt Kelheim eine wichtige Kulturinstitution. Vor allem die Concertinos möchte ich hervorheben.“

