Wie kriminell sind Ausländer im Landkreis Cham? – Was hinter der Statistik steckt

Von Johannes Schiedermeier · 11. Mai 2024 um 05:00

Es ist ein Rauschen durch den Blätterwald gegangen: In der Republik ist die Zahl der tatverdächtigen Ausländer sprunghaft angestiegen. Auch für den Landkreis Cham verzeichnet die Statistik des Polizeipräsidium Oberpfalz ein Plus von von 36,5 Prozent für 2023 Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen 834 Ausländer. Der höchste Wert seit 2014.

Doch das beantwortet nicht die Frage, wie kriminell Ausländer im Landkreis Cham sind. Polizeipräsidium und Ausländerbehörde des Landratsamtes haben uns mit weiteren Fakten zugearbeitet, damit es überhaupt eine Annäherung an die Problemstellung geben kann.

Touristen sind Ausländer

So ist beispielsweise im Landkreis Cham die Zahl der Ausländer seit 2017 von 6879 auf 10335 gestiegen, als um 66,5 Prozent. Die Bevölkerung stieg von 127000 auf 130500. Die Zahl der ausländischen Tatverdächtigen stieg gleichzeitig seit 2017 von 482 auf 835 (um 58 Prozent). Allerdings lässt sich der Bevölkerungsanteil von Menschen ohne deutschen Pass mit rund 16 Prozent nicht vergleichen mit dem Anteil der Nichtdeutschen unter den Verdächtigen.

Zu den Ausländern zählen im Bayerwald nämlich auch Touristen, deren Anteil an den 1,7 Millionen Übernachtungen sicher auch hoch ist. Auch ausländische Ehefrauen und -männer sind mitgerechnet, Geschäftsreisende aus Polen und Pendler aus Tschechien...

Und was für ein Verdacht steht da überhaupt im Raum? Diebstahl oder Gewaltverbrechen? Das Polizeipräsidium hat für uns die Hauptdelikte aufgeschlüsselt.

Die Zahl der deutschen Tatverdächtigen haben wir in Klammern dahintergesetzt: Bei der Gewaltkriminalität wurde 2023 gegen 57 Personen ohne Aufenthaltsgenehmigung ermittelt (und gegen 99 Einheimische). Bei der Gefährlichen und Schweren Körperverletzung sind 51 Ausländer verdächtig (90). Bei der Straßenkriminalität 44 (80) bei Diebstählen ist das Verhältnis mit 189 zu 179 fast gleich. Dafür wird bei Wohnungseinbrüchen gegen 20 Personen ohne Aufenthaltserlaubnis ermittelt und gegen sechs deutsche. Bei der Rauschgift-Kriminalität nähert sich das Verhältnis mit 197:232 wieder etwas an.

Am Ende erweist sich die Frage nach dem Ausmaß der Kriminalität bei Ausländern als genauso schwierig wie die Beschaffung aussagekräftiger Zahlen. Sie ist einfach zu pauschal. Und je weiter man sich dem Thema nähert, desto deutlicher wird dessen Breite. So sind alle gelisteten Fälle Tatverdächtige. Es ist kein Urteil gesprochen. Es gilt also die Unschuldvermutung.

Die Statistik wird außerdem verfälscht durch die Tatsache, dass ein hoher Prozentsatz der Zuwanderer junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren sind. Der Durchschnitts-Asylbewerber ist männlich und 30 Jahre alt. Das ist die Gruppe, die auch in ihren Herkunftsländern zu denen gehört, die die Kriminalitätsrate bereichern, insbesondere was Gewalt- und Sexualdelikte betrifft.

Und selbst das Bundesinnenministerium warnt vor seiner eigenen Statistik. Sie biete kein getreues Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit. So ist erwiesen, dass Ausländer wesentlich öfter und leichter eine Anzeige bekommen als Einheimische. Die Ergebnisse sind abhängig von der Kontrollintensität der Polizei, von verschiedenen statistischen Erfassungs-Methoden, geändertem Strafrecht...

Ein schönes Beispiel: Auf der Liste der ausländischen Tatverdächtigen im Landkreis Cham stehen Bürger der Tschechischen Republik mit 176 Tatverdächtigen an der Spitze. Das liegt aber wohl eher an der räumlichen Nähe als an deren besonders hoher Kriminalität. Schließlich arbeiten hier Tausende von Pendlern, viele machen hier Urlaub und natürlich ist der Landkreis auch für einige ein lohnendes Ziel, die anschließend schnell wieder über die Grenze flüchten wollen. Die Liste der Tatverdächtigen aus dem Ausland wird übrigens nach Tschechien gefolgt von Rumänien (84) Syrien/Arabische Republik (73) Polen (61), Ukraine (61) Irak (46), Ungarn 39), Slowakei (36), Bulgarien (27)...

Die Deutschen im Ausland...

Blickt man jedoch in der Kriminalstatistik der Republik zurück, so liegen die jetzt gestiegenen Werte immer noch unter denen von 2009. Sie waren lange gleichbleibend, in der Pandemie rückläufig und sind jetzt wieder um 11,9 Prozent gestiegen.

Im internationalen Vergleich hat Deutschland immer noch eine sehr geringe Kriminalitätsrate. Doch die Statistik bleibt weiter relativ: Im Nachbarland Österreich sind die Deutschen Teil des Problems und führen in einigen Bundesländern sogar die Kriminalstatistik an. Doch dort leben 200000 Deutsche, Tausende fahren dorthin in den Urlaub..

Kommentar

Die Tücke der nackten Zahl

Von Johannes Schiedermeier

Was also sagt sie aus, diese Kriminalstatistik über die Ausländer im Landkreis Cham? Zunächst scheint die Antwort einfach: Immer mehr von ihnen sind tatverdächtig.

Leider ist es wieder einmal viel komplizierter. Und es wird auch nicht einfacher, wenn man sich näher damit beschäftigt. Die Zahlen wollen nicht zueinander passen. Nicht jeder Ausländer ohne deutschen Pass ist ein nichtdeutscher Verdächtiger. Worunter fällt der Tourist, der klaut? Der ist schließlich auch verdächtig und Ausländer.

Die Frage, wie kriminell die Ausländer im Landkreis Cham sind, lässt sich schon deswegen nicht einfach beantworten, weil sie zu pauschal ist. Die Pauschalität stört uns Deutsche schon etwas mehr, wenn wir ins Nachbarland Österreich blicken. Kaum zu glauben: Dort sind wir Teil des Problems! In drei Bundesländer stehen wir auf Platz 1 bei der Ausländerkriminalität und in den restlichen auf Platz 2 gleich hinter Rumänien.

Und siehe da: Jetzt tauchen sie auf die Fragen. Wohnen da nicht 200000 Deutsche? Sind da nicht Tausende alljährlich auf Urlaub? Sind das alles vielleicht nur Mautverstöße?

Jetzt wollen wir doch nicht empfindlich werden: Platz 1 ist Platz 1. Das ist schließlich eine behördliche Statistik, wie unsere Kriminalstatistik auch. Vor der warnt zwar sogar unser eigenes Innenministerium, dass sie nur ein Zerrbild der kriminalistischen Wirklichkeit sein kann. Aber wenn sie ins Weltbild passt...

Dabei möchte ich gar nichts verharmlosen. Wir haben ein echtes Problem. Die Wirtschaft braucht und bekommt gute Arbeitskräfte aus dem Ausland, die diesen Landkreis mit nach vorne bringen. Wir haben aber zu wenig Handhabe gegen die, die sich hier gar nicht integrieren wollen. Und wir haben einen Zustrom, den wir nur noch in Containern notfallmäßig auffangen. Es zeigt sich aber, dass die Integration, die an solchen Orten mangelhaft sein muss, auch Kriminalität fördert. Daruf müssen wir reagieren. Und dafür liefert die Statistik auch gute Anhaltspunkte. Der Wahrheit letzter Schluss wird sie nie sein.