Landesgartenschau Geschäftsführer Herwig Decker räumt überraschend seinen Posten

Von Alexander Frimberger · 7. Mai 2024 um 16:30

Überraschende Personalie bei der Landesgartenschau (LGS) Furth im Wald 2025. Geschäftsführer Herwig Decker räumt seinen Posten. Hintergrund ist eine schwere Erkrankung. Seitens der Verantwortlichen herrscht großes Bedauern aber auch Verständnis und Respekt für diese Entscheidung.

LGS-Aufsichtsratsvorsitzender, Bürgermeister Sandro Bauer, lässt keinen Zweifel daran, dass Decker ein treibender Motor für die LGS war und ist. Im Jahr 2018 habe er das Bewerbungskonzept geschrieben, aufgrund dessen Furth im Wald den Zuschlag bekommen habe.

Er sei von Anfang an ein Überzeugungstäter gewesen. Auch nachdem er den Posten des Geschäftsführers 2021 in einer schwierigen Situation übernommen habe. „Herwig Decker hat viele Menschen überzeugt, dass dieses Projekt eine riesen Chance für Furth ist und die Stadt in ihrer Entwicklung enorm voran bringt. Diese Überzeugung hat er in vielen Führungen vermittelt, und dafür sind wir ihm dankbar“, lobt der Rathauschef.

Keine Grabesstimmung

Decker, der keine Grabesstimmung verbreiten will, möchte in Bezug auf seine Krankheit dennoch mit offenen Karten spielen, denn: „Die Leute sollen nicht den Eindruck bekommen, dass ich einfach so hinschmeiße.“

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Nachdem er 2021 den Posten als Geschäftsführer übernommen hat, bekam er 2022 die Diagnose Leukämie. „Eine Schockdiagnose für mich, aber die Prognose war sehr gut.“ Seitens der Ärzteschaft hieß es, dass es bei dieser Form des Blutkrebses lange Zeit dauern kann, ehe die Krankheit ausbricht. „Leider war die Realität nicht so gut, wie die Prognose.“

Starker Verlust der Leistungsfähigkeit

Seit einem Jahr muss Decker nun medikamentös behandelt werden. Im Krankheitsverlauf hat der 59-Jährige einen starken Verlust der Leistungsfähigkeit festgestellt. Müdigkeit, Unruhe, nachts wach liegen, waren einige der negativen Konsequenzen. Am härtesten hat ihn aber getroffen, „dass mich außer der Landesgartenschau nichts mehr interessiert hat.“ Aufgrund dieser Ausgangssituation und auf Anraten der Ärzte muss Decker seine Belastung reduzieren. „Deshalb habe ich mich entschlossen, jetzt zurückzutreten und nicht erst im Herbst oder kurz vor der Eröffnung der Gartenschau.“ Decker sieht die LGS mit einem guten Team, das nahezu vollständig ist, auf einem guten Weg. Auch wenn ihm dieser Schritt natürlich schwer fällt, „fällt es mir daher nicht so schwer, jetzt zu gehen.“

Hoffnung geplatzt: Trotz der schlimmen Diagnose LGS begleiten

Ein Schritt, dem Bauer großen Respekt zollt, weil Decker mit seiner Krankheit immer sehr offensiv umgegangen sei. „Wir wussten von Anfang an Bescheid und haben mit ihm gehofft, dass er trotz der schlimmen Diagnose die LGS bis zum Ende begleiten kann. Leider ist das jetzt nicht der Fall.“

Auch Geschäftsführerkollege Robert Sitzmann bedauert das Ausscheiden seines Kollegen. „Es ist fair von ihm, dass er ein Jahr vor Beginn der Landesgartenschau diesen Schritt macht und nicht wartet, bis ihn die Krankheit vollends zum Aufgeben zwingt.“

Zum weiteren Vorgehen sagt der Aufsichtsratsvorsitzende, dass die vakante Position des städtischen Geschäftsführers nicht neu besetzt wird. Demnach bleibt Sitzmann als Vertreter der Landesgartenschau Geschäftsführer und Tina Heigl weiterhin Prokuristin. Derzeit wird seitens der Stadt nach einer Lösung für die Unterschriftenregelung gesucht. Das soll einer der Amtsleiter in der Verwaltung übernehmen. Notwendig ist das laut Sitzmann, weil die Landesgartenschau sonst Gelder der Stadt ausgibt, ohne dass dies von dieser Seite abgesegnet ist.

Der LGS-Zug fährt Vollgas

Eine Neubesetzung des Postens ist für Bauer ungünstig. Er vergleicht die LGS mit einem Zug, der gerade mit Vollgas unterwegs ist. Jede Störung könne da zu Problemen führen. Wie Decker ist er überzeugt: „Die Geschäftsstelle der LGS ist zwischenzeitlich in allen Bereichen mit sehr motivierten und leistungsstarken Mitarbeitern besetzt, so dass wir mit zusätzlicher Unterstützung aus der Stadtverwaltung alle anstehenden Aufgaben weiterhin gut bewältigen können.“

Sitzmann ergänzt, dass zu einem späteren Zeitpunkt noch zwei Stellen besetzt werden sollen. Einer für Steuer und Buchhaltung und ein weiterer für das Kinder- und Jugendprogramm.

Abschließend wendet sich Bauer noch einmal an seinen bisherigen Geschäftsführer: „Der Schritt ist sehr bedauerlich aber verständlich. Mein Dank für alles, was er geleistet hat. Und vielleicht kann er uns ja an der ein oder anderen Stelle noch behilflich sein oder einen Rat geben.“

Überzeugungsarbeit bei Führungen leistet Herwig Decker gern.