Langfristig soll es in Schwandorf nur noch zwei große Pfarreiengemeinschaften geben

Die Gläubigen in den Pfarreien und Seelsorgeeinheiten in Schwandorf müssen sich auf gravierende Änderungen einstellen. Nicht schon morgen oder übermorgen, aber auf lange Sicht wird es hier nur noch zwei große Pfarreiengemeinschaften geben – eine in der Stadt, die andere in den ländlich geprägten Ortsteilen. Die wichtigsten Weichen dafür sind inzwischen gestellt.
Hintergrund der Überlegungen ist die sogenannte Pastorale Planung 2034 – ein langfristiger Reformprozess, mit dem sich die Diözese Regensburg für zwei große Trends wappnen will. Zum einen dünnt die Personaldecke bei den hauptamtlichen Seelsorgern immer weiter aus. Zum anderen gewinnt das Thema Wirtschaftlichkeit und Nutzung von Gebäuden wegen der anhaltend hohen Zahl an Kirchenaustritten an Bedeutung.
Eine Reihe von Gesprächen
Um die Reformpläne in die Wege zu leiten, hat es laut Prodekan Christian Kalis, dem Stadtpfarrer von St. Jakob, in Abstimmung mit der Diözese seit Ende 2022 eine Reihe von Gesprächen vor Ort gegeben – erst bei einer Dekanatskonferenz im Kreis der hauptamtlichen Seelsorger, dann unter Einbeziehung der Pfarrgemeinderäte, zuletzt auch in der erweiterten Runde von Seelsorgern, pastoralen Mitarbeitern, Pfarrgemeinderäten und Kirchenpflegern.
Die Ergebnisse für die künftige Organisation der Seelsorge im Schwandorfer Stadtgebiet stehen inzwischen in ihren Grundzügen fest. Im Wesentlichen lassen sie sich laut Pfarrer Kalis so zusammenfassen: Langfristig wird es im Stadtgebiet von Schwandorf nur noch zwei große Pfarreiengemeinschaften oder Seelsorgeeinheiten geben.
Die eine soll in etwa die Kernstadt mit den jetzigen Pfarreien St. Jakob, Herz Jesu, St. Andreas in Fronberg und der Pfarreiengemeinschaft Kreuzberg-St.Paul umfassen und unter dem Namen „Pfarreiengemeinschaft Schwandorf-Stadt“ firmieren. In der anderen Einheit werden künftig die Pfarreiengemeinschaften Klardorf-Wiefelsdorf und Dachelhofen-Ettmannsdorf-Neukirchen zusammengefasst. Auch ein Name für diesen künftigen Verbund ist nach den Worten des Klardorfer Pfarrers Markus Meier schon gefunden. Er soll als „Pfarreiengemeinschaft Schwandorf-Land“ auftreten.
Noch ist aber nichts in Stein gemeißelt
Nach dem ursprünglichen Vorschlag der Diözese, erzählt Pfarrer Meier, sollte auch die Pfarrei Herz Jesu der Seelsorgeeinheit Land zugeschlagen werden. Doch im Rahmen des Abstimmungsprozesses habe sich herausgestellt, dass die Pfarrei traditionell eher zu St.Jakob tendiere. Für eine Eingliederung in Schwandorf-Stadt sprachen laut Prodekan Kalis auch noch andere Gründe. Zwar sei die Zahl der Gläubigen hier momentan deutlich größer als im Umland. „Doch dafür hat der Pfarrer auf dem Land ein sehr weiträumiges Gebiet zu betreuen. Und die ländlichen Strukturen sind einfach andere als in der Stadt.“
Verbunden mit der Reform ist laut Kalis auch die Frage, wo die Pfarrer der beiden großen Seelsorgeeinheiten künftig ihren Sitz haben werden. In „Schwandorf-Stadt“ ist dafür der Pfarrhof St. Jakob gesetzt. Für mögliche weitere Seelsorger gebe es eine Bleibe auf dem Kreuzberg. Die Pfarrhöfe St.Paul, Herz Jesu und St. Andreas in Fronberg stünden damit langfristig zur Disposition.
Auch für die künftige Pfarreiengemeinschaft im Umland hätten sich die Beteiligten bereits auf einen Pfarrsitz geeinigt, so Pfarrer Meier. Er soll nach seinen Worten bei der Pfarrkirche St.Georg in Klardorf angesiedelt sein. „Das ist einfach die größte Einheit und bietet sich auch vom Gebäudezustand an“, sagt der Seelsorger. Über einen möglichen weiteren Standort gebe es noch keine Klarheit.
In Stein gemeißelt ist all dies noch nicht, doch beide Pfarrer gehen davon aus, dass die Vorschläge von der Diözese zum Schluss auch abgesegnet werden. Bei der Umsetzung, die nach dem offiziellen Fahrplan schon im September dieses Jahres beginnen soll, geschieht in der Großen Kreisstadt aber erst einmal – nichts. „Es ist nicht so, dass jetzt von heute auf morgen der Schalter umgelegt wird. Aktuell gibt es in Schwandorf noch keinen Handlungsbedarf, die personelle Situation ist ausreichend“, sagt Pfarrer Kalis. Doch bei möglichen personellen Veränderungen verfüge man nun über ausgearbeitete Pläne in der Schublade.
Kompliziert wird die Reform noch durch den Bestand an kirchlichen Liegenschaften und Gebäuden, der laut Kalis nach den Vorgaben der Diözese langfristig deutlich reduziert werden solle. Die Zuständigkeit liegt nach seinen Worten bei den jeweiligen Kirchenstiftungen. Konkrete Projekte nennt der Prodekan nicht, versucht aber die Kirchgänger zu beruhigen: Überlegungen, künftig auch die Gotteshäuser anderweitig zu nutzen, gebe es in Schwandorf nicht. „Das letzte, was man aufgibt, wird die Pfarrkirche sein“, sagt Kalis.
Bei den Gläubigen herrscht nach seinen Worten kaum Verunsicherung über die sich abzeichnenden Veränderungen: „Die Kerngemeinde ist sich einig, dass sich da etwas tun muss.“ Und als in der Expositur Haselbach aus personellen Gründen eine Messe gestrichen worden sei, hätten die Menschen „dafür durchaus Verständnis“ gehabt.
Entspannt wird die Personalsituation ohnehin durch erweiterte Befugnisse für Laien. Alfred Gaßner, Pastoralreferent in St. Jakob, kann zum Beispiel nun auch Beerdigungen abhalten – so wie schon früher Wortgottesfeiern im Seniorenheim, Maiandachten oder Bittprozessionen. Und das wiederum ist für Pfarrer Christian Kalis eine spürbare Entlastung.
