Nach Votum gegen Umgehung in Berg: Wie geht es nun weiter mit dem Verkehr?

Eine klare Mehrheit der Bürger von Berg im Landkreis Neumarkt will keine Umgehungsstraße. Rund Dreiviertel der Wähler stimmten bei allen drei Fragen des Bürgerentscheids am Sonntag entsprechend. Das sagen die Befürworter und Gegner der Umgehung zum Ergebnis und zu ihren weiteren Plänen.
Hatten vor einigen Monaten nicht wenige Stimmen gemutmaßt, dass das Thema Umgehung in den nicht betroffenen Gemeindeteilen auf wenig Interesse stoßen könnte und damit auch der Bürgerentscheid, hatte sich schon unter der Woche das Gegenteil gezeigt. Am Freitag waren bereits 3700 Stimmzettel eingegangen. Die Wahlbeteiligung lag nach der Auszählung aller Stimmen am Sonntag insgesamt bei sehr guten 67,5 Prozent.
Offenbar hat die Diskussion der vergangenen Wochen viele Wahlberechtigte mobilisiert. In den Wochen vor der Abstimmung waren die Gemüter zunehmend erhitzt gewesen.
Berger Bürgermeister von Ergebnis des Bürgerentscheids nicht überrascht
„Das Ergebnis hat mich nicht überrascht“, sagte Bürgermeister Peter Bergler. Er habe diese Entwicklung bei den Bürgerversammlungen der vergangenen Wochen wahrgenommen. „Enttäuscht möchte ich nicht sagen“, ordnete Bergler für sich das Ergebnis ein. „Es ist eine vertane Chance für die Gemeinde, um den Verkehr innerorts zu mindern und die Bürger an der Ortsdurchfahrt zu entlasten.“
Der Rathauschef blickte voraus: „Dann müssen wir andere Lösungen finden. Wenn es welche gibt“. Bergler hat bereits einen Plan in der Schublade. Er will im Gemeinderat einen Arbeitskreis gründen, an dem auch Vertreter der Bürgerinitiative beteiligt sein sollen. Der Arbeitskreis soll Vorschläge erarbeiten.
Die sollen bei den höheren zuständigen Stellen wie dem Verkehrsministerium in München vorgetragen werden. Vor allem um das Beschränken des Durchfahrtsverkehrs auf Tempo 30 auf der gesamten Ortsdurchfahrt wird es gehen. Ob sich in dieser Hinsicht trotz der Rechtslage etwas bewirken lässt, wie es die Bürgerinitiative glaubt, da ist sich Bergler aber nicht sicher. Einen Präzedenzfall Berg wollten die Behörden nicht schaffen, auf den anderen Gemeinden verweisen könnten, glaubt Bergler.
„Es ist ein super Ergebnis“, sagte Helmut Klein von der Bürgerinitiative „Solidarische Verkehrsführung Berg“. „Die Bürger haben sich für die Natur entschieden“, kommentierte Bernhard Schwenzl das Votum.
Berger BI will weiter aktiv bleiben
Wie es nun weitergeht, dürfte vor allem für die Anwohner an der Ortsdurchfahrt interessant sein. Prognosen besagen, dass der Verkehr in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. Helmut Klein will zunächst etwas Luft an die Entscheidung lassen, bevor man sich mit frischer Kraft für alternative Lösungen einsetzen werde. Es gebe Alternativen zu einer Umgehung, um Berg vom Verkehr zu entlasten. Diese seien bislang nicht ausreichend verfolgt worden. Daran will die Bürgerinitiative mitarbeiten. „Uns wird es sicher auch weiter geben“, sagte Schwenzl, der aber zugleich betonte: „Jetzt ist die Politik am Zug. Der Bürgerwille ist klar“. Der Gemeinderat sei gefordert, aber auch die Vertreter des Landkreises in Bundestag und Landtag.
Der Entscheid hat keine direkte Auswirkung auf die Planungen, die bei der Staatsstraße in den Händen des Freistaats liegen. Die Berger haben lediglich dem Gemeinderat den Auftrag gegeben, sich für den Stopp der Planungen einzusetzen. Das Staatliche Bauamt in Regensburg hatte in der Vergangenheit allerdings erklärt, dass es keine Planung gegen den Willen in einer Gemeinde verfolgen werde.

