Umgehung Berg: BI informiert Bürger – und kritisiert die Flyer der Gemeinde

Für Diskussionen und Kopfschütteln sorgte bei einer Info-Versammlung der Bürgerinitiative (BI), die sich gegen die geplante Ortsumgehung ausspricht, vor allem ein Flyer der Gemeinde. Darauf zu lesen: „Fünf gute Gründe, um für das Ratsbegehren zu stimmen“. Die BI will zeitnah darauf reagieren und hat noch einmal ihre Argumente deutlich gemacht.
Der Bürgerentscheid rückt näher: Am 12. Mai stimmen die Bürger darüber ab, ob in Berg eine Ortsumfahrung gebaut werden soll oder nicht. Deshalb hatte die Bürgerinitiative Solidarische Verkehrsführung Berg am Donnerstag ins Oberölsbacher Schützenhaus eingeladen, um Interessierte über die Auswirkungen der Planungen zu informieren.
Laut Bernhard Schwenzl gibt es noch zu viele Unklarheiten und negative Folgen, die vielen Menschen noch gar nicht bewusst seien. Die rund 100 Plätze waren nahezu alle gefüllt. Immer wieder gab es kritische Wortmeldungen und Nachfragen der anwesenden Bürger.
Umgehung zerstöre die Umwelt
Schwenzl ging die Planung mittels Karten des Staatlichen Bauamts Regensburg durch. Von einem Kreisverkehr bei Richtheim soll die Trasse in einem Bogen östlich von Berg verlaufen und möglichst nah an der Autobahn A 3 entlang führen. Beim Wallerbach schwenkt die Umgehung Richtung Meilenhofen, wo sie wieder in einem Kreisverkehr mündet.
18 Hektar Flächenverbrauch und -zerstörung sowie erhebliche Kosten von mehr als 40 Millionen Euro, bilanzierte Schwenzl. Die Maßnahme, für die fünf Brücken gebaut werden müssten, beeinflusse außerdem die Überschwemmungsfläche der Schwarzach. Welche Auswirkungen das genau auf die Hochwassersituation habe, sei unklar.
Die Planungen sorgten teils für Unverständnis bei den Anwesenden. „Die Umgehung ist doch die Autobahn“, war immer wieder zu hören. Für anwesende Oberölsbacher ein großer Kritikpunkt: der Schwerlastverkehr. Die BI befürchtet, dass dieser Ortsteile wie Loderbach, Richtheim und Oberölsbach belaste. Deshalb findet die Initiative das Vorhaben unsolidarisch. Es nütze nur den Bergern.
Und: Selbst 28 Anlieger der dortigen Hauptstraße seien bei der BI-Unterschriftensammlung gegen die Umfahrung gewesen, sagte Helmut Klein. Außerdem sei für die Verkehrsbelastung in Berg zu einem großen Teil auch der Kurzstreckenverkehr verantwortlich, sagte ein Bürger.
Die „schlafende Mehrheit“ soll geweckt werden
Gemeinderatsmitglied Simon Lehmeyer hat in der Versammlung ebenfalls seine Haltung zu den Planungen deutlich gemacht: „Es hilft Berg in Teilen, aber schadet den anderen massiv.“ Das könne nicht das Verständnis unserer Gesellschaft sein, sagte er. Bei den Stimmzetteln blicke keiner mehr durch. Deshalb müsse man nun kurz vor der Wahl „die schlafende Mehrheit wecken“ und zur Wahl bewegen. Dann sei die Entscheidung „eine sichere Nummer“.
Statt einer Umgehung will die BI: Die Autobahn A3 als Umgehung für den Durchgangsverkehr, verkehrsberuhigende Maßnahmen wie Geschwindigkeitsregulierungen oder Ampelanlagen sowie den Schutz der Natur und der regionalen Landwirtschaft. Da viele der notwendigen Grundstücke noch in Privatbesitz seien, kam die Frage auf, ob die Eigentümer dann enteignet werden müssten, stimmten die Bürger für die Umgehungsstraße.
Um den Anwesenden zu erklären, wie sie auf den Stimmzetteln gegen die Ortsumfahrung stimmen können, hat die BI auf ausliegenden Flyer eine Vorlage des Stimmzettels gedruckt. Dort haben sie angegeben, wo man beim Ratsbegehren, Bürgerbegehren und der Stichfrage, die laut Schwenzl „sowieso keiner versteht“, das Kreuz setzen müsse.
Kritik an verteilten Flyern der Gemeinde
Apropos Flyer: Eine Wortmeldung entfachte gegen Ende eine größere Debatte um die Flyer, die die Gemeinde verteilt. Im Gemeinderat war beschlossen worden, fünf Gründe aus Sicht der Befürworter aufzulisten. Als Argumente werden zum Beispiel das steigende Verkehrsaufkommen, Verkehrssicherheit, Lärm- und Abgasbelastung aufgeführt.
„Mir wird suggeriert, was ich zu tun habe“, sagte ein Bürger. In seinen Augen sei der Flyer „unverschämt“, denn die aufgeführten Vorteile beträfen nur die Berger. Auch Sigrid Schindler vom Bund Naturschutz schloss sich dieser Meinung an und bezeichnete die Ausführungen der Gemeinde als „lächerlich“ und „voller Halbwahrheiten“.
Bürgermeister Peter Bergler kontert auf Nachfrage unseres Medienhauses: Jeder Bürger könne sich selbst Gedanken machen. Der Flyer diene als Hilfestellung auf „Grundlage von Tatsachen“. Für ihn sei eher fraglich, ob es noch sachlich ist, dass die BI eine Vorlage zum Ankreuzen abdruckt.