Protesttag von Aktion Mensch für Inklusion

Reichenbach. „Viel vor für Inklusion! Selbstbestimmt leben – ohne Barrieren.“ Mit diesem Motto möchte Aktion Mensch am 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, auf eines aufmerksam machen: Die UN-Konvention für die Rechte der Betroffenen müssen besser umgesetzt werden. Seit beinahe 15 Jahren sind sie in Deutschland zwar angenommen, aber, wie eine neue Studie zeigt, nicht wirklich ausreichend angekommen.
Roland Böck, Geschäftsführer der Einrichtung der Barmherzigen Brüder Reichenbach, sieht das pragmatisch: „Richtig ist, dass noch viel vor uns liegt, aber wichtig ist, auch das zu sehen, was in den 15 Jahren schon alles passiert ist.“ Er weiß selbstverständlich, dass Teilhabe unter anderem voraussetzt, Menschen mit Behinderung in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.
Vor vielen Jahren wurden deshalb bereits die Fühler ausgestreckt, um neue Projekte außerhalb der Einrichtung in Reichenbach zu schaffen. „Mittlerweile haben wir sieben Standorte“, erläutert Böck, und zwar in den Bereichen Wohnen und Arbeit. Im September vergangenen Jahres war der Start in der ersten Zweigwerkstatt in Regensburg und der fünften Förderstätte, diesmal in Schwandorf, beides in zentraler Lage. Damit seien beste Voraussetzungen für ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben und eine größtmögliche Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben geschaffen.
„Genau genommen haben wir uns eigentlich schon vor gut 30 Jahren auf den Weg gemacht, Menschen mit Behinderung zu integrieren“, verweist Böck auf die Offene Behindertenarbeit im Landkreis Cham. 1992 gegründet, wurden seitdem die Betroffenen, vor allem diejenigen, die zuhause wohnen, mit vielen kreativen Ideen begleitet und unterstützt.
Damit Inklusion in den Köpfen ankommt, braucht es in seinen Augen außerdem Partner, mit denen man dasselbe Ziel verfolgt. Das passiert für ihn in der Koordinierungsstelle Landkreis Cham inklusiv und barrierefrei und im Arbeitskreis Landkreis Cham inklusiv: „Hier engagieren sich alle gemeinsam für gelebte Inklusion im Landkreis.“ Regelmäßige Treffen zum Austausch, Veranstaltungen organisieren und die eingehende Überprüfung der Barrierefreiheit im Landkreis seien entscheidende Ziele.
Ein ausgezeichnetes Beispiel ist nach seiner Überzeugung der Runde Tisch im Landkreis Cham: „Alle setzen sich zusammen, es wird diskutiert und vor allem immer nach Verbesserungen und Lösungen gesucht.“ So steht heuer die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben im Fokus. Denn: Barrieren jeglicher Art erschweren es den Betroffenen immer noch, etwa kulturelle Veranstaltungen zu besuchen.
Und das ist für Roland Böck genau der Punkt: „Es gibt noch viel zu tun, es ist schon viel gemacht, aber es muss einfach immer weitergehen.“