Ein Jahr Frühstücksfreunde Abensberg: Kinderlachen als Belohnung fürs Schnippeln

Um fünf Uhr aufstehen, für jedes Kind ein Graus. Die Damen und Herren der Frühstücksfreunde aber machen das jeden Mittwoch für die Grundschüler in Abensberg (Landkreis Kelheim), und zwar freiwillig – und mit einem Lächeln im Gesicht.
Es ist noch nicht mal acht Uhr, und der erste „Stammtisch“ ist schon gegründet: Vitus, Georg, Xaver, Katharina, Marta und Finn haben wahrscheinlich mit Bananenmilch und Kaba darauf angestoßen. Sie gehören zu den etwa 220 Schülern der Aventinus Grundschule, die das Angebot der Frühstücksfreunde sehr gerne und regelmäßig nutzen. Wenn der Wecker wieder zu tief in der Nacht klingelt, der Schulbus zu früh fährt, kriegt so Mancher daheim noch keinen Bissen runter.
Um fünf Uhr aufstehen, für jedes Kind ein Graus. Die Damen und Herren der Frühstücksfreunde aber machen das jeden Mittwoch, und zwar freiwillig – und mit einem Lächeln im Gesicht.
Und fröhlich sind dann auch die Kinder. Es ist kurz vor acht und noch tummeln sich jede Menge Mädchen und Buben im Dachgeschoss der Grundschule. In ihren Händen haben sie belegte Brote, Bananen oder Äpfel, die Reste vom Frühstück als Pausenmahlzeit. Sie plappern laut durcheinander. Soeben haben sie mit ihren Freunden gegessen und wollen jetzt unbedingt mit aufs Bild. „Ich finde es super“, sagt Rebeca und Mathilda stimmt ihrer Freundin zu. „Voll lecker“ sei die Butterbreze, sagt Vanessa, Hannes und Raphael wiederum finden es toll, hier mit ihren Freunden in den Tag starten zu können.
Echte Bereicherung
Seit einem Jahr bieten die Frühstücksfreunde hier, unter dem Dach der Schule, mittwochs Brezen, Joghurt, Kaba oder Marmeladensemmeln an, und zwar kostenlos, finanziert durch Spenden, „eine echte Bereicherung“ sei das Frühstück, sagt Rektorin Andrea Brandl.
Ab sechs Uhr morgens werden Semmeln im Akkord geschmiert
Und damit das alles so reibungslos abläuft, müssen ab sechs Uhr morgens im Akkord Semmeln geschmiert, Tassen bereitgestellt, Gemüse geschnippelt, Bananen und Äpfel drapiert werden. 100 Semmeln und 110 Brezen müssen hergerichtet, Joghurt in Gläser gefüllt, Teller gestapelt werden. Die Frühstücksfreunde bereiten ein schönes Büfett vor, das auch dem schlimmsten Morgenmuffeln Appetit machen dürfte. Eigentlich startet das Frühstück um 7.15 Uhr, „aber die ersten Hungrigen sind schon um fünf nach sieben da“, sagt Ursula Prohaska, Vorsitzende des Vereins und Ideengeberin. Als ehemalige Religionslehrerin weiß sie um Kinder, deren großes Loch im Bauch irgendwann zwischen den langen Schulstunden die Konzentration gänzlich verschlingt.
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Das Stillen des Hungers ist das Eine, aber „es geht ja aber auch um die soziale Bedürftigkeit, um das Gemeinsame“, sagt Brandl. So mancher Langschläfer wird da zum freiwilligen Frühaufsteher, wenn man mit Freunden plaudern kann und auch noch etwas Leckeres zwischen die Kiemen kriegt. Prohaska wiederum freut sich, dass das Kollegium der Grundschule so eifrig die Idee unterstützt. Der Stundenplan wurde extra umgestellt, so dass die 4a jetzt mittwochs in der ersten Stunde Sport hat. So ist das Klassenzimmer unter dem Dach frei für den Frühstückstreff. Dann werden Bierbänke aufgereiht, Kannen befüllt, Marmeladensemmeln geschmiert, „Erdbeermarmelade ist der Schlager“, erzählt Brandl schmunzelnd über ihre Erfahrungen.
Als dann kurz nach acht alle Kinder weg sind, räumen die Frühstücksfreunde auf, spülen das Geschirr ab und frühstücken danach selbst. „Die Lehrer kochen uns dafür extra einen Kaffee“, sagt Prohaska, und schneidet gleich noch den Kuchen an, schließlich feiern die Frühstücksfreunde heute ihren ersten Geburtstag. „Als wir mit dem Frühstück begannen, hatte ich die Befürchtung, dass nach zwei-, dreimal keine Freiwilligen mehr kommen“, gesteht sie.
Gemeinsamkeit im Fokus
Das Gegenteil war der Fall: Fröhlich sitzen die Frauen und auch ein paar Männer beisammen und lachen, man sieht schnell, dass der Begriff „Frühstücksfreunde“ keine leere Worthülse ist.
Das Soziale, das gemeinsame Essen, das gefällt nicht nur den Kindern. „Wenn Ferien sind, finden es auch wir alle schade, dass das Frühstück ausfällt“, so Prohaska. „Unsere Belohnung ist das Kinderlachen“, bringen die Frühstücksfreunde ihr ehrenamtliches Engagement auf den Punkt.
Frühstücksfreunde: Wer will sich engagieren?
Verein: Rund 150 Mitglieder haben die Frühstücksfreunde. Das Frühstück finanziert sich durch Spenden, die Waren bekommen die Freunde verbilligt von den drei Bäckereien und einem Supermarkt. Obst und Milchprodukte gibt es vom Europäischen Schulhofprojekt. Der Verein wird von der Stadt unterstützt. Unterstützung gibt es auch durch so manche Ehrenamtskampagne von Firmen.
Infos: Infos bei Ursula Prohaska unter Telefon: (09443) 2227 oder (0175) 4674548



