Was sich Schüler für Neumarkt wünschen: Traum-Jugendhaus und Magnetschwebebahn?

Wird Neumarkt 2050 ein besserer Ort sein? Welche Weichen müssen jetzt dafür gestellt werden? 22 Jugendliche der Mittelschule West haben eine Nacht lang digitale Ideen für Neumarkts Zukunft entwickelt. Sie erklären, wie ihr Wunsch-Jugendtreff aussehen und wieso die Magnetschwebebahn für Neumarkt keine Utopie sein sollte.
Als alle anderen an der Mittelschule West längst den Heimweg angetreten haben, geht es für die Jugendlichen der M-Klassen der neunten Jahrgangsstufe erst richtig los: Sie starten in eine digitale Zukunftsnacht. Zum Auftakt erklärt ihnen Mirjam Schneider von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildung (BLZ), warum sie es selbst in die Hand nehmen sollten, die Welt von morgen zu ändern.
Sie und ihr Kollege Holger Mügge geben zunächst einen kurzen Crash-Kurs zur Kommunalpolitik und den Möglichkeiten, sich einbringen zu können. „Die Leute für eure Ideen habt ihr direkt vor Ort, es ist wichtig, dass ihr mit ihnen sprecht“, betont Schneider. Dann sind die Jugendlichen gefragt – was ihnen nicht gefällt an und in Neumarkt.
Kein Angebot für Teenager?
Sie vermissen ein breiteres Angebot an Freizeitaktivitäten, „coole Geschäfte“, „Chill-out-Areas“, einen Jugendtreff mit Club, Lasertag oder einen Escape-Room. Sie finden, dass es zu wenig Veranstaltungen für Teenager gibt und dass das Schlossbad zu teuer ist. Die Neuntklässler klagen weiter über schlechte Bus- und Zugverbindungen in die Stadt sowie nach Nürnberg und Regensburg, einen maroden Zustand von Sportstätten und Parks sowie dass das G6 für sie keine Option ist, weil die dortigen Angebote sie nicht ansprechen.
Obwohl es viele Angebote bereits in Neumarkt gibt, sind die Jugendlichen offenbar frustiert. Lauf Mügge und Schneider ist es deswegen entscheidend, ihnen aufzuzeigen, dass sie Möglichkeiten haben politisch Einfluss zu nehmen. Die Projektleiter wollen den Schülern Kompetenzen vermitteln, wie sie Mitstreiter für ihre Ideen gewinnen und ihre Einfälle auch gegen Widerstände weiterentwickeln können.
Schüler entwerfen ihre Vorstellungen für morgen digital
Dafür nutzen sie das Computerspiel Minetest, für das Mügge ein virtuelles Neumarkt kreiert hat. In diesem können die 22 Schüler im Lauf der Nacht ihre Zukunftsentwürfe für Neumarkt bauen.
Bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages entwickeln sie in sieben Gruppen ihre Projekte in 3D-Version. Gleich vier Varianten gibt es, wie ein Jugendtreff aussehen könnte: ein Jugendhochhaus als Club für unter 18-Jährige, ein Traumjugendhaus, ein Wunderhaus und ein Silent Treff.
Eine Gruppe hat ihre Vorstellungen von einem großen Schnellrestaurant in Neumarkt mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet, eine weitere Pläne für ein Sportzentrum mit der Möglichkeit für Futsal und eine letzte die Vision, dass von Neumarkt aus eine Magnetschwebebahn startet.
„Warum sollten wir es nicht machen, wenn wir die Firma Bögl schon vor Ort haben?“, argumentiert Gruppensprecher Marco. „Das würde weltweit Maßstäbe setzen. Wenn früher keiner utopisch gedacht hätte, wären wir jetzt noch in der Steinzeit.“
Teresa Greindl, die die Zukunftswerkstatt an der Schule betreut, und ihr Kollege Martin Deinhardt, zeigen sich nach der langen Nacht beeindruckt von den Ergebnissen. Auch Schulleiter Alwin Ferstl freut sich, dass sich so viele Schüler mit eingebracht haben.
Jugendbeteiligung und Jugendforum in Neumarkt geplant
Die Jugendpflegerin der Stadt Neumarkt, Anke Auer, versichert den Jugendlichen, dass ihre Vorschläge Gehör finden: OB Markus Ochsenkühn plane mehr Jugendbeteiligung und ein Jugendforum. Bereits im Vorfeld möchte sich Auer mit den Jugendlichen treffen, um eine Bestandsaufnahme zu machen: „Was haben wir? Warum nehmen sie die Angebote nicht an?“
Verändert hat sich im Lauf der Zukunftsnacht der Eindruck bei den Jugendlichen: Weit mehr als am Tag zuvor sind der Ansicht, dass die Welt 2050 ein besserer Ort sein wird als heute und dass sie konkrete Einflussmöglichkeiten haben. Schneider gibt ihnen mit auf den Weg: „Ihr seid die, die die Welt verändern können. Bitte nehmt es in die Hand!“ Dass eine Ansprechpartnerin der Stadt sich mit ihnen treffen will, sei motivierend und nicht überall so.
Anzunehmen ist, dass Anke Auer noch weitere Vorschläge bekommt: Die nächste digitale Zukunftsnacht in Neumarkt ist in der Knabenrealschule.
Warum gibt es die digitalen Zukunftsnächte?
Hintergrund: Deutschlandweit gaben 86 Prozent der 14- bis 24-Jährigen im vergangenen Jahr bei einer repräsentativen Umfrage an, dass sie sich Sorgen um die Zukunft machen. Weniger als ein Drittel der jungen Menschen hat den Eindruck, die Politik in Deutschland selbst mitgestalten zu können.
Zukunftsnächte: Die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (BLZ) hat in Kooperation mit den beiden medienpädagogischen Organisationen KidsLab und Q3 im vergangenen Jahr das Projekt der Digitalen Zukunftsnächte ins Leben gerufen. In der zweiten Runde im Schuljahr 2023/2024 finden 18 Zukunftswerkstätten an Mittel- und Realschulen in ganz Bayern statt. Dabei übernachten die Jugendlichen im eigenen Schulhaus und entwickeln ihre ganz eigenen Visionen für die Zukunft ihrer Kommune vor Ort.
Ergebnisse: Die Ergebnisse der Zukunftsnächte werden bei einer Diskussionsrunde am 15. Mai in Pegnitz lokalen Politikern vorgestellt.