Neunburger Polizei verzeichnet knapp sieben Prozent mehr Unfälle – Alkohol spielt größere Rolle

Von Jan Lange · 14. Mai 2024 um 19:00

So oft wie an der Norma-Kreuzung krachte es an keiner anderen Stelle in Neunburg: Elf Unfälle mit insgesamt sechs Verletzten ereigneten sich dort im Vorjahr. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 2022. Damals waren es nur drei Unfälle mit zwei Leichtverletzten. „Sie hat sich zu einem Unfallhäufungspunkt entwickelt“, bilanzierte Polizeihauptkommissar Markus Schlegel bei der Präsentation der Verkehrsstatistik der Polizeiinspektion Neunburg.

Knotenpunkt soll umgebaut werden

Schon seit Jahren bereitet der Knotenpunkt im Industriegebiet der Neunburger Polizei Sorgen. Deshalb ist man auch froh, dass der Kreuzungsbereich umgebaut werden soll. An der Stelle ist ein Kreisverkehr geplant. Allerdings wird mit dem Umbau erst 2025 begonnen, wie Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) weiß. Ursprünglich war ein Beginn bereits in diesem Jahr im Gespräch.

Mit der Verschiebung kann Neunburgs Polizeichef Markus Schmitt leben. Die Norma-Kreuzung ist nicht so gefährlich, dass es dort alle paar Wochen zu einem Unfall kommt, erklärt er. Es sei gut, dass etwas gemacht wird.

Leichter Rückgang nur in Neunburg und Schwarzhofen

Während die Zahl der Unfälle an der Norma-Kreuzung – in sieben von elf Fällen handelte es sich um Vorfahrtsverstöße – sprunghaft angestiegen ist, ging sie im gesamten Stadtgebiet leicht von 316 auf 312 zurück. Neben Neunburg registrierte die Polizei auch in Schwarzhofen weniger Unfälle: Es waren 39 statt 42 (2022).

Im Bereich der PI Neunburg sind diese beiden Kommunen aber Ausnahmen. In den vier anderen Orten Bodenwöhr (+zehn Prozent), Dieterskirchen (+68,8 Prozent), Neukirchen-Balbini (+55,6 Prozent) und Thanstein (+50 Prozent) gingen die Zahlen nach oben.

Unterm Strich musste Markus Schlegel deshalb eine Zunahme der Unfallzahlen im gesamten Dienstbereich feststellen. Ereigneten sich 2022 noch 537Verkehrsunfälle, stieg deren Zahl im Vorjahr auf 574 an. Das bedeutete ein Plus von knapp sieben Prozent. Gleichzeitig war es der höchste Wert seit Jahren. Ähnlich hoch lag er 2018 mit 572 Unfällen.

Lengfelder Kreuzung ist ebenfalls ein Unfallhäufungspunkt

Die meisten Zusammenstöße – insgesamt 76 – registrierte die Polizei auf der Staatsstraße2151 zwischen Sonnenried und Rötz. Auf den rund 16 Kilometern liegen auch die Norma-Kreuzung sowie der Knotenpunkt bei Lengfeld, der ebenfalls zu Unfallhäufungspunkten gehört. In Lengfeld waren es sieben Unfälle mit sieben Verletzten – alle wegen Nichtbeachten der Vorfahrt.

Weniger Personen werden bei Zusammenstößen verletzt

Dennoch konnte Schlegel den Bürgermeistern der Gemeinden im Dienstbereich auch Positives vermelden. So gab es im Vorjahr keinen Verkehrstoten. „Bei den Unfällen mit Personenschaden ist erfreulicherweise ein Rückgang von 64 verletzten Personen im Jahr 2022 auf 47 in 2023 zu verzeichnen“, so Schlegel. Dies entsprach einem Minus von 27Prozent.

Abbiegefehler gehören zu den Hauptunfallursachen

Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren stellten 2023 die Hauptunfallursachen dar. Auf Platz zwei folgt der ungenügende Sicherheitsabstand.

Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot lagen auf dem dritten Platz der Unfallursachen. Nicht angepasste Geschwindigkeit bei Nässe, Schneeglätte oder Blitzeis folgt auf Platz vier. Im Jahr 2022 lag das Nichtbeachten der Vorfahrt noch auf dem vierten Rang.

Bei der aktuellen Ursache Nummer vier waren 20 Verkehrsunfälle zu verzeichnen. Verletzt wurden dabei 16 Personen und es entstand ein Sachschaden von insgesamt 129000 Euro.

Polizei kontrolliert öfter und stellt mehr Verstöße fest

Dem war die Polizei mit verstärkten Kontrollen begegnet. Das Handlasermessgerät kam bei 145 Geschwindigkeitskontrollen insgesamt 186 Stunden zum Einsatz. Im Jahr 2022 waren es nur 114Messungen mit 142 Stunden Kontrolle.

Das wirkte sich auch auf die festgestellten Verstöße aus: Gab es 2022 insgesamt 130 Beanstandungen, waren es 2023 mit 255 fast doppelt so viele. Und auch die Folgen für die Raser waren gravierender: Zehn Fahrverbote wurden ausgesprochen. Im Jahr zuvor waren es „nur“ vier.

Außerorts lag die höchste gemessene Geschwindigkeit bei 164 Stundenkilometern statt der erlaubten 100 km/h auf der B85 bei Bodenwöhr. „Diesen Fahrer erwartete ein Bußgeld von 480Euro, ein Monat Fahrverbot und zwei Punkte in der Verkehrssünderdatei in Flensburg“, informierte Schlegel.

Noch teurer kam einen Raser die Geschwindigkeitsübertretung in Erzhäuser. Er war mit 105 km/h statt der erlaubten 50km/h unterwegs, als er von den Polizisten geblitzt wurde. Gegen ihn wurden ein Bußgeld von 560 Euro, ein zweimonatiges Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg verhängt.

Mehr Unfälle durch alkoholisierte Fahrer

Die Zahl der Unfälle, die durch übermäßigen Alkoholkonsum verursacht wurden, stieg von fünf auf neun. Mehr Alkoholunfälle hatte es zuletzt im Jahr 2018 (zwölf) gegeben. 32 alkoholisierte Fahrer mussten im Vorjahr aufgrund einer folgenlosen Trunkenheitsfahrt ihren Führerschein abgeben. Zwölf Fahrzeuglenker standen laut Schlegel unter dem Einfluss von Drogen.

Senioren sind öfter Unfallverursacher

Im Vorjahr wurden mehr Unfälle von Senioren ab 65 Jahren verursacht als 2022. Es waren 18 statt zwölf. Die durch junge Erwachsene verursachten Unfälle beliefen sich auf 23. Es handelt sich dabei um einen ganz geringen Rückgang gegenüber 24 Unfällen im Jahr 2022.

Sieben Mal hatte es im Vorjahr an der Kreuzung der Staatsstraße 2151 mit der Kreisstraße SAD40 bei Lengfeld gekracht.