Europawahl ab 16 Jahren: Aktionstag zeigt Neumarkter Schülern, warum sie wählen sollten

Von Franziska Mahler · 10. April 2024 um 19:00

Zum ersten Mal dürfen am 9. Juni auch 16-Jährige bei der Europawahl abstimmen. Aber warum sollen junge Menschen überhaupt wählen? Was steckt hinter Europa? Ein Vortrag in Neumarkt zeigte: Das ist vielen gar nicht klar.

Um die Erstwähler im Vorfeld zu motivieren und informieren, hatte der Kreisjugendring Neumarkt in Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung am Ostendorfer Gymnasium einen Europatag organisiert. „Wir sind Europa“ lautete der Titel des Vortrags von Michael Möhnle. Er hat als Journalist und Pressesprecher unter anderem Erfahrungen im Europäischen Parlament gesammelt. „Was ist Europa für dich?“, fragte er eine Schülerin. Mit ihrer Antwort hatte Möhnle schon gerechnet: „Deutschland ist halt in Europa.“ Mehr bedeute die EU für sie eigentlich nicht.

Genau hier liege laut dem Referenten das Problem: „Es gibt eine europäische Identität, aber sie kennt keiner“, sagte er. Deshalb brachte er den versammelten Zehnt- und Elftklässlern zunächst die Geschichte Europas näher und ging auf Themen wie Demokratie, Meinungsfreiheit, Menschenrechte und Soziale Marktwirtschaft ein.

Referent zeigt EU-Errungenschaften auf

„Weißt du, was in Europa gut funktioniert?“, war Möhnles nächste Frage. Auch hier zeigten sich die Schüler zurückhaltend. Die Beispielliste des Referenten war jedoch lang: Der Binnenmarkt, ermöglicht freien Personen-, Dienstleistungs-, Waren- und Kapitalverkehr. Die EU sei außerdem eine „Jobmaschine“ und habe eine Währung mit starker Preisstabilität.

Auch in Sachen Klimaschutz sei man mit dem Green Deal, der eine Klimaneutralität bis 2050 vorsieht, weltweiter Vorreiter. Möhnle erwähnte außerdem Copernicus – Europas Weltbeobachtungssystem und das Galileo Navigationssystem. Letzteres hätte GPS schon lange abgehängt, so Möhnle. Bis 2027 wolle die EU außerdem ein eigenes Satellitensystem für sicheres Internet aufbauen.

Fake News und Nationalismus als Gefahr

Die größte Sorge des Referenten im Hinblick auf die Europawahl: die Gefahr durch den Nationalismus. „Man will Europa spalten“, sagte er. Deshalb appellierte er an die Schüler, sich gut zu informieren und nicht auf Fake News in Sozialen Medien hereinzufallen. In Gruppen erarbeiteten die Schüler Gedanken zu Fragen wie: Soll es eine europäische Armee geben? Welche Aufgaben sollen besser von der EU und welche von den Mitgliedsstaaten erledigt werden?

Die Schülerinnen Anna Limann und Lucia Sams sagten, sie seien sich vor dem Vortrag nicht sicher gewesen, ob sie zur Wahl gehen wollen. Doch der inhaltliche Input hätte ihnen weitergeholfen. Auch Florian Groth und Michael Niebler war vieles über Europa bislang noch unklar, auch wenn die beiden wussten, dass die EU eine wichtige Gemeinschaft ist. Für die Schüler ist nun endgültig klar, dass sie zur Wahl gehen werden.