Mode-Ära in Schwandorf geht zu Ende: Claudia’s Fashion Corner sperrt im Dezember zu

Im Januar und Februar hat sie noch die aktuelle Herbst- und Wintermode geordert, doch es war das letzte Mal: Nach 41 Jahren im Einzelhandel will Claudia Bruckner Ende 2024 ihr Geschäft schließen. Dann wird „Claudia’s Fashion Corner“ an der Ecke von Breite und Rathausstraße in Schwandorf Geschichte sein.
Genau weiß sie es nicht, doch zumindest gefühlt ist Claudia Bruckner (60) so etwas wie Schwandorfs dienstälteste Einzelhändlerin. Wenn im Dezember die Ladentüren zugehen, wird sie auf mehr als 41Jahre Selbstständigkeit zurückblicken – „das halbe Leben“, wie sie sagt. In dieser Zeit waren Freizeit und Urlaub fast wie ein Luxus, 50- oder 60-Stunden-Wochen normal. „Ich arbeite leidenschaftlich gerne“, sagt sie auch heute noch. Aber nun findet sie es an der Zeit, sich ins Privatleben zurückzuziehen.
Angefangen als Seiteneinsteigerin
Angefangen hat Claudia Bruckner als Seiteneinsteigerin. Zunächst ging sie von Schwandorf nach Regensburg und von da nach München, als Zahnarzthelferin. Obwohl ihre Tätigkeit völlig anders geartet war, sieht sie die drei Jahre in der Landeshauptstadt als wichtige Lehrzeit an. „Ich habe viel gelernt über Lebenseinstellungen und Lebensart. Ich habe gelernt, die Menschen einzuschätzen, von der Freifrau bis zu ganz normalen Leuten“. Das habe ihr später auch im Verkauf geholfen – ganz ohne Ausbildung.
Der Wechsel in die Selbstständigkeit kam nicht von ungefähr. „Meine Oma hatte ein Geschäft – Betten Peltzer an der Dr.-Martin-Luther-Straße“, erzählt Claudia Bruckner. Da konnte sie schon früh in die besondere Atmosphäre im Einzelhandel hineinschnuppern. Es hat ihr gefallen.
So kam Carlo Colucci nach Schwandorf
Als sie am 4.März 1983 im Naab-Parkhaus ihr „Jeans Corner“ eröffnete, war es trotzdem ein Sprung ins kalte Wasser. Die allererste Einrichtung war Marke Eigenbau, der Laden gerade einmal 64 Quadratmeter groß und der Standort nicht unbedingt erste Wahl. „Aber ich habe Carlo Colucci nach Schwandorf gebracht“, sagt die Einzelhändlerin stolz.
Die von einem fränkischen Unternehmen in den 70er Jahren kreierte Marke ist nicht untypisch für Bruckners Geschäftsmodell: „Ich habe schon immer auf Qualität geachtet, viel mit deutschen und europäischen Firmen gemacht. EU, nicht Fernost, war meine Devise.“ Ihr Sortiment beschreibt sie als „Mode für Junge und Junggebliebene, mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis“. Besonders wichtig ist ihr eine persönliche und ehrliche Beratung.
Kunden kommen bis aus München
Diese Philosophie hat der Inhaberin nach eigenen Worten geholfen, einen Kundenstamm von Schwandorf über Amberg-Sulzbach bis nach München oder Ingolstadt aufzubauen. Und dass sie für diese ihr Geschäft mitunter extra aufsperrt, hat sicher auch nicht geschadet. Inzwischen komme die Kundschaft zum Teil schon in der dritten Generation, sagt die Einzelhändlerin.
Vor 15 Jahren ist Claudia Bruckner mit ihrem Modegeschäft an die Ecke von Rathaus- und Breite Straße gezogen, in einen mehr als dreimal so großen Laden. Vom neuen Standort schwärmt sie immer noch: „Ich habe sieben Schaufenster. Und wenn die Autos langsam durch die kleine Straße fahren, dann hilft mir das schon.“ Als Blickfang wird deshalb in Claudia’s Fashion Corner „spätestens alle zehn Tage umdekoriert“. Inzwischen stellen im Geschäft auch verschiedene Hobbykünstler ihre Objekte aus und machen das Angebot so noch ein Stück bunter.
Online-Shop noch bis Mitte des Jahres
In den nächsten Monaten wird es nach den Worten der Inhaberin einen Abschied auf Raten geben: Zur Jahresmitte schließt die 60-Jährige erst einmal ihren Online-Shop, den sie in der Corona-Zeit ins Leben gerufen hat. Irgendwann im Dezember wird Claudia Bruckner dann das Geschäft in der Innenstadt zusperren. Die Händlerin hofft, dass sich bis dahin vielleicht ein Nachfolger findet, der die Mode-Tradition am Standort fortsetzt. „Ich würde dann auch für die Einarbeitung zur Verfügung stehen“, verspricht sie.
Und dann? So genau weiß die Geschäftsfrau das selbst noch nicht. Was später sein wird, lässt sie auf sich zukommen. Mehr Zeit für die Familie will sie haben – sonst gibt es keine großen Pläne. Aber es wird ein neuer Anfang sein.