Abensberger Frühstücksfreunde schnipseln und schmieren für Kinder

Von Judith Buchwald · 20. Mai 2023 um 05:00

Seit Mitte März versorgt der Verein Frühstücksfreunde einmal die Woche zwischen 230 und 250 Kinder mit einem leckeren, gesunden und kostenlosen Frühstück. Tendenz steigend.

4.50 Uhr morgens, ein Mittwoch im Mai. Der Radiowecker spielt Charivari. Für die Abensbergerin Gunda Weisheit heißt es nun aufstehen. „Das ist schon sehr früh“, beteuert die ehemalige Sekretärin, die eigentlich schon längere Zeit das Ausschlafen im Ruhestand genießt. Mit einem Lächeln verrät sie schelmisch: „Ich brauche in der Früh‘ halt auch ein bisschen länger.“ Dann heißt es anziehen, Haare zurecht zupfen, ein schneller Kaffee und eine kleine Schale Müsli. „Mit leerem Magen kann ich nicht aus dem Haus gehen.“ Anschließend fährt sie zur Aventinus Grundschule.

Dort trifft sie sich mit weiteren ehrenamtlichen Helfern – vielen Ruheständlern im Unruhestand. Jeden Mittwoch. Pünktlich um 5.50 Uhr. Seit Mitte März versorgt der Verein Frühstücksfreunde einmal die Woche zwischen 230 und 250 Kinder mit einem leckeren, gesunden und kostenlosen Frühstück. Tendenz steigend. „Wir wussten aus vorheriger Abfrage, dass es wahrscheinlich gut angenommen werden würde“, berichtet Vereinsvorständin Ursula Prohaska. „Dass es derart einschlagen würde, hatten wir aber nicht erwartet.“

Keine Frühstückseier

Da die Abensberger Grundschule keine Mensa hat, werden die Tische und Bänke für das Mittwochsfrühstück schon am Tag zuvor im Eingangsbereich auf-, am Mittwoch nach dem Frühstück wieder abgebaut. „Wir sind froh, dass wir dafür auch einige männliche Helfer gewinnen konnten“, erzählt Prohaska. Auch ihr Mann, der ehemalige Chef der Raiffeisenbank Bad Gögging, packt jeden Dienstag und Mittwoch mit an. „Es macht einfach Spaß zu sehen, wie viel Freude die Kinder mitbringen“, berichtet Karl Prohaska.

Am frühen Mittwochmorgen wird dann geschnipselt, geschmiert und angerichtet was das Zeug hält. Um 7.15 Uhr kommt der erste Schulbus. Dann sollen frisch belegte Wurst- und Käsesemmeln, ein Meer aus Marmeladenbrötchen, unzählige Butterbrezen, in mundgerechte Stückchen geschnittene Gurken, Orangen und anderes Gemüse, Müsli, Joghurt, Kaba, Milch und Tee schon auf die Kinder warten.

Nur Gekochtes dürfe nicht angeboten werden, berichtet Ursula Prohaska. Zu scharf seien hierfür die Vorgaben des Gesundheitsamtes. „Darum gibt es auch keine Frühstückseier“, erklärt Prohaska. Während die ehrenamtlichen Helfer noch Essen und Geschirr aufbauen, sammeln sich vor dem Eingang schon die ersten hungrigen Frühstücksgäste. „Aus Versicherungsgründen dürfen wir erst pünktlich um 7.15 Uhr aufmachen“, erzählt Ursula Prohaska mit einem kleinen Zwinkern in den Augen.

Die Bürokratie habe es ihnen nicht immer leicht gemacht, berichtet die engagierte Vereinsvorständin, die auch die Idee zum kostenlosen Frühstücksangebot hatte. 15 Jahre arbeitete sie als evangelische Religionslehrerin an der Aventinus-Grundschule. „In dieser Zeit habe ich oft erlebt, dass Kinder spätestens ab der vierten Stunde schlapp und lustlos waren“, erinnert sich Prohaska.

Als dann die Schauspielerin Uschi Glas eine ähnliche Aktion ins Leben rief, war für Ursula Prohaska klar: „So etwas möchte ich auch in Abensberg anbieten.“ Für ihr Konzept, konnte sie zügig Mitstreiter gewinnen. Während sie erste Anschaffungen und Einkäufe wie Geschirr und Lebensmittel noch aus eigener Tasche finanzierte, schlossen sich schnell zahlende Mitglieder und Spender der Frühstücksaktion an.

Mittlerweile finanziere sich das Mittwochsfrühstück über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Alle Milchprodukte werden dabei über ein EU-Förderprogramm kostenlos zur Verfügung gestellt. Die anderen Lebensmittel werden in den örtlichen Supermärkten frisch eingekauft. „Je nachdem, wo es die Marmelade oder den Käse gerade im Angebot gibt“, berichtet Prohaska schmunzelnd.

Rektorin Andrea Brandl ist so von der Aktion und dem reibungslosen Ablauf jede Woche begeistert, dass sie das Angebot gerne noch erweitern würde. „Wir könnten uns durchaus vorstellen, das Frühstück auch an weiteren Tagen der Woche anzubieten. Es ist so schön, zu sehen, wie die Kinder nicht nur satt, sondern auch mit einem gestärkten Gemeinschaftsgefühl in den Unterrichtstag starten.“ Dafür brauche es laut den Organisatoren aber viele helfende Hände.

Denn obwohl alle ehrenamtlichen Helfer und auch Mitglieder des Elternbeirates derzeit mit Herz und Seele dabei sind, wird es bei Krankheitsfällen oder in der Urlaubszeit doch eng. „Wir freuen uns über jeden, der sich als Helfer zur Verfügung stellt“, betont Ursula Prohaska.

Kaum Essensreste

Um 7.15 Uhr ist es dann soweit. Die Pforten der Grundschule gehen auf, strahlende Kinderaugen strömen herein. Ein kleiner Blick links, ein schneller Blick nach rechts, das Lieblingsessen ist abgecheckt, ein Teller geschnappt und in der Reihe angestellt. „Beim ersten Mal war das alles noch ein wenig unübersichtlich und durcheinander“, berichtet Klaus Brandlhuber. Der engagierte Rentner kümmert sich heute um einen reibungslosen Ablauf an der Geschirrrückgabe. Mittlerweile hätten die Kinder den Ablauf aber gut drauf.

Was Brandlhuber auch noch nach einigen Wochen freut und auch ein wenig überrascht: „Wir haben so gut wie keinen Rücklauf von angebrochenem Essen. Die Kinder nehmen wirklich nur das, was sie auch essen wollen und schaffen.“ Die wenigen Reste werden dann im Lehrerzimmer abgestellt. „Dort können sich die Kinder noch einmal etwas in der Pause holen.“

Die neun Jährige Samira zeigt zufrieden ihre Frühstücksauswahl.
Bei der Essensausgabe haben die fleißigen Helferinnen alle Hände voll zu tun. -Foto: Fotos: Judith Buchwald
Frühstücksfreund Klaus Brandhuber nimmt schmutziges Geschirr wieder zurück.