Hochwasserschutz in Nittenau: Wasserwirtschaftsamt kämpft für Genehmigung

Diese Katastrophe soll sich in Nittenau (Landkreis Schwandorf) nicht wiederholen: Beim Hochwasser 2002 standen zwölf Hektar Siedlungsfläche bis zu 1,5 Meter unter Wasser. Seit gut zehn Jahren laufen mittlerweile beim Wasserwirtschaftsamt die Planungen für Hochwasserschutzmaßnahmen für die Innenstadt. Doch wann kann das Projekt starten?
Rückblick: Es war im Jahr 2014, als das Wasserwirtschaftsamt Weiden Ingenieurbüros aus München und Siegsdorf mit der Erstellung der Entwurfs- und Genehmigungsplanung für ein Millionenvorhaben in Nittenau beauftragte – Mauern und Deiche sollen künftig die Altstadt vor den Fluten schützen. Der kleine Regen soll im Katastrophenfall abgeschottet werden und zwei Schöpfwerke hinter den Deichen sind geplant, um für die Binnenentwässerung zu sorgen.
Schutz kann die Innenstadt durchaus gebrauchen, wie man auch im Winter wieder gesehen hat
Dass Nittenaus Innenstadt einen effektiven Schutz gut gebrauchen könnte, zeigt sich immer wieder: An Weihnachten 2023 stiegen die Pegel am Regen wieder einmal so hoch, dass das Wasser durch die Kanäle auf den Marktplatz zu laufen begann. Wann also werden die umfangreichen Baumaßnahmen für das Hochwasserschutzprojekt starten, das Altstadt und Anger vor einem sogenannten Hundertjährigen Hochwasser schützen kann?
Das Wasserwirtschaftsamt Weiden verweist auf Nachfrage dazu auf das laufende Planfeststellungsverfahren, das man im Mai 2021 beim Landratsamt Schwandorf beantragt habe. Im Mai 2023 seien im Nittenauer Rathaus bei einem Erörterungstermin „verschiedene Widersprüche zum Vorhaben“ diskutiert worden.
Wasserwirtschaftsamt muss noch Widersprüche ausräumen
Diese machen der Behörde immer noch Arbeit. „Das Wasserwirtschaftsamt Weiden ist derzeit damit beschäftigt, eine Tektur vorzubereiten und dem Landratsamt vorzulegen, um zu den Widersprüchen Abhilfe zu schaffen“, kommentiert Behördenleiter Mathias Rosenmüller den Sachstand auf Nachfrage der Mittelbayerischen. Als Maßnahmenträger sei man aber „guter Dinge, dass wir damit die Einsprüche im Verfahren ausräumen können“. Man rechne damit, dass die Tekturunterlagen im Mai 2024 fertiggestellt und das Planfeststellungsverfahren am Landratsamt fortgesetzt werden könne.
Doch welche Widersprüche sind es konkret, die die Realisierung des Hochwasserschutzes in Nittenau hinauszögern? In der Regel gehe es hier um persönliche Betroffenheiten. Beispielsweise stelle ein Grundstückseigentümer in Frage, dass ein Deich gerade über sein Grundstück laufen müsse, erläutert Rosenmüller. Ein anderer befürchte, dass sein Wohngebäude im Falle der Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahme von Hochwasser stärker betroffen sein könnte als bisher.
Bisher gibt es keine Einigung mit dem Betreiber eines Wasserwerks
Darüber hinaus gibt es in Nittenau weiterhin keine Einigung mit dem Betreiber eines Wasserkraftwerks in der Nähe der großen Regenbrücke. Dieser sehe sich durch die vorliegende Planung „in seinen Belangen nicht ausreichend gewürdigt“, so Rosenmüller.
Zwar zeigt sich das Wasserwirtschaftsamt derzeit zuversichtlich, die Widersprüche ausräumen zu können. Doch bis zum tatsächlichen Baustart wird auch dann noch einige Zeit ins Land gehen. Nittenaus Bürgermeister Benjamin Boml (FW) will sich angesichts der Kosten, die zuletzt auf rund 27Millionen Euro für den ersten Bauabschnitt geschätzt wurden, noch keine Sorgen machen. Zwar soll die Stadt 35 Prozent der Kosten tragen – aber wie schwer das Nittenau am Ende tatsächlich treffen werde, sei im Moment noch unklar. „Noch ist alles sehr vage“, sagt Boml. So könne die Stadt finanzielle Beiträge zum Projekt beispielsweise auch durch die Anrechnung von Arbeitsleistung – zum Beispiel durch städtische Mäharbeiten an den Deichen über viele Jahrzehnte hinweg – leisten.
An einen baldigen Projektstart zu glauben – das fällt Franz Schreiner von der Bürgerinitiative Hochwasserschutz Nittenau angesichts der Widersprüche im Genehmigungsverfahren schwer. „Ich bin total frustriert“, sagt er. Immerhin aber habe die BI seit ihrer Gründung kurz nach dem schlimmen Hochwasser 2002 einiges bewirken können, sagt Schreiner und verweist auf die Möglichkeit zur frühzeitigen Absenkung des Höllenstein-Stausees bei Starkregengefahr, die man durchgesetzt habe. Ebenso habe sich die Realisierung des Buign-Durchstichs bewährt.
Dass es aber mit dem Baustart für den technischen Hochwasserschutz bislang so gar nicht vorwärts zu gehen schien, ist für Schreiner schwer zu akzeptieren. Dennoch ist Aufgeben für ihn keine Option. „Wir bleiben bis zum ersten Spatenstich aktiv“, sagt er. Danach allerdings, so findet er, sei auch die jüngere Generation in Nittenau gefragt, sich stärker mit dem Hochwasserschutz auseinanderzusetzen.
Forderung: Dämme sind freizuhalten – aus Sicherheitsgründen
Mehr Einsatz würde sich Schreiner auch von Seiten der Stadt wünschen. Die durch das Amt für Ländliche Entwicklung Anfang der 1980er Jahre errichteten Rückhalteanlagen seien in einem katastrophalen Zustand – zum Beispiel das Rückhaltebecken in der Nähe des Schönstattzentrums. Schreiner fordert, dass Dämme solcher Anlagen freizuhalten seien, weil Bewuchs mit seinen Wurzeln dazu führe, dass Wasser durchsickern könne. „Aus einem kleinen Rinnsaal wird ein großes – und dann bricht der Damm“, sagt Schreiner. Auch Bäche und Weiher im Stadtgebiet seien verlandet und deshalb in Sachen Hochwasserschutz nicht mehr funktionsfähig. „Da müsste die Stadt mehr tun“, sagt Schreiner.