Pflegeheim-Ermittlungen in Furth im Wald: Ermittler öffnen ein weiteres Grab

Aufregung herrschte am Mittwochmorgen in Ränkam im Landkreis Cham. Der Friedhof wurde gesperrt und von der Polizei abgeriegelt. Was dort vorging, steht im Zusammenhang mit einem Fall, in dem derzeit drei Personen in Untersuchungshaft sitzen.
Wer an diesem Vormittag das Ortsschild von Ränkam passiert, dem fällt zunächst nichts auf. Im Further Ortsteil ist alles ruhig. Erst wenn man in Richtung Friedhof abbiegt, fällt etwas auf: Auf dem Parkplatz parkt ein Streifenwagen, ein Polizist steht davor und hat die Umgebung im Blick.
Exhumierung im Ort bekannt
Der Eingang ist verschlossen, ein Schild hängt am Tor: „Friedhof gesperrt“. Auch dort steht ein Polizeibeamter und sorgt dafür, dass das Verbot eingehalten wird. Ein Blick hinein auf das Friedhofsgelände offenbart ein oder mehrere Fahrzeuge und Personen, die dort stehen, mutmaßlich auch eine Sichtschutzwand. Mehr ist beim flüchtigen Hinsehen nicht zu erkennen. Was dort drinnen passiert, darf der Polizeibeamte nicht sagen, nur so viel, dass die Aktion wohl noch bis in die Mittagsstunden andauern wird. Natürlich ist aber längst klar, was dort gerade passiert. Eine Leiche wird exhumiert.
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Thomas Roßmann, Stadtrat und Ränkamer, sagt, dass die Neuigkeit im Ort schon die Runde gemacht hat. „Aber nicht lautstark, eher unterschwellig.“ Allgemein herrsche aber Entsetzten, dass Menschen, wie dem exhumierten Mann einmal etwas schreckliches zugestoßen sein könnte.
Was Roßmann damit meint: Insgesamt drei Personen einer Pflegeeinrichtung in Furth im Wald sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen eine 54-jährige Pflegerin und den 38-jährigen Leiter der Einrichtung erwirkt. Eine weitere 50-jährige leitende Angestellte wurde später aufgrund eines Haftbefehls der Staatsanwaltschaft Regensburg ebenfalls in U-Haft genommen (wir berichteten). Im Zuge der Ermittlungen gegen die dritte Person wurde bereits vor einiger Zeit eine männliche Leiche exhumiert und nach Spuren von Fentanyl untersucht.
Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher: „Bei der chemisch-toxikologischen Untersuchung wurden keine Hinweise auf Fentanyl nachgewiesen.“ Allerdings habe sich der Leichnam in einem sehr schlechten Zustand befunden, so dass nicht zwingend auszuschließen sei, dass Fentanyl zum Einsatz kam. Aber, so Rauscher auf weitere Nachfrage, es gebe weitere hinreichende Hinweise. Die haben die Ermittler jetzt offensichtlich zum Friedhof in Ränkam geführt. Pfarrer Karl-Heinz Seidl kann sich zu den Vorgängen nicht äußern: „Der Friedhof gehört der Stadt Furth im Wald.“ Er selbst sei außen vor, er ist lediglich dann zur Stelle, wenn nach Abschluss der Obduktion im Rahmen einer erneuten Beerdigung geistlicher Beistand gewünscht ist. „Dann spreche ich einige Gebete am Grab.“
Furths Ordnungsamtsleiter Toni Lauerer sagt, dass die Stadt Furth im Wald lediglich von der Kriminalpolizei über diesen Vorgang informiert worden ist. „Eine rechtliche Handhabe gibt es da unsererseits nicht, weil es eine richterliche Anordnung war.“ Er hat vom Kripo-Beamten außerdem die Information erhalten, dass das auch für Angehörige gelte.
Moritz Büchele, Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft, bestätigt die Exhumierung natürlich, zu verbergen war sie ohnehin nicht. Der Sprecher bestätigt auch, dass es sich beim Leichnam um die sterblichen Überreste eines Handwerksmeisters handelt, der bereits 2018 verstorben ist. Doch wie kann das sein, nachdem bekannt wurde, dass ein erst kürzlich exhumierter Leichnam in so verwestem Zustand war, dass der Nachweis von Fentanyl nicht mehr als Todesursache festgestellt werden konnte?
Keine weitere Exhumierung
„Der Leichnam war in einem deutlich besseren Zustand“, sagte Büchele zu dieser Zeitung. „Man weiß vorher nie, in welchem Zustand die menschlichen Überreste sind und auch nicht, ob man etwas nachweisen kann.“ Nach derzeitigem Stand plant die Staatsanwaltschaft aber keine weiteren Exhumierungen mehr. Im Laufe der Polizeilichen Ermittlungen hätten sich weitere Verdachtsfälle ergeben, sagt der Sprecher. Deshalb sei man auf den nun Exhumierten aufmerksam geworden. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte sich der Sprecher dazu nicht weiter äußern. Er rechnet aber mit einem Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchung in der kommenden Woche.
Die drei inhaftierten Beschuldigten werden von den Regensburger Strafverteidigern Michael Haizmann, Jörg Meyer und Philipp Pruy vertreten. Auf Nachfrage zu der am Mittwoch bekannt gewordenen Exhumierung teilten die Anwälte in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass zunächst auf das Obduktionsergebnis gewartet werden muss, bevor Schlüsse gezogen werden. Dabei verwiesen die Verteidiger auf das in dieser Woche bekannt gewordene Obduktionsergebnis des im März exhumierten Verstorbenen, welches keinen Nachweis von nicht verordneten Medikamenten erbrachte. Laut Staatsanwaltschaft wurden die Angehörigen über die Exhumierung im Vorfeld informiert. Die sterblichen Überreste des Mannes würden am Donnerstag auch wieder bestattet, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Nun ein zweites Mal.
Wie berichtet, sind die Ermittler durch eine Pflegemitarbeiterin aus dem Heim auf den Sachverhalt aufmerksam geworden. Diese hatte beim Besuch ihres Lebensgefährten in einer Justizvollzugsanstalt behauptet, dass eine 93-jährige Heimbewohnerin durch Fentanyl getötet worden sei. Es gilt für die drei Heimmitarbeiter bis zu einem möglichen Urteil die Unschuldsvermutung.
Was ist Fentanyl?
Fentanyl ist ein hochpotentes, synthetisches Schmerzmittel, das sich in seinen pharmakologische Eigenschaften vom Morphin ableitet und damit zu den Opioiden zählt. Im Vergleich zum Bezugsstoff Morphium weist das Fentanyl eine etwa 100-fache Wirkstärke auf.
Darreichung: Es gibt verschiedene Darreichungsformen, unter anderem auch als Pflaster, das über die Haut den Wirkstoff abgibt. Das Fentanyl unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz, muss über ein spezielles Rezept verordnet werden.
Quelle: doccheck