Vom neuen Waffelcafé bis zur Erweiterung: In Schwandorfs Innenstadt werden Leerstände beseitigt

Von Hubert Heinzl · 19. April 2024 um 05:00

Frühlingsgefühle gibt es zurzeit nicht nur in den Parks und Grünanlagen, sondern auch in der Schwandorfer Innenstadt. Gleich einige Leerstände im Stadtzentrum füllen sich wieder mit Leben. Das zeigt ein kleiner Spaziergang von der Spitalkirche bis zum Wendelinplatz.

Station Nummer eins liegt im Kirndorfer-Anwesen an der Spitalstraße, nur einen Katzensprung von der Beer-Kreuzung entfernt. Bis Oktober 2022 gaben hier die Mitarbeiter der Schwandorfer Tafel Lebensmittel an Bedürftige aus, zuvor betrieb Peter Hartl in der ehemaligen Schlosserei eine kleine Verkaufsstätte und Werkstatt für Räder und Mopeds. Jetzt ist eine neue, diesmal gastronomische Nutzung in Sicht.

In den Räumen in der Nähe der Spitalkirche will sich Marion Weihrauch (44) ihren Traum von der Selbstständigkeit erfüllen. Zweieinhalb Jahrzehnte hat sie nach eigenen Worten in der Pflege gearbeitet, nun war es an der Zeit, umzusatteln. Entstehen soll ein Café, in dem es neben Kaffeespezialitäten und anderen Getränken vor allem Waffeln und Crêpes geben soll. Auf die Idee hat sie, nicht ganz zufällig, der jüngste Urlaub in Belgien gebracht.

„Sweet Dreams“ soll das Kaffeehaus heißen

Einen Namen hat das Kind schon – „Sweet Dreams“ soll das Kaffeehaus einmal heißen. Doch bis zur Eröffnung müssen sich die Gäste noch ein bisschen gedulden, denn viel von der Einrichtung entsteht in Eigenregie. „Wenn alles klappt, wollen wir Mitte bis Ende Mai aufmachen“, erzählt die Inhaberin. Über etwas mehr als 30Sitzplätze soll das Café verfügen, und auf einem kleinen Freisitz vor dem Anwesen will die 44-Jährige noch einmal drei, vier zusätzliche Tische aufstellen. Zur Seite steht ihr beim Betrieb des Cafés Lebensgefährte Waldemar Becker. Er hat bereits gastronomische Erfahrung – als ehemaliger Pächter des Billard Cafés in Alberndorf. Einen Teil des Mobiliars hat er praktischerweise gleich mitgebracht.

Ein paar hundert Meter weiter, in der Friedrich-Ebert-Straße 17, sind ebenfalls die Handwerker zugange. Nach dem Umzug des Hörgeräte-Spezialisten Geers an die Paststraße stand das Erdgeschoss des Anwesens einige Zeit leer. Nun will die augenärztliche Gemeinschaftspraxis Lodes, Rass, Gibala und Kollegen nach unten erweitern und über das Erdgeschoss einen ebenerdigen Zugang zu den Praxisräumen schaffen.

Für den Ausbau gibt es mehrere Gründe

Augenärztin Annette Lodes nannte auf Anfrage mehrere Gründe für den Ausbau. Zum einen sollten für Patienten und Mitarbeiter die besten Rahmenbedingungen und mehr Platz geschaffen werden. So lasse sich „ein zügigerer Ablauf gewährleisten“, und die Wartezeiten würden kürzer. Zum anderen könne zu den Infektionszeiten im Herbst und Winter der Abstand zueinander besser eingehalten und die Ansteckungsgefahr verringert werden, erklärte die Medizinerin.

Auch der Leerstand, der durch die Geschäftsaufgabe des Bastel- und Geschenkparadieses und den Umzug des Friseurgeschäfts „Projekt H“ ins Gewerbegebiet an der Bellstraße entstanden ist, gehört der Vergangenheit an. Immobilienmakler Remax ist von der Bahnhofstraße ein paar Meter weitergezogen und hat sich dabei deutlich vergrößert.

„Wir haben einen Durchbruch gemacht und beide Läden zusammengefasst“, berichtet Geschäftsleiterin Ulrike Eschenbecher, die bei dem Immobilienmakler für die Standorte Straubing und Schwandorf zuständig ist.

Remax hat Fläche mehr als verdoppelt

Mit dem Umzug hat sich nach ihren Worten die Bürofläche auf rund 200 Quadratmeter „mehr als verdoppelt“. Mehr Platz für Mitarbeiter und Beratungen, lautet die Devise: „Wir wollen expandieren. Der Immobilienmarkt in Schwandorf ist sehr dynamisch und attraktiv, der Bedarf nach Wohnraum ungebrochen hoch.“

Und auch wenn am neuen Standort noch manches improvisiert wirkt – laut Eschenbecher sind die Immobilien-Profis an der Schwaigerstraße längst arbeitsfähig und zu den üblichen Öffnungszeiten erreichbar. Die Umgestaltung des Schlesierplatzes hat in den Augen der Geschäftsleiterin den Standort noch einmal aufgewertet. „Es ist sehr schön geworden“, sagt Eschenbecher. Und vielleicht sorgt in der Ecke ja auch der Umbau an der Schwaigerstraße 5 für zusätzliche Impulse. Hier wird am ehemaligen „Trend-House“-Standort ebenfalls eine neue Nutzung vorbereitet.

Stadtmanagerin Sonja Zindel: Immer wieder Anfragen

Dass solche und ähnliche Projekte keine Ausnahme bleiben, fällt in die Zuständigkeit der neuen Stadtmanagerin Sonja Zindel. Vor gut zwei Monaten hat sie ihre Tätigkeit in der Stabsstelle für Wirtschaftsförderung aufgenommen. Als wichtige Aufgabe sieht sie es momentan, das städtische Leerstandsregister auf den aktuellen Stand zu bringen und vor allem den persönlichen Kontakt mit Hauseigentümern und Immobilienverwaltern herzustellen.

Anfragen nach leer stehenden Gewerbeimmobilien gibt es laut Zindel übrigens „immer wieder“. Die Bandbreite der Geschäftsideen sei groß. In den vergangenen Wochen ging es nach ihren Worten unter anderem um Räume für die Gastronomie, ein Kosmetikstudio, aber auch einen Eine-Welt-Laden in der Innenstadt.

In der Friedrich-Ebert-Straße 17 wird umgebaut. Die Praxis für Augenheilkunde erweitert sich bis ins Erdgeschoss. Foto: Hubert Heinzl
Immobilien-Spezialist Remax hat an der Schwaigerstraße zwei ehemalige Geschäfte zu einem großen Beratungsbüro zusammengefasst. Foto: Hubert Heinzl