Hochwasser: Landkreis Schwandorf kommt mit blauem Auge davon

Bedrohlich steigende Pegel, vollgelaufene Keller, überschwemmte Wiesen, Felder und Straßen. Der Dauerregen in den vergangenen Tagen hatte auch Folgen für den Landkreis Schwandorf. Vielerorts waren die Retter und Kommunen trotz Weihnachtstrubel in Alarmbereitschaft, um Schlimmeres zu verhindern – und deren Einsatz sollte sich auszahlen.
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Der Hammersee drohte überzulaufen
Beängstigend war die Situation über die Weihnachtsfeiertage in Bodenwöhr rund um den Hammersee. Die zahlreichen Zuläufe aus dem westlichen, nördlichen und östlichen Einzugsgebiet führten jede Menge Wasser mit sich und brachten den Hammersee beginnend ab Samstag fast zum Überlaufen. „Wir hatten eine ähnliche Situation, wie 2013“, so der alarmierte Bürgermeister Georg Hoffmann (CSU), der ergänzte: „Damals stand sogar das Gewölbe der Brauerei Jacob unter Wasser, was diesmal verhindert werden konnte.“ Der Kunst- und Wasserweg wurde zum Teil überflutet. Der Damm, auf dem die Taucherstraße verläuft, wurde mit Sandsäcken abgedichtet, über das Wehr in Blechhammer rauschten die Wassermassen vom Warbrucker Weiher in den Hammersee und der Überlauf beim Feuerwehrgerätehaus erreichte Höchststände.
Sukzessive wurde der Überlauf beim Feuerwehrgerätehaus geöffnet, damit mehr Wasser über den Sulzbach ablaufen und der See nicht überlaufen konnte. Dabei hatte man stets die Wassermassen des Sulzbaches im Blick, der sich zwei Kilometer weiter südlich durch Bruck zwängte und dort für Überschwemmungsgefahr sorgte. Montagvormittag entspannte sich die Lage langsam. Auf den ersten Blick konnten größere Schäden verhindert werden, so ein erleichterter Hoffmann, der allen Helfern für ihren Einsatz sowie den Unterliegern in Bruck für ihr Verständnis dankte.
Frau versenkt ihr Auto in Schwandorf
Eine 83-jährige Frau wollte am ersten Weihnachtsfeiertag erneut mit ihren Hunden beim Wasserwerk in Krondorf spazieren gehen. Trotz der Absperrung am Ortsende von Krondorf fuhr sie in Richtung Wasserwerk weiter, da es einen Tag zuvor auch möglich gewesen sei. Doch dass Wasser stieg weiter an. Die Frau blieb mit ihrem Kleinwagen stecken, weil sie die Wassertiefe unterschätzte.
Um etwa 10.50 Uhr trafen zwölf Kameraden der FFKrondorf-Richt ein. Einsatzleiter und Kommandant Wolfgang Pirzer watete bis zum Fahrzeug und mit zwei weiteren Kameraden schoben sie das Auto samt Frau aus dem Wasser heraus. Die Seniorin blieb unverletzt, jedoch war ihr Fahrzeug bis zu den Türschwellen voll Wasser gelaufen. Ansonsten blieb das Stadtgebiet Schwandorf von Überschwemmungen weitgehend verschont. Bis auf ein paar überflutete Straßen habe es keine nennenswerten Hochwasserereignisse gegeben, wie die Feuerwehren und das THW auf Nachfrage schilderten.
Kanute kentert bei Nabburg und sorgt für Großeinsatz
Am Nachmittag des Heiligabend erhielt die Polizei Nabburg eine Mitteilung über einen Kanufahrer, der auf der Naab über das Wehr bei Wiesmühle gefahren sein soll und danach nicht mehr gesehen wurde. Da „der Verdacht bestand, dass der Kanute gekentert sein könnte, begann eine groß angelegte Suchaktion“, teilt die Polizei mit. Der Kanute konnte nach rund 20 Minuten am Naabsteg in Nabburg angetroffen werden. Er war gekentert, sein Kanu trieb weiter flussabwärts und konnte im weiteren Verlauf geborgen werden.
Höchste Meldestufe in Nittenau
Am Freitag um etwa 7 Uhr wurden in Nittenau die ersten Maßnahmen eingeleitet, wie einer der Hochwasserbeauftragten der Stadt Nittenau, Markus Auburger, berichtete. Parkplätze am Regenufer wurden geräumt und gesperrt und der Regenuferweg abgeriegelt. Die Feuerwehren Nittenau und Bergham errichteten zwei Sandsackfüllstationen und bereiteten etwa 1000 Sandsäcke vor. Im Laufe des Abends schritt der Pegelstand über die 2,50-Meter-Marke. Die Kreisstraße SAD 11 zwischen Bodenstein und Reichenbach wurde daraufhin gesperrt, auch auf der Ortsverbindungsstraße Neuhaus – Entermainsbach war kein Durchkommen mehr möglich.
Aufgrund der Prognose der Meldestufe vier in Cham wurden am Samstagmorgen alle acht Feuerwehren im Stadtgebiet in Alarmbereitschaft gesetzt. Die FF Fischbach musste jedoch nicht ausrücken, wie Kommandant Waldemar Kojda schildert. Die Feuerwehr Nittenau errichtete den Hochwasserschutz an der Grund- und Mittelschule und der Bauhof die Hochwasserstege am Burghof. Weitere Sandsäcke wurden befüllt und teilweise an die benötigten Stellen ausgeliefert. Am Ende sollten es etwa 5000 Stück sein. Zwischenzeitlich stiegen die Pegel flussaufwärts weiter, das Wasser begann durch die Kanäle in den Marktplatz zu laufen. Deswegen wurde der Marktplatz an den betroffenen Stellen erst halbseitig, später voll gesperrt.
Von Sonntagabend auf Montagmorgen mussten auch die beiden Regenbrücken für den Verkehr gesperrt werden. Der Höchststand von 3,70Meter, also Meldestufe vier, wurde am Sonntagabend erreicht, anschließend begann sich die Lage etwas zu entspannen. „Durch die exzellente Vorarbeit aller Beteiligten fielen keine weiteren Arbeiten für die Einsatzkräfte an“, so Auburger.
Bruck blieb weitestgehend verschont
Der Markt Bruck hatte großes Glück. Die Wasserstände von Mühlbach und Sulzbach waren fast so hoch gestiegen, wie beim letzten großen Hochwasser 2013. Weil Bodenwöhr aber rechtzeitig reagierte und den Hammersee kontrolliert abließ, hatte es laut Kreisbrandmeister Patrick Allen keinerlei Beeinträchtigungen in Bruck gegeben – weder im Verkehr, noch in Privathaushalten oder flussnahen Firmen.
Genug Puffer beim Wasserspeicher am Eixendorfer See
Auch in Neunburg waren die Helfer in Alarmbereitschaft. Laut Bürgermeister Martin Birner (CSU) war der städtische Bauhof aktiv und auch mit dem Wasserwirtschaftsamt sei man regelmäßig in Kontakt gewesen. „Vor größeren Überschwemmungen wurden wir weitgehend verschont“, so der Rathauschef. In Neunburg sei der Hochwasserspeicher am Eixendorfer See in solchen Fällen entscheidend. Hätte dieser weiter aufgemacht werden müssen, um die Wassermassen abfließen zu lassen, hätte dies Folgen für das Umland gehabt. „Doch so weit ist es glücklicherweise nicht gekommen, es war genügend Puffer vorhanden“, so Birner. In den vergangenen Tagen habe der Bauhof morgens und abends einen Blick auf die neuralgischen Punkte geworfen. Weiter tätig werden mussten die Helfer nicht. Lediglich eine Unterführung vom Stadtpark in Richtung Schulzentrum musste kurzzeitig gesperrt werden. Nun habe sich die Lage wieder entspannt. Auch im Neunburger Umland seien laut Birner keine größeren Hochwasserereignisse bekannt.
Sandsäcke und Straßensperren in Teublitz
Im Städtedreieck hatte man sich ebenfalls bereits im Vorfeld auf das drohende Hochwasser eingestellt und Vorsichtsmaßnahmen getroffen. In Teublitz füllten beispielsweise die Helfer mit der kommunalen Sandsack-Abfüllanlage 20 Kubikmeter Sand ab und fuhren diese nach Münchshofen, Saltendorf, Premberg und Katzdorf zu den Feuerwehrhäusern. Von dort konnten sich Bürger Sandsäcke zur Absicherung ihrer Häuser abholen. Weiter wurden durch Mitarbeiter des Bauhofs in der hochwassergefährdeten Uferstraße, Hans-Holbein-Straße und Albrecht-Dürer-Straße in Münchshofen die Kanaldeckel in der Mitte und an der Seite die Sickerungsabläufe der städtischen Kanalisation mit Plastik und Sandsäcken abgedichtet, um bei einer Überflutung der Straßen die Kanalisation zu entlasten. Glücklicherweise kam es zu keiner Überflutung dieser Straßen in Münchshofen. Gesperrt wurden die Straßen wegen Überflutung in Saltendorf nach Kuntsdorf und zum FC-Sportplatz sowie der Wiesenweg von Münchshofen nach Premberg.
Kommunen haben vorbildliche reagiert
Von einem „blauen Auge“ spricht die Kreisbrandinspektion Schwandorf: Insgesamt mussten die Rettungskräfte im Landkreis von Heiligabend bis Dienstag hochwasserbedingt weniger als 20 Mal ausrücken – unter anderem wegen vollgelaufener Keller. „Die Kommunen haben zusammen mit den örtlichen Feuerwehren die Notfallpläne super umgesetzt und waren deswegen auch gut auf das Hochwasser vorbereitet“, lobt Hans-Jürgen Schlosser, Sprecher der Kreisbrandinspektion Schwandorf.
Die Einsätze hätten sich vor allem auf die Bereiche in der Nähe der Naab und des Regens konzentriert. „Wir möchten allen danken, die trotz der Weihnachtsfeiertage da waren und geholfen haben“, so Schlosser. Das sei keine Selbstverständlichkeit, zumal auch andere Einsätze abseits des Hochwasser gestemmt werden mussten. Mittlerweile hätte sich die Hochwassersituation beruhigt, man sei zuversichtlich, dass die Pegel weiter konstant fallen. Zum Jahresende stehen die Retter nochmals vor einem „kritischen Ereignis“: der Silvesternacht. „Hier möchten wir schon jetzt an alle Bürger appellieren, im Umgang mit Feuerwerkskörpern Vorsicht walten zu lassen“, so Schlosser.



