Vom Blumenkind zur Pfingstbraut: Für Eva Maria Schreiner ist ein Kindheitstraum wahr geworden

Ob sie schon aufgeregt ist? „Momentan hält es sich noch in Grenzen“, sagt Pfingstbraut Eva Maria Schreiner im Gespräch mit unserer Zeitung daheim im Esszimmer ihres Elternhauses und schmunzelt dabei. Der Stress ist ihr anzumerken. Ebenso aber auch die Freude über diese besondere Zeit in ihrem Leben.
„Ich glaube, die Aufregung kommt noch. Im Moment überwiegt noch der Vorbereitungsstress“, schiebt sie hinterher. Immerhin ist es nur etwas mehr als eine Woche, bis sie mehrere Tage lang an der Seite von Pfingstbräutigam Andreas Kolbeck im Mittelpunkt des großen Festes der Bad Kötztinger steht.
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Für die 25-jährige geht damit ein langersehnter Traum in Erfüllung. „Als gebürtige Kötztingerin wächst man da ja automatisch hinein“, sagt Eva Maria und strahlt dabei über das ganze Gesicht. An den Tag, als sich Bräutigam Andreas Kolbeck bei ihr mit der Frage aller Fragen gemeldet hat, erinnert sich Eva Maria noch ganz genau: „Das war der 7. Februar. Er hat mir eine Nachricht geschickt und mir erzählt, dass ihn der Bürgermeister angerufen hat. Da wusste ich sofort, was er von mir möchte“, erzählt sie.
Vor zwei Jahren zugesagt
Dass sie im Fall der Fälle einmal seine Pfingstbraut sein wird, lag nämlich länger in der Luft. „Andreas hat mich schon vor zwei Jahren gefragt, ob ich denn wollen würde, falls er als Bräutigam ausgewählt wird. Da habe ich ihm zugesagt.“ Dass es dann doch zwei Jahre später schon soweit sein würde, damit habe sie nicht gerechnet. „Im ersten Moment war ich schon überrascht“, gesteht sie. Nach nur kurzer Bedenkzeit habe sie ihm dann aber gleich zugesagt. Beide kennen sich bereits seit Kindertagen. „2004 sind Andreas und ich schon gemeinsam als Blumenkinder mitgegangen“, erzählt sie.
Dass auch ihre Familie mit der Pfingsttradition bestens vertraut ist, davon zeugen die vielen Bilder und Erinnerungsstücke an den Wänden des Esszimmers der Familie Schreiner. Immerhin war Eva Marias Vater Rudi 1990 Pfingstbräutigam, nahm bisher 25 Mal am Pfingstritt teil, und gehört seit vielen Jahren dem Burschenverein und dem Spielmannszug an. Auch Eva Marias Bruder Christian ist bei beiden Vereinen Mitglied und bisher achtmal nach Steinbühl und wieder zurück geritten. Dass jetzt die Tochter und Schwester in die Rolle der Pfingstbraut schlüpft, macht die Familie stolz.
Das wird alleine durch die Unterstützung deutlich, die Eva Maria bei der Erledigung der zahlreichen Pfingstbraut-Pflichten von ihnen erhält. „In erster Linie helfen sie mir viel bei der Organisation“, erzählt Eva Maria. Ebenso packen Vater und Bruder auch beim Aufbau des Pavillons oder Schmücken des Wohnhauses mit an. Ihre Mutter Olga unterstütze sie unter anderem beim Binden der rund 500 Schleifen für die Burschen, die diese bei den beiden Bewirtungen des Pfingstbräutigams am Pfingstmontag und am Dienstag angesteckt bekommen werden. Ebenso sind die Freundinnen der diesjährigen Pfingstbraut zur Stelle, etwa wenn es um das Dekorieren für die Pfingsthochzeit geht. Für Eva Maria keine Selbstverständlichkeit: „Ich bin ihnen allen dafür sehr dankbar“, sagt sie. „Alleine würde ich das natürlich niemals schaffen.“
Immerhin reihen sich die Termine im Kalender der 25-Jährigen momentan dicht aneinander. So kommen auf einen Tag teilweise bis zu vier Veranstaltungen. Erst vor kurzem durfte sie gemeinsam mit Pfingstbräutigam Andreas Kolbeck die Einladungen zur Pfingsthochzeit an Landrat Franz Löffler und Bürgermeister Markus Hofmann übergeben. Als Pfingstbraut war sie natürlich auch beim Frühlingsfest des Burschen-Vereins in der Lindner-Bräu-Halle vertreten, am 1. Mai ging es mit den Burschen dann zur Maiwanderung auf den Kaitersberg. Hinzu kommen noch zahlreiche weitere Termine, die vor allem die Organisation der Pfingsthochzeit betreffen.
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Und dann ist da noch die Versorgung der Blumenkinder – eine Aufgabe, die traditionell alleine der Pfingstbraut obliegt – bei der Eva Maria aber ebenso Unterstützung von ihren Freundinnen und ihrer Mutter bekommt. Bereitgestellt werden müssen Kleider und Hemden für zwölf Kinder. Und dennoch: „Für mich ist das alles positiver Stress“, stellt Eva Maria klar, die momentan donnerstags immer einen arbeitsfreien Tag hat.
„Das passt ganz gut. Auf den Tag lege ich mir zum Beispiel meine Termine beim Friseur zum Probestecken“, sagt die Zahntechnikern, die seit etwa zwei Jahren in einer Zahnarztpraxis in Viechtach arbeitet. Auch wenn die Pfingst-Euphorie in der Nachbarstadt erfahrungsgemäß etwas verhaltener ist, haben sich ihre Kollegen mit ihr gefreut und zugesagt, bei der Pfingsthochzeit dabei zu sein.
Brautkleid bereits abgeholt
Und doch gibt es unter all den Terminen einen ganz besonderen: Die Entgegennahme des fertigen Pfingstbrautkleides. Am Freitag war es so weit. Um es abzuholen, ist Eva Maria in Begleitung ihrer Eltern nach München zu der Schneiderei gefahren, in der sie die festliche Robe eigens nach ihren Wünschen hat anfertigen lassen. Als enge Vertraute sind die beiden die einzigen, die das Kleid bisher sehen durften. „Nicht einmal mein Bruder oder meine Freundinnen wissen, wie es aussieht“, betont die Pfingstbraut.
Spekulationen um die Farbe des Kleides etwa macht die Pfingstbraut den Garaus. Dementsprechend wachsam reagiert die 25-jährige auch auf Fangfragen, die auf die alljährlich wohl meist gesuchte Antwort bis zum großen Tag abzielt. „Ich bin in den letzten Wochen schon oft nach der Farbe des Kleides gefragt worden", erzählt sie. Die einen hätten es geschickt durch die Hintertür versucht, andere hätten sie wiederum ganz direkt gefragt. Eva Marias Reaktion sei in jedem Fall die selbe gewesen: Stillschweigen. Und so heißt es auch in diesem Jahr für alle Neugierigen: Abwarten und überraschen lassen.
