Immer wieder verschwinden Blumen und Grabschmuck – Pfarrer fordert mehr Respekt

Gartenzwerge, Grablichter oder -schmuck sind offenbar begehrte Gegenstände und werden vom Friedhof in Nittenau im Landkreis Schwandorf immer wieder gestohlen. In der Facebook-Gruppe „Nittenau online“ äußerten kürzlich einige Nutzer ihren Unmut über diese Art der Grabschändung. Gibt es eine Möglichkeit, sich vor Diebstahl zu schützen?
Der Friedhof an der Regentalstraße ist in zwei Teile geteilt und es gelten dort verschiedene Regeln. Für den neuen Bereich ist die Stadt und für den alten Teil die Pfarrei Mariä Geburt zuständig. „Auf einem Grab darf erst einmal alles stehen. Aber der Schmuck darf die Pietät nicht verletzen“, sagt Pfarrer Holger Kruschina dazu. Er erklärt, dass auch der Grabnachbar Rechte hat. Sei es bei der Gestaltung, aber auch bei der Pflege.
So heißt es in der Friedhofsverordnung der Pfarrei: Jedes Grabmal ist so zu gestalten, dass die Würde des Friedhofes gewahrt bleibt. Außerdem darf das Grabmal den Friedhof nicht verunstalten oder aufdringlich wirken. Bäume und große Sträucher dürfen nicht gepflanzt werden. Der Wuchs der Pflanzen darf die Wege und Nachbargräber nicht beeinträchtigen. Verwelkte Blumen, Pflanzen und Kränze sind zu entfernen.
Ein Grab kann auch auffallen
Maria Eger, zuständig für das Friedhofswesen der Stadt Nittenau, erzählt, dass auf dem städtischen Teil viel geduldet wird, was eigentlich nicht erlaubt sei. Als Beispiel nennt sie unter anderem die Kiesabdeckung oder künstliche Blumen. Fällt ein Grab „negativ“ auf, so werden die Besitzer kontaktiert.
Auch in der städtischen Verordnung steht, dass die Ruhe gewahrt werden muss. „Hinter den Gräbern dürfen keine Gegenstände gelagert werden“, sagt Eger. An den Urnenwänden sind nach der Beisetzung Blumenkränze und Schalen erlaubt. Nach jedoch maximal 14 Tagen sind die Kränze zu entsorgen. Blumenschalen dürfen stehen bleiben, bis diese verwelkt sind. In Zukunft sollen die Regeln strenger kontrolliert werden, so Eger.
Mit einem Facebook-Post über gestohlene Gartenzwerge hat eine Nittenauerin eine Lawine ins Rollen gebracht – mit dem Aufruf suchte sie eigentlich nach den vier Figuren. Aber: Viele weitere Nittenauer meldeten sich mit ähnlichen Problemen. „Scheint wohl auf unserem Friedhof alltäglich zu sein, meiner Mama wurden auch schon Grabkerzen vom Urnengrab ihres verstorbenen Mannes gestohlen. Denjenigen sollen echt die Finger abfaulen“, teilte eine weitere Nutzerin mit.
Problem gab es schon immer
Eine andere Frau prangerte das übergriffige Verhalten an, ein Unbekannter habe ihr Blumengesteck „total übergossen“. Und auch vor Ort auf dem Friedhof trifft man Leute, die ähnliche Geschichten über gestohlene Blumentöpfe oder Kerzen erzählen können. „Das Problem gibt es schon immer“, erzählt eine Frau, die anonym bleiben möchte. „Ich habe ihr geraten, es bei der Polizei anzuzeigen“, sagt Pfarrer Kruschina zum Vorfall mit den Gartenzwergen.
Auf dem öffentlichen Friedhof gebe es keine Überwachungskamera und er sei zu groß, dass Grabnachbarn mitbekommen würden, wenn sich ein Fremder am Grab zu schaffen macht. Daher rät der Geistliche, Dekoration und Blumen fest zu verankern. „Generell sollte jeder Respekt vor dem Eigentum eines anderen haben. Was mir nicht gehört, das fasse ich nicht an“, mahnt der Nittenauer Pfarrer.
Angezeigt wurde laut Presseauskunft des Polizeipräsidiums Oberpfalz in Nittenau in den Jahren 2019 bis 2023 kein einziger Fall. Im Landkreis Schwandorf wurden im vergangenen Jahr hingegen fünf Diebstähle der Polizei gemeldet.

