Neumarkt plant die erste Jugendkonferenz – los geht es mit einer Onlinebefragung

Von Eva Gaupp · 12. Mai 2024 um 15:00

Deining hat sie. Sengenthal auch. Und bald auch Neumarkt: Eine Jugendbeteiligung in der Kommunalpolitik. Wie junge Menschen aktiv in die Stadtentwicklung eingebunden werden können, darüber machen sich Oliver Schmidt und Anke Auer derzeit viele Gedanken.

Markus Ochsenkühn hatte schon während seines Wahlkampfs angekündigt, dass er als Oberbürgermeister die junge Generation mehr in die Stadtentwicklung einbeziehen möchte. Bei Oliver Schmidt, der im Januar 2023 die Leitung des neuen Amts für Jugend, Bildung und Soziales übernommen hat, rannte er damit offene Türen ein.

„Ich habe schon einige Ideen im Kopf“, sagt Schmidt, der vorher bei der Kommunalen Jugendarbeit (KOJA) des Landkreises Neumarkt bereits andere Gemeinden auf diesem Weg begleitet hat. Derzeit werde ein Termin mit dem OB im November für eine Jugendkonferenz oder -versammlung abgestimmt.

3777 Jugendliche aus Neumarkt im Blick

Allerdings muss Schmidt die Organisation anders angehen. Denn: „In Neumarkt leben 3777 Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 21 Jahren“, sagt die Leiterin des Jugendbüros, Anke Auer. Wenn sich – wie in den Landkreisgemeinden – zehn Prozent von ihnen beteiligen wollen, wären das für eine Veranstaltung zu viele.

„Wir überlegen deshalb, eine Online-Befragung vorzuschalten.“ Zum einen könnten so bereits Themenbereiche definiert und Jugendliche dann ihren Interessen entsprechend zu Workshops eingeladen werden. „Arbeitsgruppen mit 50 Leuten funktionieren nicht“, sagt Auer.

Das grobe Konzept für die Onlinebefragung steht schon: Ein Teil werden konkrete Themen sein, die sich in Gesprächen mit Jugendlichen herauskristallisiert haben. Der Bolzplatz hinter dem G6 zum Beispiel: Wie wollen die Jugendlichen ihn künftig nutzen? Wünschen sie sich ebenfalls eine Pumptrack-Anlage, wie sie zuletzt in Nachbargemeinden entstanden sind? Graffiti sei ebenfalls immer wieder ein Thema, führt Schmidt an.

Darüber hinaus erhoffen sich die Verantwortlichen Rückmeldungen zum bestehenden Ferienprogramm und dem Angebot des G6 – was trifft den Geschmack der jungen Leute, was fehlt? Ebenfalls wichtig: „Was braucht es, damit sie in Neumarkt bleiben?“, formuliert Schmidt eine weitere Frage. Und das Thema Mobilität soll aufgegriffen werden. Denn Auer hat die Erfahrung gemacht, dass manch ein Kind das Angebot im Haus für Jugend, Bildung und Kultur gerne nutzen würde, aber keinen Weg sieht, dort hinzukommen.

Zukunftswerkstätten an zwei Schulen in Neumarkt

„Wir wollen zudem einen offenen Teil anbieten, um weitere Themen und Wünsche zu erfahren“, unterstreicht Schmidt. Und: Es sei geplant, die Ergebnisse, die die Mädchen und Jungen der Mittelschule West und der Knabenrealschule in Zukunftswerkstätten erarbeitet haben, einzubeziehen.

Um möglichst viele Jugendliche zu erreichen, will Schmidt mit den Schulen Kontakt aufnehmen. Da kommt es ihm zugute, dass sein Amt 23 sehr breit aufgestellt ist und unter seinem Dach sowohl die Schulen als auch die gemeindliche Jugendarbeit sowie die Bürgerhäuser beheimatet sind.

Die geplante Jugendbeteiligung sei ein ganz einwichtiger Aspekt der politischen Jugendbildungsarbeit, sagt Schmidt. So lernten sie, wie Demokratie und demokratische Prozesse funktionieren. Und das sagt Oliver Schmidt auch ganz bewusst angesichts der vielen AfD-Wähler bei der U-18-Wahl im Herbst 2023. „Wir wollen so antidemokratischen Strukturen entgegenwirken.“

Den Begriff der Selbstwirksamkeit nennt die Leiterin des Jugendbüros noch: „Die Jugendlichen sollen erkennen, dass es sich lohnt, sich zu engagieren. Und, dass es manchmal Geduld braucht, um ein Projekt umzusetzen.“ Und natürlich soll der Spaß dabei nicht zu kurz kommen.

Die Verwaltung will ihnen den Rahmen geben und sie unterstützen, damit sie eigene Ideen umsetzen können. „Vielleicht ist es möglich, dass sie ihre Projekte im Stadtrat oder in einem der Senate vorstellen“, blickt Schmidt in die Zukunft. Was ihm in diesem Zusammenhang wichtig ist: „Wir brauchen eine ehrliche Kommunikation. Denn nicht alle Wünsche werden sich umsetzen lassen.“

Ochsenkühn will politisches Interesse wecken

Als „Experten in eigener Sache“ soll dieses politische Engagement keine Eintagsfliege werden. Die beiden könnten sich vorstellen, regelmäßige Jugendkonferenz zu etablieren oder gar einen Jugendbeirat.

Über einen solchen Beirat zu sprechen, ist für Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh. „Wir wollen erst einmal mit den Kindern und Jugendlichen in Kontakt kommen.“ Ihm sei eine aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen wichtig, „weil wir Entscheidungen für die nächsten Generationen treffen“. Darüber hinaus könne auf diesem Weg ein Bezug zu den Entscheidungen auf kommunaler Ebene hergestellt werden, „um den Kindern zu zeigen, wie Entscheidungen getroffen werden, um auch das Verständnis und die Hintergründe besser darstellen zu können“, erklärt Ochsenkühn.

Dass politische Themen nicht ganz so attraktiv seien, könne er nachvollziehen. „Ich war auch mal jung.“ Dennoch wolle die Stadt versuchen, das politische Interesse bei Kindern und Jugendlichen zu wecken. Denn grundsätzlich mache er die Erfahrung, dass sich Jugendliche stark engagierten – vor allem in Sport- und Kirwa-Vereinen.

Amtsleiter Oliver Schmidt und die Leiterin des Jugendbüros der Stadt Neumarkt, Anke Auer, haben jede Menge Ideen, wie sie junge Leute in die Stadtentwicklung einbeziehen könnten. Foto: Eva Gaupp
Die Stadt Neumarkt bietet vielfältige Aktivitäten für Kinder und Jugendliche an. In den Osterferien zum Beispiel wurde eine Schnitzeljagd organisiert. Foto: Benedikt Landsberger