Opfer von Trickbetrügern: Senior kommt in Regensburg mit Goldmünzen zum Gericht

Von André Baumgarten · 16. Mai 2024 um 19:00

Profi-Banden machen der Justiz aktuell Sorgen: Immer wieder sind Callcenter-Betrüger in Regensburg aktiv – Beute machten sie in zwei Fällen aber nicht. Auch Dank aufmerksamer Wachtmeister im Justizgebäude an der Augustenstraße.

Warnungen vor Trickbetrug am Telefon gibt es fast wöchentlich. Wird ein Anruf bekannt, geht die Polizei an die Öffentlichkeit und mahnt zu Vorsicht. So werden immer wieder Abholer der organisierten Banden gefasst. Doch noch immer fallen regelmäßig auch in Regensburg Menschen darauf rein. Auch die Regensburger Justiz warnt ganz aktuell.

Gleich zwei ähnlich gelagerte Vorfälle geben im Land- und Amtsgericht Anlass zur Sorge: Eine Frau und ein betagter Senior waren zuletzt ins Justizgebäude gekommen – mit Goldmünzen und viel Bargeld im Gepäck. Beiden war von Betrügern wohl vorgegaukelt worden, nahen Angehörigen drohe Haft und es wäre dringend eine Kaution nötig. Es waren offenbar glückliche Zufälle, dass die Täter keine Beute machten.

Mit der Frau hatten die Betrüger eigentlich die Übergabe in der Altstadt vereinbart. Dazu kam es aber nicht: Die unter 50-Jährige wandte sich deshalb am Mittwochnachmittag an die Pforte des Amtsgerichts, wo sie ihre Tochter vermutete. So hatten es die Trickbetrüger am Telefon behauptet. Als die Frau nach dem Hinweis der Wachtmeister ihre Tochter anrief, klärte sich alles auf – der Dame war das Ganze furchtbar peinlich. Doch die geschätzt rund 15.000 Euro, die sie hätte bezahlen wollen, verlor sie nicht.

Landgerichtssprecherin Koller warnt

Was der Frau und vielen anderen am Telefon erzählt wird, ist frei erfunden: „Gericht, Staatsanwaltschaft und Polizei verlangen keine Bargeldübergaben, insbesondere nicht telefonisch“, betont Landgerichtssprecherin Ruth Koller. Sie bestätigte die Vorfälle am Justizgebäude. So etwas wie Kaution gebe es nur ganz selten – und sie werde niemals in bar fällig oder vor dem Gebäude angenommen. Wie Koller sagte, hätten Wachtmeister in einem zweiten Fall verhindert, dass wertvolle Goldmünzen in die Hände der Betrüger geraten.

Erst vor gut zwei Wochen hatte sich ein älterer Herr bei Wachtmeistern im Sitzungsgebäude gemeldet – und nachgefragt, wem er seine Goldmünzen denn geben müsse. Auch dieser Mann dürfte sich damit nicht ganz an die Vorgaben der Täter gehalten haben. Die hatten ihn offenbar direkt vor das Sitzungsgebäude bestellt und gingen ein nicht geringes Risiko ein: Beide Eingänge zur Justiz sind videoüberwacht.

51.000 Euro vorm Amtsgericht übergeben

Doch das passiert nicht das erste Mal: Im Februar 2022 hatte eine damals 64-Jährige in Regensburg ein Vermögen verloren. Sie übergab auf dem Gehweg vorm Amtsgericht 51.000 Euro an eine Abholerin. Die hatte sich womöglich bewusst außerhalb der Sichtachse der Kamera aufgehalten. Landgerichtssprecherin Koller wiederholt, was die Polizei rät: „Sobald man telefonisch aufgefordert wird, Bargeld oder sonstige Wertgegenstände zu übergeben, muss man misstrauisch werden.“ Im Zweifel sollte man stets direkt bei den Behörden nachfragen – und sich niemals verbinden lassen, sondern den Hörer aufzulegen und den Polizei-Notruf 110 zu wählen.

Die Hinterleute der Callcenter-Banden sitzen meist im Ausland und nutzen sogar modernste Technologien. Die Maschen, mit denen sie Millionen machen, ähneln sich: Sie geben sich als Kind oder Enkel in Not, als Polizist, Richter oder Staatsanwälte aus – doch nichts von edem, was sie sagen, ist wahr.