Katholische Beerdigung – auch ohne Pfarrer: In Schwandorf begräbt jetzt auch der Pastoralreferent

Es ist noch eine Besonderheit – zumindest im Bistum Regensburg: Seit kurzem darf Alfred Gaßner, Pastoralreferent von St. Jakob, selbst Beerdigungen übernehmen. Und zwar im wöchentlichen Wechsel mit Pfarrer Christian Kalis. Für Gaßner ist das eine ganz besondere Aufgabe – und für die Kirche eine echte Entlastung.
Im November hat der 53-Jährige seine Ausbildung offiziell abgeschlossen. Seitdem darf er eigenständig Bestattungen durchführen, ohne dass ein Pfarrer dabei ist. Gaßner war damals in der ersten Gruppe, die im Bistum Regensburg die Ausbildung absolviert hat – als einer von insgesamt 14.
„Für mich gehört das dazu, die Menschen bis zum Schluss zu begleiten“, sagt Gaßner. Die Trauer sei ein Teil des Lebens. Aus dem Grund schätzt der Pastoralreferent vor allem die Aufgabe, Menschen dabei unterstützen zu können, einen vernünftigen Abschied zu finden.
Pastoralreferent Alfred Gaßner hat schon zehn Beerdigungen betreut – jede ist eine Herausforderung
Mittlerweile hat Gaßner knapp zehn Beerdigungen selbst betreut. „Der Friedhof ist da aber der kleinste Teil“, sagt Stadtpfarrer Christian Kalis. Einen viel größeren Raum nehmen die Trauergespräche ein, der Kontakt mit den Angehörigen des Verstorbenen.
Manche Gespräche dauern nur 30 Minuten. Doch oft sitzt Gaßner ein bis zwei Stunden mit den Angehörigen zusammen. Eines seiner Gespräche, erzählt der Pastoralreferent, habe sogar drei Stunden gedauert. Dabei geht es vor allem um die Seelsorge, um das Zuhören, um Beistand. „Wenn ein Mensch jung oder unerwartet stirbt, ist das das Herausforderndste.“
Was aber ist nötig, um so ein Gespräch führen zu können? „Das, was man braucht, kann man letztlich nicht lernen“, sagt der Seelsorger. Doch Empathie, Einfühlungsvermögen und Sensibilität seien wichtige Grundvoraussetzungen – da sind sich Alfred Gaßner und Stadtpfarrer Christian Kalis einig.
„Man muss manchmal auch eine Mauer durchbrechen“, sagt Kalis. Teilweise hätten Angehörige bereits eine Schutzwand aufgebaut, wenn sie einige Tage nach dem Todesfall zum Gespräch kommen. Sie stecken mitten in der Organisation. Hier ein Termin, da eine Formalität, die noch zu klären ist. „Dann muss man erstmal den Zugang finden, um über die Trauer zu sprechen“, sagt Gaßner.
In mehreren Kursen ist der Pastoralreferent für Beerdigungen ausgebildet worden
Für diese Aufgabe ist der Pastoralreferent sorgfältig ausgebildet worden. In mehreren Kursen hat er die Grundlagen gelernt, vom Gespräch und Requiem über die Trauerrede bis zur Beisetzung. Sogar eine Bestattung wurde geübt – ganz authentisch mit Sarg und Urne. Dabei hat ihm seine Erfahrung als Notfallseelsorger geholfen. „Von daher ist mir das Thema nicht fremd gewesen.“
Als Stadtpfarrer ist Christian Kalis froh über diese Unterstützung. Kein Wunder, denn pro Jahr hat St. Jakob im Schnitt 50Beerdigungen. Neben der Expositur in Haselbach gibt es zudem drei Altersheime, für die die Pfarrei zuständig ist.
Dabei ist Kalis der einzige geweihte Pfarrer. In der Vergangenheit war das noch anders. Mit Deogratias Naburhaca Munguakonkwa hatte Kalis einen Pfarrvikar an seiner Seite, und in Haselbach gab es mit Andreas Renner einen Ruhestandsgeistlichen. Doch Deogratias wurde ohne Ersatz abberufen. Und Renner ist 2023 mit 93 Jahren verstorben. Ohne die Hilfe von Gaßner müsste Kalis also sämtliche Beerdigungen selbst übernehmen. Die Entscheidung, dass Pastoralreferenten Beerdigungen abhalten dürfen, ist insofern auch eine Folge des Priestermangels, der die Pfarreien landauf, landab trifft. „Wären genug Geistliche da, würde sich die Frage gar nicht so dringend stellen“, sagt Gaßner.
Pfarrer und Pastoralreferent wechseln sich wöchentlich ab, wer die Beerdigungen hält – Es gibt keine Bevorzugungen
In der Pfarrgemeinde kommt das neue Modell offenbar gut an, wie Kalis und Gaßner berichten.Von Anfang an hätten sie offen kommuniziert, dass der Pastoralreferent nun beerdigen darf. Bisher habe es deshalb keine Beschwerden gegeben, geschweige denn den Wunsch, dass der Pfarrer die Beerdigung übernehmen müsse. Auch der Pfarrgemeinderat stehe hinter dem Modell – nicht zuletzt, weil es eine Entlastung für den Pfarrer darstelle.
Kalis und Gaßner wechseln sich jede Woche ab – so ist es letztlich Zufall, wer die Beerdigung übernimmt. „Da gibt es keinen Unterschied vom Stand und Ansehen der Person“, sagt der Stadtpfarrer. Im Dekanat Schwandorf ist das Modell bisher noch eine Seltenheit. Aber Gaßner erzählt, dass auf seinen Kurs beim Bistum bereits ein weiterer gefolgt sei. „Das zeigt, dass tatsächlich der Bedarf und die Bereitschaft da sind“, sagt Kalis.
