Ära geht zu Ende: Bäckerei Fritsch in Steinberg am See ist zu – aber Nachfolger schon in Sicht

Über Jahrzehnte gehörte die Bäckerei Fritsch zu Steinberg (Landkreis Schwandorf) wie die Semmeln zum Frühstück. Doch seit Samstag vergangener Woche ist damit Schluss, der Traditionsbetrieb hat zu. Die Nahversorgung in der Freizeitgemeinde ist allerdings noch nicht am Ende.
Zu den Gründen für den Rückzug gibt es keine gesicherten Aussagen. Inhaber Josef Fritsch war in den vergangenen Tagen für die MZ nicht erreichbar. Laut Bürgermeister Harald Bemmerl war in dem alt eingessenen Handwerksbetrieb „keine Nachfolge in Sicht“. Bemmerl bedauert das Aus, denn für die Bürger sei die die Bäckerei ein echter Anlaufpunkt gewesen.
Im Betrieb an der Nittenauer Straße 2 gab es nämlich nicht nur traditionelle Backwaren, Torten und Süßes, sondern auch eine Wurstauswahl und „ein kleines Sortiment an Dingen des täglichen Bedarfs“, wie der Bürgermeister erzählt. „Gerade für die älteren Leute war das praktisch, auch für die Kinder in der Schule daneben.“
Fast wie ein Tante-Emma-Laden
Das unterstreicht auch Erika Oberndorfer, die Schwester von Josef Fritsch. „Das war einfach wichtig für unser Dorf“, bekräftigt sie. Nach ihren Worten war der Betrieb mehr als nur eine Bäckerei, sondern fast wie ein Tante-Emma-Laden. „Vom Micky-Maus-Heft bis zum Soßenbinder hat es hier alles Mögliche gegeben“, erzählt die Gemeinderätin. Sehr viele ältere Bürger hätten das Angebot genutzt, aber auch die See-Anlieger und zahlreiche Urlaubsgäste. Von den Arbeitern ganz zu schweigen. Die seien „teilweise sogar in aller Frühe in die Backstube gegangen, um sich einzudecken“, wie Oberndorfer berichtet. Und am Stehtisch in der Bäckerei war immer mal ein schneller Kaffee drin.
Bäckerei Welter übernimmt den Standort
Trotzdem gibt es auch eine gute Nachricht für die Steinberger. Denn die Familie Fritsch hat einen Nachfolger gefunden, der zwar nicht in der Backstube am Standort produziert, aber doch die Versorgung weiterführt. Am 4. Januar 2024 wird die Bäckerei Welter aus Miltach (Kreis Cham) an der Nittenauer Straße eine Filiale eröffnen. So steht es an einem Aushang an der Tür, und so bestätigte es unserer Zeitung Thomas Bittner, der Pächter des Handwerksbetriebs aus dem Bayerwald.
„Wir sind regional verwurzelt“, sagt Bittner. Nach seinen Worten betreibt die Miltacher Bäckerei Filialen vor allem im Landkreis Cham, aber auch in Niederbayern. Im Landkreis Schwandorf sei man bisher im Edeka in Bodenwöhr und Neunburg vertreten. „Da hat es für uns Sinn gemacht, hier einen weiteren Traditionsbetrieb zu übernehmen“, sagt Bittner. Steinberg am See soll der 24. Standort für die Bäckerei Welter werden.
Das Angebot werde „fast so weitergeführt wie bisher“, verspricht der Pächter. Verkauft würden nicht nur Back- und Konditoreiwaren, sondern auch Getränke oder Zeitschriften. „Und auch der Wurstbereich bleibt. Gespräche mit den Lieferanten laufen. Die Familie hat sogar ihr Rezept für den Wurstsalat an uns weitergegeben“, so Bittner. Bleiben soll ebenfalls die Postfiliale, die auch zurzeit noch in Betrieb ist. Mit einer zusätzlichen Bestuhlung will die Bäckerei Welter den Aufenthaltsbereich behutsam vergrößern.
In Schwandorf baut Glaab die frühere Fritsch-Filiale um
Eine Lösung hat sich unterdessen auch für die Fritsch-Filiale an der Steinberger Straße in Schwandorf gefunden, in direkter Nachbarschaft zum Krankenhaus St.Barbara der Barmherzigen Brüder. Wie Inhaber Benedikt Glaab auf Anfrage bestätigte, will die Schwandorfer Traditionsbäckerei hier ihren dritten Verkaufsstandort in der Großen Kreisstadt etablieren – neben dem Stammhaus an der Neubäckergasse und dem Urbana49 im Ärztehaus an der Meiserstraße.
„Für uns ist die Lage interessant. Luftlinie ist das vielleicht 200 Meter von unserer neuen Backstube entfernt“, sagt Glaab. Mit einer Eröffnung rechnet er noch im Februar 2024. Vorangehen soll eine längere Umbauphase. Das genaue Konzept ist nach seinen Worten noch im Werden, aber eins stehe fest: „Es wird definitiv anders aussehen als früher“.