Berufsschule Nabburg feierte 75. Jubiläum – KI sagt Unterricht der Zukunft voraus

Von Caroline Keller · 14. Mai 2024 um 19:00

Die Berufsschule Nabburg hatte einen Grund zum Feiern: Das 75-jährige Bestehen ist mit einem Festakt am gestrigen Dienstagvormittag in der kleinen Sporthalle des Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasiums in Nabburg gefeiert worden. Bei der Veranstaltung blickte die Schule und ihre Ehrengäste nicht nur auf die vergangenen Jahre zurück, sondern wagte auch einen Blick in die Zukunft.

Wie der Unterricht in noch einmal 75 Jahren, also 2099, aussehen könnte, hat Wolfgang Reif, Bereichsleiter Berufsbildung der HWK Regensburg, die künstliche Intelligenz ChatGPT gefragt. Was die virtuelle Maschine ihm als Antwort ausgespuckt hatte, stimmte ihn optimistisch für die Zukunft. Neben dem vermehrten Einsatz von VR-Brillen solle der Unterricht digitaler und weltweit vernetzter werden. „Ich glaube, allzu weit weg sind wir davon nicht mehr“, sagte Reif bei seinen Grußworten.

Dennoch ließ der Vergleich des Unterrichts früher und heute, den die Schüler der Klasse WIN11b zogen, die Gäste öfters schmunzeln. Fünf Schüler präsentierten ihre Erkenntnisse in einer Bildergalerie. Ein Beispiel: Früher haben die Berufsschüler auf Schiefertafeln mit einem Griffel geschrieben. Heute notieren sich die Jugendlichen den Unterrichtsstoff mit Hilfe von Tablets und den dazugehörigen Eingabestiften. Die optische Ähnlichkeit beider Gegenstände amüsierte das Publikum.

Investition in Ausbildung

Zum Schluss ihres Vortrags äußerten die Schüler einen Wunsch an die Ehrengäste Landrat Thomas Ebeling und Bürgermeister Frank Zeitler (beide CSU), die Schule immer mit modernem Unterrichtsmaterial auszustatten und die Schüler zu unterstützen.

In seiner Festrede betonte Martin Abt, Schulleiter der Berufsschule Nabburg, wie wichtig die Investition in die Bildung und Ausbildung der Schüler sei. Selbst wenn die Jungen und Mädchen heute lieber auf einem Tablet ihre Notizen machen als auf Schiefertafeln, am Prinzip des Mitschreibens habe sich nicht viel geändert. Früher hätten die Schüler ihre Mitschrift verloren, heute habe man keinen zugriff auf die Datei in der Cloud. Dennoch ist sich der Schulleiter sicher, dass jeder die Möglichkeit zur bestmöglichen Bildung haben sollte.

Seit der Gründung 1949 hat sich viel getan für die Einrichtung. Im Schuljahr 2023/24 besuchen 479 Schüler die Berufsschule. Vor 75 Jahren waren es etwa 150 mehr. Zu Beginn wurden die Schüler noch in den Räumen von Wirtschaften oder in einem Zimmer im Nabburger Rathaus unterrichtet. Nach dem Bau des Berufsschulgebäudes auf dem Schwanenwirtsberg, auch umgangssprachlich Schulberg genannt, hatten die Schüler eigene Unterrichtsräume mit Werkstätten, die zuletzt 2020 mit einer neuen Kfz-Werkstatt ergänzt wurden. Der Landkreis Schwandorf ertüchtigte diese mit rund 1,3 Millionen Euro. Und von eben diesen Werkstätten machten sich die Besucher bei einem Rundgang mit Rosina Pimmer, Außenstellenleiterin der Berufsschule Nabburg, ein Bild.

In Fachbereiche schnuppern

In der Schweißerwerkstatt erklärten die Schüler den Besuchern, wie sie mit dem Schweißroboter der Firma Yaskawa ihr Handwerk erlernen. Anders als herrkömmliche Maschinen schweist der Roboter eine Naht in 30 bis 60 Sekunden, was nur halb so lange dauere wie bei Maschinen. Beeindruckt seien die Schüler vor allem davon, dass die Schweißnaht so präzise sei, was „von Menschenhand nicht so genau“ werden würde. Das Jubiläumsfest gab aber nicht nur den Gästen einen Einblick, denn auch die Schüler durften in andere Fachbereiche schnuppern. Wer normalerweise im Bereich Wirtschaft seine Ausbildung absolviert, konnte sich von seinen Mitschülern in der Kfz-Werkstatt einen Reifenwechsel erklären lassen.

Dabei erklärten sie auch den Unterschied zwischen einem Reifen- und einem Radwechsel, den doch viele nicht wussten. Beim Radwechsel wird das komplette Rad gewechselt, wie etwa bei einem Wechsel von Winter- auf Sommerreifen. Beim Reifenwechsel wird der alte Autoreifen von der Felge entfernt und ein Neuer montiert. „Wieder was dazugelernt“, tönte es öfters aus verschiedenen Richtungen.

Gegenseitig erklären sich die Mitschüler ihre Fachbereiche, wie hier den Radwechsel. Foto: Caroline Keller