Das Strahlen der Kleinen ist das Schönste für die neue Leiterin des Kinderhauses Zillendorf

Von Petra Schoplocher · 7. Mai 2024 um 11:00

Teresa Ruhland erinnert sich ganz genau. An die Frage, bei der Geburtstagsfeier des Papas, ob die ausgeschriebene Stelle in Zillendorf nichts für sie wäre. Schließlich würde sich die 33-Jährige dann die Fahrt nach Reichenbach sparen...

Wenige Wochen später. Teresa Ruhland sitzt in ihrem neuen Büro und kommt aus einem Dauer-Lächeln nicht heraus. „Ich bin so froh, dass ich hier bin“, sagt die Leiterin des Kinderhauses Löwenzahn aus tiefstem Herzen. Die Jungen und Mädchen, ihre Unbeschwertheit, ihre Begeisterungsfähigkeit hautnah erleben zu dürfen, sei „schlicht wunderbar.“ Ein wundervoller Arbeitsplatz!

Ausbildung bei den barmherzigen Brüdern

Die Zusage der Stadt nach Bewerbung und Vorstellungsgespräch sei für sie überraschend gekommen, erzählt die zweifache Mutter. Als gelernte Heilerziehungspflegerin habe sie ihre Einschätzung nach nämlich vermeintlich nicht ins vorrangige Beuteschema für eine Kindertagesstätte gepasst. Folglich habe sie sich nicht allzu große Chancen ausgerechnet. Dass sie dennoch überzeugen konnte, habe sie „sehr gefreut.“ Und dass sich die neue Aufgabe jetzt auch noch als Glückstreffer darstellt, gleich noch mehr.

Sprung ins kalte Wasser

Ein bisschen flau sei ihr vor dem Sprung ins kalte Wasser schon gewesen, erzählt die Arracherin, die es der Liebe wegen nach Waldmünchen verschlagen hat. Aber das Team und allen voran ihre Stellvertreterin Lisa Sponfeldner hätten es ihr sehr leicht gemacht, zählt sie.

Apropos Dankbarkeit: Die Leitungs-Stelle mit 30 Wochenstunden – zehn für die Verwaltung, 20 bei den Kindern – konnte sie nur annehmen, weil zuhause alle hinter ihr stünden, schließlich sind da auch zwei kleine Kinder (eineinhalb und dreieinhalb Jahre) zu betreuen. Ganz bewusst nimmt sie sie nicht nach Zillendorf mit, eine Trennlinie tue gut, außerdem wollte sie die Ältere nicht aus St. Stephan herausreißen.

Kinderhaus ist voll belegt

61 Kinder besuchen das Kinderhaus Löwenzahn aktuell, je 25 in den beiden Kindergartengruppen und elf in der Krippe (in der bis September sogar ein Platz frei ist). Die Kombination empfindet sie als sehr bereichernd. Die Älteren, die schon in der Krippe waren, würden immer wieder gerne bei den Kleinen reinschauen und oft mit ihnen spielen, die Durchlässigkeit ist gewollt.

Dürfen, nicht müssen

Zum Konzept, den Jungen und Mädchen Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, gehört, dass Angebote gemacht werden, aber nicht verpflichtend sind. Wenn ein Kind an einem Tag nicht mit in die Turnhalle will, muss es nicht. Der Vorteil einer „kleinen“ Einrichtung. „Es ist ja immer jemand da.“

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Offen und harmonisch charakterisiert sie Haus und Menschen. Von Elternseite erfährt sie viel positives Feedback. „Die sind wohl auch froh, dass nun Ruhe einkehrt“, sagt sie zu den doch zahlreichen personellen Veränderungen in den vergangenen Jahren. Teresa Ruhland hat nämlich vor, zu bleiben. „Das ist schon auf lange Sicht angelegt“, lächelt sie.

Zehn Mitarbeiter plus eine SEJ- (Soziales Einführungsjahr) sowie eine Kinderpflegerpraktikantin gehören zum Team. Ganz neu ist ihr die Verantwortung nicht, in Reichenbach fungierte sie eine Zeit lang als stellvertretende Wohngruppenleiterin. Auf ihre Tätigkeit dort wie auf den früheren Arbeitgeber – lässt sie nichts kommen. Dort hat sie ihre Ausbildung gemacht und „immer gerne tätig gewesen“. Der Umgang mit Menschen eben...

Wenn sie ihre Schützlinge im freien Spiel, speziell auch im Garten beobachtet, geht ihr das Herz auf. „Wie sie sich entwickeln, sich suchen, abenteuerlustig sind: einfach toll“, führt sie aus. Und zieht die beste aller Zwischenbilanzen. „Es gefällt mir wahnsinnig gut.“

Die Backleidenschaft

Die Familie, sie ist in gewisser Weise auch „schuld“ an der Backleidenschaft der 33-Jährigen. Schon zu Opas Zeiten durfte Kuchen am Samstag nicht fehlen, eine Tradition, die sie längst zu schätzen weiß und deren Fortführung ihr ein Anliegen ist.

Zutaten zusammengeworfen

Als sie im Teenager-Alter war, warf ihr Mama Christiane aus heiterem Himmel eines Tages diese Verantwortung samt Rezept zu. Die heute 33-Jährige erinnert sich noch zu gut. „Ich hab‘ alles reingeschmissen.“

Gelungen ist der Rotweinkuchen (trotzdem) – und der Grundstock für eine Passion gelegt. Es wurde immer mehr und immer besser. Damit ging die Erkenntnis einher: „Das ist genau meins, ,my good time‘ (meine gute Zeit)“. Seitdem kann sich Ruhland bis mitten in die Nacht hinein in die Küche stellen, längst braucht sie sich keine Gedanken mehr über Geschenke zu Geburtstagen und Co. zu machen. „Ich bringe Kuchen oder Torten nach Wunsch mit.“

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Käsekuchen geht immer, lautet ihre Maxime, ihr persönlicher Favorit ist indes eine Mascarpone-Quark-Himbeer-Kombination. Aktuell steht eine besondere Bestellung im „Auftragsbuch“. Die Einrichtung wird in diesem Jahr 50. Für die Geburtstagsfeier (am 16. Juni) muss natürlich eine Torte her...

Geburtstag statt Jahresthema

Das Jubiläum ist gleichsam der Grund, warum das Kinderhaus auf ein „klassisches“ Jahresthema verzichtet hat. „Es war praktisch vorgeben.“ Die Kleinen sind in die Festvorbereitungen eingebunden, „das ist schon Motto genug“.

Zur Feier selbst sind alle ehemaligen „Kinder“ und Mitarbeiter eingeladen. Explizit angeschrieben wird der erste Jahrgang, „es wär natürlich schön, wenn der stark vertreten wäre“, rührt Ruhland die Werbetrommel. Neben Aufführungen wird es geben, Spielstationen und eine Tombola.

Ein besonderes Fest

Statt selber zu grillen, wird das Essen geliefert, schließlich sollen alle etwas von dem Nachmittag haben und sich unter‘s Volk mischen können. Das Kuchenbuffet bleibt allerdings in Kindergartenhand – mitsamt einer besonderen Torte. Die wird sicher eine optische und geschmackliche Offenbarung – mit einem Untertitel: Wenn man seiner Leidenschaft folgt, entsteht Großes...

Die Kleinsten sind das Größte: Als Springerin kennt die 33-Jährige alle Kinder gut. Die derzeit 61 Jungen und Mädchen in ihrer Entwicklung zu begleiten, ist für sie in Geschenk.
Leidenschaft trifft auf Begabung: An Ruhland ist eine Konditorin verloren gegangen.